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Aus Erfahrung gut: Die Wertschätzung des Alters

Von Christine Kammerer - Montag, 29.07.2013 - 12:11 Uhr

Einerseits wollen alle ein hohes Alter erreichen, andererseits beklagen sie sich, wenn sie es dann auch wirklich erreicht haben. So schrieb Cicero vor über 2000 Jahren und daran hat sich bis heute nur wenig geändert. Doch bevor wir alt und gebrechlich werden, erleben wir die glücklichsten Zeiten unseres Lebens: Studien belegen, dass die meisten Menschen zwischen 58 und 77 Jahren viel glücklicher und zufriedener sind als in jungen Jahren.

Alter wird oft gleichgesetzt mit Degeneration und dem Verlust vieler Dinge. Zum Beispiel dem der Jugend, denn die ist nun einmal unwiederbringlich. Auch unsere Chancen und die offenen Möglichkeiten sind nicht mehr grenzenlos. Aber wir haben dem auch jede Menge entgegen zu setzen, was nicht minder wertvoll ist: Reife und Menschenkenntnis, Lebenserfahrung und Gelassenheit.

Schatzkästchen Lebenserfahrung
Menschen sind von Natur aus komplizierte Wesen. Die einzige Chance, auch nur annähernd zu begreifen, warum sie so ticken, wie sie nun einmal ticken, ist Erfahrung. Unsere Lebenserfahrung ist das Ergebnis jahrzehntelanger Lernprozesse. Dank unseres biografischen Wissens, erworben in vielen unterschiedlichen Lebenszusammenhängen, können wir neue zwischenmenschliche Situationen besser beurteilen. Wir werden „altersmilde“ und lassen uns nicht mehr auf jedes Scharmützel ein. Auch Konkurrenz verliert an Bedeutung – wir vergleichen uns nicht mehr so sehr mit anderen. Und wir sind eher bereit, diese so zu akzeptieren, wie sie nun einmal sind. Wir nehmen uns selbst nicht mehr so wichtig, aber wir lassen uns auch nicht mehr von anderen blenden.

Die Kreisläufe des Lebens
Auch wenn sich unser Umfeld gravierend verändert, zum Beispiel durch neue Technologien, verlaufen bestimmte Grundzüge in einem Menschenleben auch durch mehrere Generationen hindurch immer gleich. Als Kind kann man sich kaum vorstellen, dass Omas und Opas nicht alt geboren werden und selbst als junger Mensch ist der Gedanke fern, dass man auch selbst einmal in dieses Alter kommen wird. Erst dann, wenn wir in den Alten wieder die Jungen von früher sehen lernen, relativiert sich vieles.

Wir haben viele Dinge kommen und gehen sehen. Wir wissen, dass jüngere Menschen unser Erfahrungswissen gern in den Wind schlagen und das Rad immer wieder neu erfinden wollen. Und dabei genau die gleichen Fehler machen wie die Generationen zuvor. Wir wissen es, weil wir es selbst versucht haben. Doch aus diesen Versuchen, die nicht selten vergeblich waren, haben wir immerhin eines gelernt: Gelassenheit.

Wir träumen nicht mehr. Wir leben!
Wir schlagen uns nicht mehr mit unlösbaren Problemen herum, sondern versuchen auch in Konflikten die positiven Aspekte zu sehen. Aus dem Wissen darum, dass die verbleibende Zeit einfach zu kurz bemessen ist, um sinnlosen Fragen nachzugehen. Und daraus erwächst gleichzeitig die Kunst, die kostbare Lebenszeit besser zu nutzen.

