Die Lichtrevolution im neuen Opel Astra: Voll-LEDs für Alle

Abblendlicht mit dem LED-Matrix-Licht: Auch hier wird Rücksicht auf den Vord ...
Abblendlicht mit dem LED-Matrix-Licht: Auch hier wird Rücksicht auf den Vorderwagen genommenFoto-Quelle: Opel/seniorbook

Es werde Licht. Hell wie der lichte Tag sollen die Scheinwerfer auf die Straße strahlen. Am besten mit Dauerfernlicht. Das ist das hellste. Mit zunehmendem Alter kann man nie genügend Licht auf der Straße haben. So ließe sich Walter Röhrls Spruch über Hubraum und PS in einem Auto abwandeln.

Viel Licht, aber welches? Dauer-Fernlicht, aber wie? Glühfunzeln mit der Zweifadenlampe werden nur noch in Oldtimer geschraubt. Halogen-Birnchen sind seit den 70er Jahren üblich. Das asymmetrische Abblendlicht, seit 58 Jahren in Deutschland Vorschrift, verhindert ein Blenden Entgegenkommender. Der rechte Strahl zeigt wie ein Finger weit nach vorn entlang des Fahrzeugrands, der linke strahlt nicht so weit.

1991 erregten erstmals Xenon-Scheinwerfer im Siebener-BMW für Aufsehen. Das bläuliche Licht war sehr stark, andere Verkehrsteilnehmer fühlten sich belästigt oder geblendet. Der Fahrer aber genoss Überholprestige. Heute sind Xenon-Scheinwerfer üblich, meist noch Aufpreis pflichtig.

Von der Gasentladung zur Leuchtdiode

Konkurrenz erwächst der Gasentladungslampe aber durch die LEDs. Die Licht emittierenden Dioden (Halbleiter). Sie waren anfangs nur als Rückleuchten zugelassen. Mit dem ersten Voll-LED-Scheinwerfer vor acht Jahren jedoch entfachte der Lexus LS 600 den Wettstreit ums beste Licht. Audi folgte ein Jahr später mit dem R8. Damit war der Bann gebrochen. Exotisch sind noch die Laser-Scheinwerfer. Ob sie sich durchzusetzen vermögen?

Aber noch müssen sich erst die LED-Schweinwerfer bewähren. Selbst Firmen wie Mercedes, die anfangs sehr skeptisch und von den Vorteilen des Voll-Led-Lichts nicht überzeugt waren, schwenkten auf diese Technik. LEDs verfügen über eine Haltbarkeit von 10.000 Betriebsstunden, länger als manches Auto fährt. Sie sind auch sparsamer beim Stromverbrauch und bieten Technikern wie Designern ungeahnte Möglichkeiten.

Das Spiel mit der Matrix

Da ein Scheinwerfer aus einem Bündel einzelner Leuchtdioden besteht, können diese separat so geschaltet werden, dass spezielle Lichtbilder auf der Straße entstehen. Dies ist wird Matrix genannt, daher auch sein Name Matrix-Scheinwerfer. Ein Fotosensor nimmt das entgegenkommende Licht auf und ortet die Quelle. Kommt ein Fahrzeug entgegen, wird es erkannt. Sofort werden all jene LEDs ausgeschaltet, die blenden. Auch entgegenkommende Fahrradfahrer werden detektiert – aber nur wenn sie mit ausreichender Beleuchtung unterwegs sind.

Fernlicht-Dusche auf Fußgänger


So kann immer mit Fernlicht gefahren werden. Denn es passt sich dem entgegenkommenden und vorausfahrenden Verkehr an (Hier sind es die reflektierten Lichtstrahlen aus den Rückspiegeln, die die LEDs ausschalten). Dumm nur, auf Fußgänger nimmt das automatische Fernlicht keine Rücksicht. Er wird weiterhin geblendet - da er dem Fahrzeug entgegengeht sehr heftig und brutal. Hier versagt die Automatik. Es liegt am Fahrer, ob er Rücksicht nimmt und sein Fernlicht abschaltet. Dann allerdings muss er nach dem Passieren des schwächsten aller Verkehrsteilnehmer das Fernlicht wieder aktivieren, um die Fahrbahn mit Licht zu fluten.

