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K.O. Götz, Melusine, 1960

Kunst verstehen: Damals studierten bei K.O. Götz heutige Weltkunststars

Man sollte nicht nur die Künstler und ihre Werke bewundern oder verehren, sondern auch ihre Fähigkeiten, ihren Mut und ihre Ausdauer für die „Nachwuchsförderung“. Ein sehr gelungenes Beispiel dafür war Prof. Karl Otto Götz an der Kunstakademie Düsseldorf im Bereich „Freie Malerei“. Er selbst, ein deutscher Maler und Lyriker, unter seinem Künstlername „K.O. Götz“, war einer der Hauptvertreter der abstrakten Kunst und des „Informel“ in Deutschland.

Nicht zufällig schmückte er sich schon früh mit dem Künstlernamen „K.O. Götz“, denn mit diesem Markennamen wollte er gezielt und präzise seinen „Kampf ums Bild“ verdeutlichen, aber kein Niederschlag, noch ein „Knock out“ soll assoziert werden! Dabei hatte seine Biografie, noch seine Malerei, die Aggression, die ein Jackson Pollock mit seinem gestischen Expressionismus zeigte - K.O. Götz malte sehr kontrolliert, seine Bilder entstanden geplant und sie waren streng komponiert - sogar Vorzeichnungen fertigte er an. Seine möglichst schnell ausgeführten Malaktionen präsentierte er ab den frühen 50er Jahren aber sehr dekorativ.

Am 22. Februar 1914 wurde Karl Otto Götz in Aachen geboren. Und eine „Rissa“ - mit diesem Künstlernamen seit 1964, eine Ableitung von dem norwegischen Ort Rissa - absolvierte bis 1965 bei Prof. Karl Otto Götz ihr Studium - und im selben Jahr wurde geheiratet (Rissa ist Karin Götz, geborene Martin). Zehn Jahre später, 1975, wurde auch sie Professorin für „Freie Malerei“ an der Kunstakademie Düsseldorf. Ab jetzt lebten beide Künstler in Wolfenacker/Rheinland-Pfalz. Und morgen vor einem Jahr, am 19. August 2017, verstarb hier, in dem hohen Alter von 103 Jahren, K.O. Götz.

Sein Frühwerk verbrannte in Dresden

Beim Bombenangriff auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 wurde Karl Otto Götz hiesige Wohnung völlig zerstört und somit der Großteil seines Frühwerks vernichtet. Im selben Jahr, aber nach Kriegsende, heiratete er Anneliese Hager, mit der er schon eine Tochter hatte - hinzu kam 1946 noch ein Sohn.

In der Nachkriegszeit so bis 1950 lebte K.O. Götz mit seiner Familie in Königsförde bei Hannover. Hier lernte er die Maler Emil Schumacher, Heinz Trökes und Hann Trier intensiv kennen. Schon im Jahre 1947 ermöglichte Major William Gear (K.O. Götz Freund und englischer Besatzungs- und Kulturschutzoffizier) über eine Pariser Freundin, dass abstrakte Arbeiten von K.O. Götz in einer Pariser Galerie ausgestellt wurden. Die so entstandenen Kontakte nach Frankreich machten ihn schnell zu einem ganz wichtigen Mittler zwischen der deutschen und französischen Kunstszene - Paris war damals das wichtigste Zentrum für moderne und abstrakte Malerei.

Hier hatten 1948 einige belgische, niederländische und dänische Künstler, darunter Asger Jorn, Constant, Karel Appel und Corneille, die Künstlergruppe CoBrA gegründet. Diese Gruppe war durch K.O. Götz Pariser Ausstellung auf ihn aufmerksam geworden, er wurde 1949 CoBrA-Mitglied und nahm dann an der ersten CoBrA-Ausstellung in Amsterdam teil. Bis zur Auflösung dieser Gruppe 1951 war er einzigstes deutsches Mitglied.

Damit die zeitgenössische Kunst und Literatur ein Forum erhielt, gab K.O. Götz ab 1948 für fünf Jahre die Zeitschrift META (von „Metamorphose“ abgeleitet) heraus, in der er moderne Kunst und moderne Lyrik (unter anderem von Paul Celan) abdruckte.

Und immer wieder Paris

Ab dem Jahre 1950 zog K.O. Götz von Königsförde nach Frankfurt am Main - hielt sich aber bis Ende der 1960er Jahre regelmäßig in Paris auf. Durch gemeinsame Arbeiten mit den Künstlern Bernard Schultze, Otto Greis und Heinz Kreutz wurde Frankfurt zu einem wichtigen Zentren der informellen Nachkriegsmalerei. In einer Pariser Ausstellung 1951 lernte K.O. Götz erstmals Arbeiten von den Künstlern Jackson Pollock, Willem de Kooning, Wols und Hans Hartung kennen.

Kleister und Farbe

Das Jahr 1952 wurde zum Wendepunkt in K.O. Götz‘es malerischen Konzeption (durch Zufall entdeckte er beim Anrühren von Kleister und Farbe für seinen Sohn Alexander eine Maltechnik). Fortan benutzte er diese Technik für seine informelle künstlerische Konzeption.

Zuerst legte K.O. Götz in Skizzen Aufbau und Umrisse der beabsichtigten Bildelemente ungefähr fest. Dann verstrich er durch Kleister verflüssigte Farbe auf der am Boden liegenden Leinwand. In die noch nasse Farbe kratzte er mit einem Rakel blitzschnell weitere Formen hinein und anschließend wischt er unerwünschte Flecken weg und setzt mit dem Pinsel letzte Akzente.