Unerwartete Veränderungen, auch Verluste, werfen uns nicht mehr aus der Bahn. Wir sind sturmerprobt, haben viele Wechsel hinter uns und dadurch an Selbstvertrauen gewonnen. Im Beruf und auch privat. Aufstiege und Abstiege auf der Karriereleiter, Familienzuwachs und Todesfälle. Jede durchlebte Krise hat uns reifen lassen. Erstaunlicherweise werden die allermeisten Menschen mit den Schicksalsschlägen, die sie ertragen mussten, nicht etwa bitter. Ihre Einstellung zum Leben und ihr Wohlbefinden werden – so zeigen viele Studien - sogar zunehmend positiver. Und sie sind glücklicher und zufriedener als junge Leute. Was vermutlich daran liegt, dass Leid und Krisen uns lehren, das Leben intensiver zu genießen, ihm die schönen Seiten abzuringen und sie auch mehr wertzuschätzen.

Wir brauchen lange, um die zu werden, die wir sind. Aber wir werden mit den Jahren immer echter – authentischer. Wir wissen besser, was wir wollen und was wir brauchen, um glücklich zu sein. Wir wissen, was gut für uns ist. Und wir scheuen uns weniger, es auch zu tun und einzufordern. Wir müssen uns und anderen nichts mehr beweisen, uns nicht mehr groß selbst darstellen und wir haben gelernt, dass wir unsere Bedürfnisse nur mit Rücksicht auf diejenigen anderer verwirklichen können. Wir sind pragmatischer geworden. Wir träumen nicht mehr, sondern wir leben.

Liebe, Lust und Leidenschaft
Wir bleiben immer Menschen. Eine Lebensphase, in der wir keine Liebe oder Leidenschaft empfinden könnten, gibt es nicht. Auch wenn diese Gefühle sich mit den Jahren wandeln. Im besten Falle reifen sie wie guter Wein. Sexualität wird zum Beispiel häufig im Alter erfüllender erlebt als in jungen Jahren. Und die viel beschworene reine und tiefe Liebe gibt es oft überhaupt erst in späteren Jahren. Wenn Partner – oft nach langer Zeit des Zusammenlebens, der Krisen, Verluste und Umbrüche - erneut zueinander finden. Und selbst wenn sie sich neu finden, geschieht dies auf einer anderen Ebene. Wir sind freier geworden. Bewusster. Äußerlichkeiten haben nicht mehr den gleichen Stellenwert wie einst. Das gemeinsame Erleben gewinnt an Intensität, der Genuss steht an oberster Stelle und viele andere Lebensthemen wie einstige Krisen, Kinder und Karriere verlieren gleichzeitig an Bedeutung.

GfK Studie: Wertvolles Alter

Cicero: Cato Maior über das Alter (lateinisch und deutsch)

