Kunst verstehen: „C‘est la vie“ oder „Ich Ben, ich signiere alles“

Ben Vautier, Farbserigraphie
Ben Vautier, FarbserigraphieFoto-Quelle: gemeinfrei
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Mit solchen markanten Worten provozierte und mischte der FLUXUS-Künstler Ben(jamin Vautier) ab den 1960er Jahren die europäische Kunstszene auf. Heute, am 18. Juli, feiert er, voraussichtlich in Nizza, seinen 80. Geburtstag.

Der Begriff „FLUXUS“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „fließend“ und „vergänglich“. Er bezeichnet eine neue Kunstrichtung von 1962 bis 1970 mit ihrem Ober-Motto „Was zählt, ist die schöpferische Idee“. Aus der Mitglieder-Liste dieser Avantgardekünstlern die Namhaftesten: George Maciunas (Mitgründer), Bazon Brock, John Cage, Wolf Vostell, Yoko Ono, Robin Page, Robert Filliou, Joseph Beuys und eben auch „Ben“.

Auf einmal tauchte da in der Kunstszene das Logo „Ben“ auf. Es hat nun mal nicht die „Markenqualität“ eines „AD“ gleich Albrecht Dürer, aber beeindruckte doch durch mediale Präsenz. „Ben“­­­­ ist die Kurzform von Ben(jamin Vautier) und entwickelte sich zu einem „Markenzeichen“ der modernen Kunst.

Ben lebt in Nizza

Ben gilt als französischer Künstler mit schweizer Herkunft (sein Urgroßvater war übrigens der Maler Benjamin Vautier (1829-1898) - aber sein Geburtsort ist das italienische Neapel. Ab 1939 ergaben sich für seine Familie sehr unterschiedliche Aufenthaltsorte in der Türkei, Ägypten, Italien und der Schweiz - um sich dann in Nizza/Frankreich ab 1949 niederzulassen. Seit den 1950er Jahren experimentierte Ben mit dem FLUXUS-Protagonisten George Maciunas und den „Nouveau Realisme“ Künstlern Arman, Yves Klein, Daniel Spoerri und Jean Tinguely.

Angeregt durch diese Kreativen und dem Wegbereiter des Dadaismus und Surrealismus Marcel Duchamp entwickelte Ben einen stark „angelehnten“ künstlerischen Stil - dem geschriebenen Wort kommt in seinen Arbeiten ein besonderer Stellenwert zu.

Ben lernte George Maciunas kennen

Im Jahre 1959 gründete Ben seine eigene Zeitschrift „Ben Dieu“ (Ben Gott) und trat auf Initiative von Gründer George Maciunas 1962 der FLUXUS-Künstlerbewegung bei - beide gründeten das „Theatre Total“ in Nizza.

In Nizza betrieb Ben zwischen 1958 und 1973 einen Schallplatten-, Buch- und Schreibwarenladen namens „Magasin“. Dieser war gleichzeitig Atelier und Mittelpunkt seiner künstlerischen Aktivitäten. Die Fassade und Innenräume bestückte er mit einer Vielzahl von Objekten und „Schreibschriftkommmentaren“.

Ben Vautiers künstlerische Botschaft ist ganz bewußt und gezielt, sogar provozierend - ein Wort, einen Satz oder Textzeilen auf „Bildtafeln“ zu schreiben. Einfach und plakativ geschieht dieses oft in weißer (negativer) Handschrift auf schwarzem Untergrund in einem rechteckigen Bildformat.

Wort und Schrift, insbesondere seine Signatur haben so in seinem Werk eine ganz zentrale Bedeutung. Das Bild wird zu einem verbalen Statement und hat keinen Titel. Der Künstler „Ben“ produzierte plakative, skurrile, programmatische, selbstbewußte-egozentrische Ausagen wie z.B.: „Ben ist wichtiger als niemand“.

Weitere provokante Textproben:

„Ich suche die Wahrheit“
„Alles ist Kunst“
„Abwesenheit der Kunst = Kunst“
„Ben = Kunst“
„Ich signiere nicht mehr“

Die Kunst und den Alltag verband er durch seine Happenings und Aktionen.

Es war 1970, Ben war 35 Jahre alt und es war das Jahr seiner ersten Ausstellungen. Er beschäftigte sich intensiv mit der Frage „Was tun nach Duchamp?“ Ab 1971 begann Ben zwei Aktivitäten gleichzeitig: Das Geschäft und die Kunst, die ihm aber nichts einbrachte, ihn aber begeisterte. Dank Mail Art und Fluxus war Ben vor allem mit Randgruppen in Kontakt, er diente in Nizza als Katalysator und Informant für alles, was in der Welt geschah.

Ben und sein erfolgreiches Jahr 1972

1972 war das Jahr der großen Ausstellungen, Grand Palais in Paris, in Luzern und die documenta 5 in Kassel mit dem riesigen Spruchband über dem Museum Fridericianum und der Aufschrift „Kunst ist überflüssig“.

1992 überspannte das Motto „La Suisse n‘existe pas“ (Die Schweiz existiert nicht) den Eingang des offiziellen Pavillons der Schweiz auf der Weltausstellung in Sevilla.

Im Pariser Centre Georges Pompideau erhielt 1994 Ben eine „Große Einzelausstellung“ und hier wurde sogar die damalige Fassade von Bens Laden „Magasin“ in Nizza aufgestellt - denn Ponthus Hulten, Direktor des damaligen Mueeums Beaubourg, kaufte sie 1975.

Zum Schluß möchte ich von Ben noch diesen markanten Satz zitieren „Art is only a question of signature and date“.

Links:

(Ben Vautier - Biografie)
http://www.art-directory.de/malerei/...utier-1935/

(FLUXUS)
http://www.kunstwissen.de/fach/f-kun...tm/pm01.htm

(Marcel Duchamp - Dada)
http://www.kunst-zeiten.de/Marcel_Duchamp-Werk

(Nouveau Realisme)
http://www.kunstwissen.de/nouveau_realisme.htm

(Tinguely Museum Basel)
http://www.tinguely.ch/de/ausstellun...rschau.html


Map-Data:
Museum Tinguely, Paul Sacher Anlage 2, CH-4002 Basel

1 Kommentar

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Liebe Heidrun, im Stile Ben's "schreibe" ich nun einfach merci.
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