Mord-Urteil gegen Raser in Berlin - So kommentieren deutsche Medien den brisanten Fall

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Berliner Raser müssen nun doch lebenslang in Haft - wegen Mordes
Berliner Raser müssen nun doch lebenslang in Haft - wegen Mordes
News Team
Von News Team

Drei Jahre nach einem tödlichen Autorennen auf dem Ku'damm in Berlin hat das Landgericht an diesem Dienstag die beiden Raser erneut wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die erste Verurteilung hatte der Bundesgerichtshof aus formalen Gründen aufgehoben. Das sagen deutsche Medien zu dem Urteil:

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Der Vorsitzende Richter im Raserprozess fand klare Worte in seiner Urteilsbegründung: Wie ein Projektil mit hoher Zerstörungskraft seien die Autos der beiden Angeklagten über den Kurfürstendamm gerast. Am Ende war ein Unschuldiger tot.Das Wort Projektil fiel am gestrigen Dienstag nicht zufällig. Denn in dem spektakulären Prozess um die beiden 30 und 27 Jahre alten Fahrer ging es nicht um irgendein Verkehrsdelikt. Wie Waffen nutzten sie ihre hochmotorisierten Autos, um sich auf einer öffentlichen Straße mitten in Berlin zu duellieren. Die Staatsanwaltschaft hatte auf Mord plädiert - und das Gericht folgte ihr. Die Richter erkannten als Mordmerkmal eine besondere Heimtücke der Tat, weil das Opfer ohne Chance war.Es ist ein richtungsweisendes Urteil, das das Landgericht nun im zweiten Anlauf fällt. Lebenslänglich gehen die beiden Verurteilten ins Gefängnis. Nach der Verschärfung der Gesetze für illegale Autorennen ist dieses Urteil nun ein weiterer Schritt, um der Raserszene Herr zu werden.

Wer in ein Auto steigt und seinen hochmotorisierten Pkw zu einer Waffe werden lässt, indem er viel zu schnell durch die Stadt fährt, der muss mit der Höchststrafe rechnen. Das war bis jetzt anders. Jahrzehntelang galt Rasen als Kavaliersdelikt, Unfälle ereigneten sich halt hin und wieder. Fast mit einem Achselzucken wurde das hingenommen. Doch nun ändert sich die Rechtsprechung. Dank einer mutigen Justiz. Ob dadurch die Straßen wirklich sicherer werden, ist noch offen. Aber die Raser wissen jetzt, was ihnen droht.

IM VIDEO: Wieder Mordurteil gegen Berliner Raser


neues deutschland: Holt die Raser von der Straße

Am Dienstag wurden zwei Raser aus Berlin erneut zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Bei ihrem Autorennen starb ein Rentner. Das Urteil soll andere abschrecken, mit ihren getunten Karren durch Ortschaften zu rasen oder bei Rennen mitzumachen. Aber wichtiger als die 27 und 30 Jahre alten Männer für sehr lange Zeit, mindestens 15 Jahre, hinter Gitter zu schicken, was der Sozialisation wenig zuträglich ist, wäre es, täglich viel mehr gegen Verkehrsrowdys zu tun. Denn wie auch der Sohn des Opfers nach dem Gerichtsurteil sagte: »Das Rasen geht leider weiter.« Es braucht nicht harte Urteile, sondern mehr Prävention.Es gibt zwar die Möglichkeit, härtere Strafen wegen verbotener Autorennen zu verhängen, wenn dabei jemand stirbt. Aber bereits viel früher sollten Raser von der Straße geholt werden. Und zwar nicht erst, wenn ein Rennen auffliegt oder etwas passiert ist. Zum einen sollte die Polizei zu schnell fahrende, röhrende Wagen sofort aus dem Verkehr ziehen und häufiger kontrollieren. Die pseudostolzen Besitzer von Autos mit lautem Auspuff sollen merken, dass es schwierig wird, aufmerksamkeitsheischend andere Verkehrsteilnehmer*innen zu stören und zu gefährden.Zum anderen muss es gelingen, dass Jugendliche es nicht mehr cool finden, wenn sie mit über 100 Stundenkilometern durch Ortschaften brettern. Schließlich hat das nichts mit Freiheit oder Rebellion zu tun. Es ist laut, gefährlich, umweltschädlich und chauvinistisch.

Straubinger Tagblatt: Raser konsequent aus dem Verkehr ziehen

Die Frage allerdings ist, ob von der harten Rechtsprechung auch eine abschreckende Wirkung ausgeht, und ob die skrupellosen Raser zur Vernunft kommen. Man sollte nicht unbedingt auf Intelligenz und Lernfähigkeit setzen. Zu wünschen wären deshalb mehr Kontrollen. Wer sich an der gefährlichen Raserei beteiligt, muss konsequent aus dem Verkehr gezogen werden.

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