Missbrauchsfall von Lügde: Eltern „könnten Täter sein“

Im Missbrauchsfall von Lügde ermittelt die Polizei jetzt auch gegen Eltern
Im Missbrauchsfall von Lügde ermittelt die Polizei jetzt auch gegen ElternFoto-Quelle: News5
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Im Missbrauchsfall von Lügde wird offenbar gegen Eltern ermittelt, die ihre Kinder dem 56-jährigen Hauptverdächtigen anvertraut haben. Nach WDR-Informationen wurden außer der Pflegetochter von Andreas V. fünf weitere Kinder aus ihren Familien genommen worden.

Jugendamtsleiter Karl-Eitel John sagte dem Sender: „Die Kinder sind auf alle Fälle Opfer. Die Eltern könnten Täter sein. Das wird ermittelt.“ Ein Kind habe ebenfalls in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz gelebt. Die Wohnverhältnisse dort seien „desolat“ gewesen.

Dem Missbrauch "zugeführt"?

Es stehe der Verdacht stehe im Raum, dass die Eltern die Kinder dem mutmaßlichen Tätern zum Missbrauch „zugeführt hätten“, sagte John weiter. Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt demnach gegen zwei Eltern. Weitere Details nannte der leitende Staatsanwalt mit Verweis auf das laufende Verfahren dem WDR nicht.

Schon 2016 hatte Jugendamt drei Hinweise auf Pädophilie von V.

Unterdessen räumte der Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, am Dienstag Fehler seines Jugendamtes im Missbrauchsfall Lügde ein. Nach vollständiger Auswertung der Akten bestätigte er, dass dem Jugendamt Hameln bereits im Jahr 2016 mindestens drei Hinweise auf Pädophilie bei dem mutmaßlichen Haupttäter Vorlagen, wie unter anderem "Spiegel Online" berichtet. Trotzdem bekam der auf einem Campingplatz in Lügde lebende Andreas V. Anfang 2017 die Pflegschaft eines damals sechsjährigen Mädchens bewilligt.

V. wird vorgeworfen, mit mindestens einem Komplizen nicht nur das Mädchen, sondern noch Spielkameraden des Kindes missbraucht und alles gefilmt zu haben.

Landrat entschuldigt sich

Den Hinweisen sei man nicht in der gebotenen Form nachgegangen, sagte der Landrat und entschuldigte sich „ausdrücklich bei denjenigen, die dadurch Leid erlitten haben“.

Akten wurden manipuliert

Weiter informierte Bartels darüber, dass eine weitere Mitarbeiterin des Jugendamts freigestellt worden sei. Sie soll Daten aus einer Akte gelöscht haben, die die Hinweise auf sexuellen Missbrauch verschleiern sollten.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont hatte bereits vor einem Monat einen Mitarbeiter des Jugendamtes freigestellt, nachdem dieser eine Akten-Manipulation zugegeben hatte.

Drei Männer sitzen in U-Haft

Nach bisherigen Erkenntnissen gab es auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen seit 2008 mehr als 1000 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch.

Außer dem 56-Jährigen V. sitzen ein 33-jähriger mutmaßlicher Komplize aus Steinheim und ein 48 Jahre alter Mann aus Stade in Untersuchungshaft. Der 48-Jährige soll den Missbrauch im Internet verfolgt haben. Gegen weitere Männer laufen Ermittlungen.

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