Mit Videokamera und Mustererkennung


Techniker arbeiten daran, das adaptierende Fernlicht weiter zu verbessern. Mit Hilfe einer Videokamera wird die Umgebung gescannt und Muster erkannt. Gesichter sind solche Muster. Das bedeutet, Der Fernlichtkegel kann so exakt berechnet werden, dass das Gesicht des Fahrers ausgespart bleibt. Er wird nicht geblendet. Gleichzeitig profitiert er von dem starken Licht des Entgegenkommenden. So könnten auch Fußgänger auf der Straße nicht mehr geblendet, aber doch erkannt werden.

Aus der Opel-Forschung: Das Licht folgt meinem Blick


Noch einen Schritt weiter gehen die Lichttechniker im Team von Frank Langkabel von Opel. Sie wollen das Lichtbündel dorthin lenken, wohin der Fahrer schaut. Damit dirigieren die Augen einen Suchscheinwerfer. Natürlich bleibt die Fahrbahn weiter in Licht getaucht, aber sie leuchten bereits die Kurve aus, sobald der Fahrer in sie hineinschaut, bevor er einlenkt.

Schilder, Verkehrszeichen, Warnhinweise all diese Informationen werden eigens angestrahlt, wenn der Blick des Fahrer s auf sie gerichtet ist. Dem Techniker ist sehr bewusst, keine Lichtorgel zu inszenieren, dennoch starke, werden blendfreie Scheinwerfer mit optimaler Ausleuchtung des Umfelds immer wichtiger. Denn die meisten Unfälle passieren nachts. Und viele Autofahrer klagen über schwächere Augenleistung und fühlen sich nächtens unsicher.

Die Demokratisierung des Lichts


War bisher das beste Licht eine Frage des Klassenbewusstseins. Luxuswagen bieten es an, Kompaktfahrzeuge nicht, so wird der neue Astra zum ersten Mal in dieser Fahrzeugklasse den Voll-LED-Scheinwerfer mit adaptivem Fernlicht anbieten. Dieser Martrix-Scheinwerfer besteht aus 16 LEDs, acht pro Seite. Die ausgestrahlte Lichtflut wird permanent mit dem Verkehrsgeschehen auf der Straße abgeglichen. Das IntelliLux-Lightsystem ermöglicht dem Fahrer Gegenstände auf der Straße deutlich früher wahrzunehmen. Bei Tempo 80, so haben Forscher der Technischen Hochschule in Darmstadt festgestellt, sind es 30 bis 40 Meter. Dadurch öffnet sich das Zeitfenster für den Fahrer um weitere 1,5 Sekunden, um zu reagieren.

Mehr noch, der Matrix-Scheinwerfer ist mit verschiedenen Programmen gefüttert, die automatisch ablaufen. Erkennt die Frontkamera im Auto Ortsschilder, wird ein anderes Lichtbild mit anderer Stärker ausgestrahlt, als beim Verlassen der geschlossenen Ortschaft. Dann gilt wieder volles Fernlicht.

Weitere Lichtfunktionen sind neben dem Stadt- und dem Landstraßenlicht, der Autobahnmodus, das automatische Kurven- und Abbiegelicht (hier werden auch die Geo-Daten des Navigationssystems verarbeitet), wie auch das Parklicht. Auch wird bei Bedarf auf Linksverkehr umgeschaltet. Die Matrix macht’s möglich.

Freude auch bei den Designern. Die Scheinwerfer sind nicht mehr so groß und klobig. Die LED-Bündel lassen auch gestalterische Freiheiten zu und beim Tagfahrlicht kann der neue Astra mit strahlendem Lächeln Freunde gewinnen.

Ob ds aber ausreicht, damit der Astra wieder an seinen Alt-Rivalen, den Golf aufschließen kann, der ihn doch so deutlich abgehängt hat, wird er auf der IAA Anfang September beweisen müssen. Dort erlebt er seine Premiere.

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