Auf gute Nachbarschaft! Es ist Zeit für Senioren-Genossenschaften

Auf gute Nachbarschaft! Es ist Zeit für Senioren-Genossenschaften

News Team
Von News Team

Der demografische Wandel in Deutschland stellt den herkömmlichen Sozialstaat vor große Herausforderungen. Soziale Sicherungssysteme und Kommunen können die Folgen einer überalternden Gesellschaft längst nicht mehr im Alleingang meistern. Bürgerschaftliches Engagement ist gefragt wie nie.
In seiner Publikations-Reihe Monitor veröffentlichte das Versicherungsunternehmen Generali jetzt Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungsprojekts mit der Technischen Hochschule Nürnberg mit dem Titel „Seniorengenossenschaften in Deutschland. Versorgungsmodell der Zukunft?“
Seltverantwortung trifft Mitverantwortung
Die Untersuchung zeigt, dass Nachbarschaftshilfen und Seniorengenossenschaften eine große Chance sind, dass Bürgerinnen und Bürger in ihren eigenen vier Wänden in Würde altern können.
Das Prinzip von Seniorengenossenschaften ist der Gedanke der Gegenseitigkeit. So unterstützen sich Bürger einer Gemeinde im Alltag, zum Beispiel im Haushalt, bei Erledigungen oder einfach durch persönliche Zuwendung.
Mitglieder bringen ihre eigenen Fähigkeiten ein und profitieren zugleich von der Unterstützung anderer. Wichtig ist dabei, dass das meist ehrenamtliche Engagement langfristig und verbindlich ist.
Generation 55 plus als Chance
77 Prozent der rund 220 Seniorengenossenschaften in Deutschland sind als Verein organisiert.
Die Studie zeigt, dass nicht nur alte und bedürftige Menschen mit an Bord sind. Die Generation 55 plus bildet den Löwenanteil der Mitglieder.
Diese immer weiter wachsende Bevölkerungsgruppe ist der entscheidende Stützpfeiler der Genossenschaften, da sie über ein hohes Potenzial an Erfahrung, Zeit und Energie verfügt.

Monitor 07 - Generali Zukunftsfonds

Besonders gut funktionieren Seniorengenossenschaften, wenn sie Teil eines lokalen Netzwerks sind und mit anderen Organisationen vor Ort, zum Beispiel Kommunen, Kirchen, Hochschulen, Freiwilligenagenturen, zusammenarbeiten.
Einkaufsdienste am beliebtesten
Charakteristisch für Seniorengenossenschaften ist der indirekte Austausch von Leistungen. Wichtig ist es, dass innerhalb einer Nachbarschaft auch die Dienste angeboten werden, die tatsächlich benötigt werden.
Zu den klassischen Diensten gehören Hilfe beim Einkaufen, Begleit-, Besuchs- und Fahrdienste sowie handwerkliche Tätigkeiten.

Monitor 07 - Generali Zukunftsfonds

Wird bei einem Angebot eine bestimmte fachliche Qualifikation benötigt, wie zum Beispiel bei der Demenzbetreuung, kaufen Seniorengenossenschaften diese Dienstleistungen privat hinzu. Dies ist allerdings die Ausnahme.
Jede Hilfe wird belohnt
Auch wenn das Engagement der Bürger meist ehrenamtlich ist, gibt es bei Seniorengenossenschaften Entlohnungsformen. So bekommen Mitglieder nach der Erbringung ihrer Leistung eine Gutschrift auf einem sogenannten Verrechnungskonto. Als Verrechnungseinheit dienen Geld, Zeit, Punkte oder auch eine Kombination derer.
Bei der Seniorengenossenschaft „Wir für Uns eG“ im bayerischen Heroldsbach zahlt der Nutzer einer Leistung beispielsweise einen symbolischen Betrag von acht Euro pro Stunde.
25 Prozent gehen als Verwaltungs- und Betriebskosten an die Genossenschaft. 75 Prozent erhält der Helfer entweder bar oder als Zeitgutschrift von 45 Minuten auf sein Verrechnungskonto. Der Helfer könnte dann seinerseits einen Dienst von 45 Minuten kostenlos in Anspruch nehmen. Auf diese Art und Weise wurden im 2011 gegründeten Verein bereits über 2000 Hilfestunden abgeleistet.

Monitor 07 - Generali Zukunftsfonds

Nachbarschaftshilfe für alt und jung
Die Seniorengemeinschaft Kronach Stadt und Land e.V. geht sogar noch einen Schritt weiter. Hier liegt der Schwerpunkt nicht nur auf der Unterstützung der älteren Bevölkerung, sondern auch auf der Entlastung der sogenannten „Sandwich-Generation“.
Bianca-Fischer Kilian gründete die fast 700 Mitglieder (Stand 2015) umfassende Organisation vor sechs Jahren.

Als Mutter eines Kleinkindes hatte ich gleichzeitig pflegebedürftige Eltern zu betreuen. Ich brauchte Unterstützung, für die ich auch bezahlen wollte. Allein, es fehlte der Dienstleister, der Aufgaben übernimmt wie mit meiner Mutter spazierengehen oder Einkäufe erledigen.

In der Seniorengemeinschaft Kronach engagieren sich drei Gruppen: Schüler, die Ihr Taschengeld aufbessern möchten, die „Sandwich-Generation“ sowie alte Menschen. Dabei übertragen viele ihr erarbeitetes Engagement als Zeitgutschriften direkt den Eltern.

Wenn ich beim Nachbarn den Winterdienst mache, kann ich so dafür sorgen, dass das auch jemand bei meinen Eltern im Nachbarort übernimmt.

Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge
Obwohl die Mitglieder ehrenamtlich tätig sind, muss sich eine Seniorengenossenschaft selbstverständlich auch um die Finanzierung kümmern. 20.500 Euro Einnahmen bedarf es im Durchschnitt, um eine solche Institution führen zu können.
Die Haupteinnahmequelle sind dabei Mitgliedsbeiträge. Sie decken rund ein Drittel des gesamten Finanzierungsbedarfs.

Monitor 07 - Generali Zukunftsfonds

Nachbarschaftshilfen sind laut der Generali-Studie eine große Chance, den Problemen des demografischen Wandels beizukommen und den Sozialstaat zu entlasten. Derzeit müssen jedoch noch 68 Prozent aller Seniorengenossenschaften ohne öffentliche Förderung auskommen.

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1 Kommentar

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Das Geld für alte Menschen in unserer Gesellschaft war da. aber es wurde zweckentfremdet . Anscheinend wurden damit Asylanten und Faulenzer bevorzugt und unterstützt..
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