„Abstrakt ist schöner“ so lautete das künstlerische Lebensmotto des Biennale- und Documenta-Teilnehmers, dessen stilistische Anfänge nahe bei den Surrealisten und Joan Miro lagen. „Meine Malerei lebt vom Rhythmus meiner Pinselzüge und Rakelschläge“, sagte Götz einmal.

K.O. Götz galt als liberaler Professor, der seine Schüler ermutigte: „mich nicht nachzumachen, sondern sich zu bemühen, künstlerisch etwas Eigenes zu schaffen und vor allen Dingen mit seiner künstlerischen Arbeit durchzuhalten.“

K.O. Götz und Joseph Beuys in Düsseldorf

Zusammen mit progressiven Professoren der Akademie bemühte sich K.O. Götz 1961 erfolgreich um eine Professur für den damals noch unbekannten Joseph Beuys in Düsseldorf. Joseph Beuys besuchte K.O. Götz öfters in dessen Atelier in der Kunstakademie. Erst in späterer Zeit (als 1972 die Besetzung der Düsseldorfer Kunstakademie durch Beuys und seine Studenten stattfand und dieses zur fristlosen Entlassung von Joseph Beuys durch das Kultusministerium führte) distanzierte sich K.O. Götz schließlich von Joseph Beuys und dessen Aktionen.

Kunst im Bundestag

Berühmt wurde K.O. Götz mit großformatigen gestischen Schwarz-Weiß-Kompositionen, die in vielen Museen und politischen Institutionen hängen. Anlässlich der Deutschen Wiedervereinigung entstanden 1990/1991 drei informelle Historiengemälde mit den Titeln Jonction I–III (übersetzt: Wiederanknüpfung). Das Gemälde „Jonction“ III“ von K.O. Götz gehört heute als Leihgabe zur „Kunst des Bundestags“ (Bild 4, 5, 6 der Bildergalerie).

Bild 7 in der Bildergalerie

In den 1980er-Jahren entstand die berühmte Serie „Giverny“. K.O. Götz wollte dem Impressionisten Claude Monets mit seinem Garten in Giverny (Frankreich) einfach ein "Denkmal" setzen, obwohl er den Garten nicht besuchte. Bei dieser Bilderserie ließ K.O. Götz erstmals die Farbe Schwarz weg und es entstandenen starke, farbige Gemälde (Das bewegte Blau unseres Bildgalerie-Motives "dokumentiert" Claude Monets Seerosenteich ).

Links:

(K.O. Götz - Homepage)
http://www.ko-götz.de/

(Gruppe CoBrA)
http://www.kettererkunst.de/lexikon/...e-cobra.php

(Informelle Kunst)
http://www.stiftung-informelle-kunst...-kunst.html

(Düsseldorfer Kunstakademie)
https://de.wikipedia.org/wiki/Kunsta..._Düsseldorf

(Kunst nach 1945)
https://de.wikipedia.org/wiki/Bridget_Riley


Map-Data:
Mittelrhein-Museum mit K.O. Götze & Rissa Saal, Zentralplatz 1, 56068 Koblenz

7 Kommentare

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Vielen Dank für Deinen Beitrag, Volker, ich habe wiedre etwas dazugelernt. Habe aber zugegebenermaßen Schwierigkeiten mit abstrakter Malerei...Denn diese ist schwer sowohl analog wie digital wiederzugeben. Ein Jackson Pollock im Lenbach-Haus im Original ist beeindruckend durch die matrielle Wirkung-also die plastische Farbe in 3 D-, das läßt sich nicht in Büchern oder gar im Postkarten-Format darstellen...Trotzdem oder gerade deshalb vielen Dank für den Text über Götz!
Alles Gute und viele Grüße
Valentin
Schön Dir eine Freude gemacht zu haben ... toi, toi und alles Liebe und Schöne von wize.life-Nutzer
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Danke, danke für Deinen "speziellen" Kommentar - meine volle Akzeptanz! Schöne Grüsse von Volker
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Danke für den - wie immer - sehr strukturierten und kenntnisreichen Beitrag.
Was Kunst angeht, bin ich eher an Musik und Literatur interessiert ... ganz nebenbei habe ich mich vor allem mit dem Impressionismus und Expressionismus beschäftigt.

Götz kenne ich gar nicht, und ich bedaure das auch nicht. In der Tat verstehe ich abstrakte Kunst nicht und weigere mich auch , sie anzuerkennen.

Wenn man , um ein Gedicht zu schreiben, auch nur Buchstaben aneinanderreihen würde , um eine "Stimmung" oder "ein Bild" zu erzeugen, würde mir das auch nicht zusagen.
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Vielen Dank Volker für den wunderbaren Beitrag zu diesem großartigen Meister..Er wurde 103!!!Jahre alt,war am Ende blind und dennoch wusste er all seine Werke detailliert zu beschreiben..Ich habe einige Bilder von ihm und schätze ihn sehr.In der Ausstellung 2004 in Aachen,hat mich die enorme Größe der präsentierten Bilder beeindruckt,insbesondere unter Berücksichtigung seines hohen Alters.
Liebe Christiane danke für Deine liebe Antwort - K.O. Götz war für mich eine gewisse Neuentdeckung und ich habe auch seine detaillierte Werkbeschreibungen lesen können und dann freut mich noch, dass Du Arbeiten von ihm besitzt !!! - In diesem Sinne einen schönen Tag wünscht Volker
Lieber Volker.-ich hab zu danken für Deinen Beitrag.Ich interessiere mich halt nicht nur für Motorräder-Autos sondern auch um Kunst..Kenne einige Künstler und gehe zu gern auch zu Ausstellungen.Hab ein wundervollen Abend und alles Liebe Dir.
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