Kindesmissbrauch: Weitere Ermittlungspanne in Lügde - Polizei übersieht Schuppen des Tatverdächtigen

Tatort Campingplatz Lügde: Bei den Ermittlungen zu dem Fall von mutmaßlichem ...
Tatort Campingplatz Lügde: Bei den Ermittlungen zu dem Fall von mutmaßlichem Kindesmissbrauch reiht sich offenbar eine Panne an die nächsteFoto-Quelle: Glomex
News Team
Von News Team

Im Fall des mutmaßlichen massiven Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde gab es offenbar eine weitere Ermittlungspanne: So sollen die Ermittler wochenlang einen Schuppen des Hauptbeschuldigten Andreas V. übersehen und erst nach einem Hinweis von Medien am gestrigen Montag (15. April 2019) durchsucht haben.

Erneut wurden am Montag weitere Datenträger im Abriss-Schrott gefunden.

Der fragliche Geräteschuppen liege in direkter Nähe zur Parzelle, wo Andreas V., der zusammen mit einem Komplizen über Jahre Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben soll, eine Dauerunterkunft auf dem Campingplatz hatte, berichten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. Reporter der Medien hatten am Montag bei der Polizei Bielefeld angefragt, ob der Schuppen durchsucht worden sei.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben demnach die Fragen zunächst nicht beantwortet. Am späten Montagabend teilten die Behörden jedoch mit, dass sie den Geräteschuppen nun durchsucht hätten.

Im Video:

Tatort-Stellplatz im Missbrauchsfall Lügde wird geräumt


Schuppen war bislang nicht Gegenstand der Ermittlungen

Die Polizei hat den Angaben zufolge bisher nicht gewusst, dass Andreas V. den Schuppen genutzt hat. "Der Polizei lagen bislang keine Erkenntnisse darüber vor, dass dieser Schuppen dem Hauptbeschuldigten zuzuordnen ist. Der Schuppen war daher bislang auch nicht Gegenstand polizeilicher Maßnahmen", so Polizei Bielefeld und Staatsanwaltschaft Detmold in einer gemeinsamen Erklärung.

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Der Campingplatzbesitzer habe jedoch der Polizei gesagt, dass der Schuppen Teil von Andreas V.s Parzelle sei, so NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.

Schuppen längst ausgeräumt

Bei der Durchsuchung des Schuppens am Montag seien Werkzeuge und Metallschrott gefunden worden, so die Ermittler. "Gegenstände, die als Beweismittel in Frage kommen könnten, wurden nicht festgestellt", heißt es in der Mitteilung. "Dem äußeren Anschein nach wurde der Schuppen schon sehr lange nicht mehr betreten."

Nach Medieninformationen dagegen soll der Abrissunternehmer den Schuppen "längst ausgeräumt haben", da der Tatort seit Ende März offiziell freigegeben ist. Das Abrissunternehmen ist seit gut einer Woche dabei, die Dauerunterkunft des 56-jährigen V. abzureißen.

Nicht die erste Panne in dem Fall

Dies ist nicht die erste Ermittlungspanne in dem Fall. Nach einer ersten Serie von gravierenden Versäumnissen wurde in der vergangenen Woche bekannt, dass der Abrissunternehmer weitere Dateiträger in dem ehemaligen Wohnwagen des mutmaßlichen Täters Andreas V. gefunden hatte - gut zwei Wochen, nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft den Tatort freigegeben hatten. Der Polizei bestätigte den Fund und teilte mit, die Datenträger hätten sie sich in einem doppelten Boden eines Campingwagens befunden.

Abrissunternehmer findet immer wieder Datenträger

Seitdem findet der Abrissunternehmer immer wieder Datenträger im Abrissschrott. Zuletzt am gestrigen Montag, Staatsanwaltschaft und Polizei bestätigten am Abend den Fund von 11 Videokassetten, einer CD und einer Mini-CD. "Eine grobe Sichtung einiger Videokassetten erbrachte bislang keine strafrechtlich relevanten Inhalte, sondern Unterhaltungssendungen", hieß es.

Von Ermittlungspannen will Hartmut Ganzke, innenpolitischer Sprecher der SPD im nordrhein-westfälischen Landtag, nicht mehr sprechen. Er beschreibt die Ermittlungen als "das reinste Chaos".

Damit die Bevölkerung wieder Vertrauen gewinne, müsse Nordrhein-Westfalens Innenminister, Herbert Reul (CDU), Verantwortung übernehmen und zurücktreten, sagte Ganzke NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.

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