18 Kommentare

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Lebe, wie Du, wenn Du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
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Hallo Leute, es freut mich wirklich von vielen Senioren zu lesen wie glücklich sie im Alter sind. Ich bin jetzt 50 und möchte aber nicht bis zur Rente warten um so ein glückliches Leben zu führen. Ich stehe noch voll im Berufsleben, bin manchmal so ausgelaugt wenn ich von der Arbeit komme, dass ich weder Zeit noch Lust habe meinen vielen Interessen nachzugehen. Gebt doch mal was von eurer Erfahrung weiter! Soll ich mir einen neuen Job suchen, in dem ich weniger arbeiten muss für das gleiche Geld? Denn mit einem Halbtagsjob reicht das Geld nicht in München. Ich wünsche euch einen schönen Abend.
Anette
Jetzt bin ich aber auf die Antworten gespannt. Und ja, Anette, auch ich kann davon ein Lied singen.
Das kenne ich nur zu gut, Anette. Es liegen viele Bücher ungelesen da, Spanisch lernen, jüdische Geschichte, Bauhaus ..., manchmal fehlt die Zeit, manchmal die Kraft. Ich habe es für mich vorerst so gelöst, dass ich mich auf drei Sachen konzentriere, die auch bei wenig Zeit und Kraft machbar sind und mich gleichzeitig "herunterfahren". Da ich ein "Draußenmensch" bin, setze ich mich aufs Rad und nehme meine Kamera mit oder gehe in den Garten. Wenn du die Möglichkeit hast, für gleichviel Geld weniger zu arbeiten, solltest du sie nutzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dir schlechter gehen wird mit weniger Arbeit und dafür mehr Kraft für deine Interessen .
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Ich bin vor einigen Jahren wegen einer Krankheit (nicht lebensbedrohlich) aus dem Berufsleben ausgeschieden und musste mich dann mit dem beschäftigen, was jetzt noch kommen kann. Meine Frau hatte mir zum Geburtstag einen Magnetbutten geschenkt. Darauf stand:"Werde alt mit mir, das Beste kommt noch". Sie hatte Recht. Mittlerweile genieße ich mein Leben so wie es ist, ich habe mir in Ehrenämtern eine neue Aufgabe gesucht, ich bekomme mehr Anerkennung als jemals in meinem Berufsleben zuvor, ich habe weder Zeit- noch Leistungsdruck, ich kann mir Gesellschaft suchen in der ich mich wohlfühle und kann Leute meiden, die mir nicht gut tun. Habe sogar Zeit und Lust, im Seniorenprogramm 50+ meine Gesundheit zu pflegen. Meine Kinder sind erwachsen und haben einen Beruf, wir leiden keine finanzielle Not, also worüber sollten wir klagen. Es ist alles gut so wie es ist.
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Geniesse meine Zeit als Oldi.Raus aus dem Rad,Familie,Job und und.Kann heute mal sagen,ooch hab ich vergessen oder nicht gehört.Interessiere mich für Dinge,für die ich früher keine Zeit hatte.Das einzige was mich stört ist die Tatsache,das ich keine 40 Jahre zum geniessen übrig habe.
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Diesen Artikel fand ich wirklich sehr interessant. Ich bin jetzt 70 und empfinde das Alter ebenfalls als eine sehr positive Lebenszeit. Auch bei unseren ähnlich gleichaltrigen Freunden kann man diese ruhige Lebenslust bestätigen, die Sorgen der Arbeit sind vorüber, die Kinder selbständig, viele freuen sich an den Enkeln. Und wenn man keine grossen gesundheitlichen Probleme hat (kleine hat man allerdings meistens), dann sind noch sehr viele Freudenmöglichkeiten gegeben.
Hier bei SB sind aber, glaube ich, viele Senioren noch recht jung, die meisten arbeiten
noch, sind noch im Lebenstrubel und bringen somit etwas frischen Wind hier herein.
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Hallo Christine,

ich stimme mit Deinem Artikel überein: ich erfreue mich an vielen Dingen in meinem Umfeld, an denen ich früher achtlos vorbeigegangen bin. Ich emfinde die Gefühle der Liebe, wenn ich sie habe, stärker und intensiver als in der Jugend, wo man oft stürmisch, wie ein Wirbelwind, durch die Gegend rauschte. Man sieht in den Kindern das eigene "Ich", erfreut sich an Ihnen, aber ich möchte nicht mehr jünger sein. Wie Du es schilderst, man hat seine Erfahrungen gemacht, seien sie gut oder schlecht und freut sich über die Ziele, die man erreicht hat, ging es auch oftmals über Stock und Stein.

Ich freue mich auf weitere Beiträge von Dir.

Schönen Abend.

Silvia
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Guten Abend Christine, dein Beitrag ist sehr gut geschrieben. Ich liebe mein Alter 70+ und bin sehr mit mir zufrieden. Meine Falten zeigen mein gelebtes Leben, bin innerlich jung geblieben und aufgeschlossen für Neues. Ich finde das Leben schön!
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Der Beitrag ist wirklich hervorragend Christine, diese Feststellungen liest man eher selten, die Medien werden immer mehr breiter als stark, was mir überhaupt nicht gefällt, aber deine Aussagen, als Frau getätigt finden bei mir größten Anklang, den die männliche Ignorantenwelt muß auch mal wachgerüttelt werden.

Besten Dank für deinen Beitrag

LG Manfred
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Hallo ihr unter mir, habe eure Beiträge gelesen und muss euch allen Recht geben,ja..
aber es ist auch hier so, wie im richtigen Leben; es gibt solche und solche, wie überall.
Und es kommt wirklich drauf an auf geistige Wendigkeit und verschiedenes mehr; eben auch wie im richtigen Leben.
Was ich von mir sagen kann, bin wirklich wesentlich gelassener geworden und gehe Probleme ganz anders an, als noch vor vielen Jahren. Genauso kann ich meinen Sohn z.B. oft auffangen, wenn er Probleme hat, die ich vor Jahren auch hatte.
Er fängt mich dann bei Problemen auf, die es vor einigen Jahren noch überhaupt nicht gab. z.B. technische Probleme oder mit dem Computer.
Auch erklärt er mir die Sprache der Jungen und ihre Art zu sein und ich ihm die Sprache der Alten und ihre Art zu sein.
So könnte es doch auch gehen, oder....
Vor kurzem sagte mein Sohn zu mir; "weißt du Mama, wir streiten manchmal ja auch, aber wir bekamen nicht ein einziges Mal Krach dabei".
Kann ein Kompliment schöner sein?
Ich finde es zum Beispiel auch sehr bemerkenswert zu erleben, dass meine Mutter selbst mit 70plus noch lernfähig ist und sich zum positiven verändert - ein gutes Beispiel, immer weiter an sich zu arbeiten...
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Das ist ein sehr schönes Bild von 'den Alten'. Es wurden 2000 Menschen 50 plus befragt. Nun stellt sich die Frage, wieviel Plus? Ich denke schon, dass der Befragte an sich, die Dinge für sich so sieht. Die Wirklichkeit ist in den meisten Fällen aber anders. Jedenfalls sind da meine Erfahrungen anders. Die 'Alten', die ich erlebte, manchmal in geballter Ladung, gaben sich keineswegs zufrieden, waren gierig und neidisch und sei, es ging nur um ein Brötchen. Sie waren zwar Sturm erprobt, wurden aber auch mit zunehmendem Alter immer empfindlicher, konnten Schicksalsschläge ga nicht mehr gut ab, nahmen alles viel schwerer, als sonst. Vor allem Männer, die ihre Frauen überlebten taten sich schwer damit. Ich habe ganz viel Bitterkeit erlebt und diese spüre ich auch teilweise hier. Ich habe ganz oft erlebt, wie sich 'Alte' benehmen, wenn sie sich nicht beachtet fühlen, auch das spüre ich teilweise hier. Was auch eine Schwierigkeit ist, mit der dann die Jungen zu kämpfen haben, ist der
sich oft einstellende Starrsinn. Ab 45 (Jahre) manifestieren sich verschiedene Eigenschaften, die nicht immer für die Umwelt toll sind.
Die jungen Alten, also im Alter irgendwo zwischen 50 und 70 (bitte nicht so genau nehmen) sehen die Dinge eher so, wie beschrieben.
ABer, ich stellte auch fest, dass die Lebensauffassung sher davon abhängig is, wie sehr man vor allem geistig beweglich bleibt. Das macht enorm viel aus.
Ich für meinen Teil habe meinen Kindern die Erlaubnis erteilt, mich ohne Rücksicht auf Verluste, darauf aufmerksam zu machen, wenn ich 'sonderlich' werde.
Ist natürlich auch die Frage, wie solche Studien zustande kommen und was genau gefragt wurde. Vermutlich wird keine(r) zugeben, dass er ein verbitterter Giftzwerg oder eine unzufriedene und keifende alte Zange ist
So wird es sein.
Frei nach dem Motto: Chinesich für Ehefrau = Zank, für Mutter, Zank-Zank, für Schwiegermutter = Beißzange
(Männer sind wieder mal ausgenommen, hm!)

Aber wünschens- und erstrebenswert sind die Angaben in der Studie allemal
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