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Die Rentenmärchen

Von wize.life-Nutzer -

Nach langjährigem Schweigen entdecken die Medien plötzlich das Thema Rente, und zwar im gesammelten Herdentrieb. Neues gibt es zwar nicht zu vermelden, aber es lassen sich Geschichten aus der Geisterbahn erfinden. Dies hängt damit zusammen, dass weder in den Schulen noch in den Unis Sozialpolitik ein großes Thema ist. Und die Sozialkassen bilden ihre Spitzenkräfte selbst aus. Die Deutschen kennen sich wohl auf den Malediven besser aus als im Irrgarten des Sozialsystems, gerade wenn es um die Altersversorgung geht. Nebenbei: unser System, das im Grundsatz Weltkriege und Diktaturen überstanden hat, stammt aus der Kaiserzeit. Gedacht als politische Waffe gegen die damals enorm aufblühende Sozialdemokratie und die Gewerkschaftsbewegung. Unser Verfahren ist ausserdem international ein Unikum. Mit Ausnahme von Österreich kennt man das deutsche Rentenwesen in dieser Form nicht. In den meisten Staaten wird viel stärker auf die eigene private Vorsorge gebaut und auf Leistungen geringer Art, die über Steuermittel finanziert werden. Deshalb sind alle Statistiken, etwa über die Altersarmut, blanke Erfindungen, Waffen im Kampf um die politische Lufthoheit.

Die Stunde der Plaudertaschen

Besonders rührig zeigt sich dieser Tage die frühere Jungsozialistin, unsere Arbeitsministerin Nahles. Kaum sieht sie eine Kamera, schon verkündet sie - natürlich - gerne frohe Botschaften. Etwa die Sache mit der Rentenerhöhung. Nur, Frau Nahles hat damit nichts, aber auch gar nichts zu tun. Vielleicht sollte sie besser den Sündenfall ihrer Partei, der SPD, ausbügeln, die zusammen mit den Liberalen den größten Rentenbetrug in der Nachkriegszeit durchgepeitschte.
Die Rentenerhöhung 2016 haben wir letztlich dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer zu verdanken. Er wusste, dass ein Hund eher einen Wurstvorrat anlegt, als die Politik sparen lernt.
Deshalb verankerte er die "eiserne Rentenformel". Aus den zurückliegenden 3 Jahren werden automatisch die steigenden Preise und Löhne zusammengerechnet, daraus ergibt sich die Rentensteigerung etwa für 2016. Die gute Konjunktur 2013/14 schlägt sich hier nieder. Frau Nahles hat damit überhaupt nichts am Hut. Der erwähnte Rentnerbetrug ereignete sich vor rund 40 Jahren.
Die sozial-liberale Koalition nutzte damals schon die breite Unwissenheit und änderte die Berechnungsgrundlage. Galt bis dahin die Regel, wenn etwa die Löhne um 5 Prozent gestiegen waren, erhielte die Rentner diese 5 Prozent. Dann kam auf Schleichwegen die sogenannte Nettoformel. Von diesen 5 Prozent wurde alle die Beiträge abgezogen, die auch die Arbeitnehmer zu entrichten hatten. So kamen dann plötzlich nur noch 2 Prozent heraus. Diese Regel gilt bis heute.

Unterschiedlichste Alterseinkommen

Wenn man von Rente spricht, dann meint man landläufig die Bezüge, die ehemalige Mitarbeiter in der Privatwirtschaft erhalten, grob gerechnet die Hälfte des früheren Lohns. Dann gibt es noch die Pensionen für Beamte (rund 80 Prozent der ehemaligen Bezüge). Die absoluten Gewinner
stellt das Millionneheer der Angestellten und Arbeiter im öffentlichen Dienst und in ihren zahlreichen Nebenbetrieben. Die beiden größten Arbeitgeber In Deutschland, nämlich die Caritas und die Diakonie mit zusammen über 1 Million Mitarbeitern haben sich diesen Tarifverträgen
angeschlossen. Sie sind deshalb so prächtig, weil zur normalen Rente eine sogannte Beihilfe
kommt, zusammen erreicht man fast das frühere Arbeitseinkommen. Viele Großunternehmen
bezahlen ihren Pensionisten stolze Betreibsrenten. Am anderen Ende freilich finden sich die Menschen, die keine Beiträge in die Rentenversicherung zahlten, aus welchen Gründen auch immer, oft sind Selbständige daruntern. Sie haben aber Anspruch auf die staatlichen "Hilfen zum Lebensunterhalt", früher Sozialhilfe. Große Sprünge kann man damit nicht machen, und man muss zunächst auf bestehendes Vermögen zurückgreiffen. Das eigene Häuschen fällt gottlob nicht darunter. Und wenn die Kinder super Kohle machen, dürfen sie sich auch am Unterhalt ihrer Eltern beteiligen. Die Liste der verschiedenen Einkommensfromen, vor allem im privaten Bereich wäre noch lange weiterzuführen, da käme die Pflegeversicherung dazu, die Lebensversicherung, die Berufsgenossenschaft usw. So gibt es Alterswohlstand wie Altersarmut, über deren Größenorndnung aber nur grobe Schätzungen vorliegen. Und immer wieder soll es sogar vorkommen, dass ein unbekannter Onkel das Zeitliche segnet und ungeahnter Wohlstand die Erben überrascht.

Sorgenfall Rentenversicherung

Wenn jetzt plötzlich ein lautes Geschrei über sinkende Renten ausbricht, dann offenbart sich nur die schlichte Dummheit oder Unkenntnis der selbsternannten Päpste der Meinungsmache.
Die jetzige Entwicklung konnte man vor Jahrzehnten bereits grob berechnen. Deshalb auch der
Taschenspielertrick der SPD, die Angst hatte, plötzlich kein Geld mehr für Wahlgeschenke zu haben. Denn reichen die Rücklagen der Rentenversicherung nicht aus, muss der Staat vorrangig einspringen. Im Extremfall gibt es eben kein Geld mehr für die Bundeswehr. Im meterdicken Reichsgesetzbuch findet sich dafür der Satz: "die Rente ist sicher". Dies sagt zwar nichts über die Höhe der Renten und über Renten für die keine Beiträge bezahlt wurden, beispielsweise für Witwenbezüge aus. Aber es schafft eine Eigentumsgarantie.

Warum die Renten in den Keller gehen

Wetten, dass kaum ein Bundestagsabgeordneter in der Lage ist, eine Rente sauber zu berechnen.
Ganz so schwer ist es aber nicht. Man muss nur drei Dinge wissen: für wie viele Jahre und Monate wurden Beiträge an die Rentenversicherung bezahlt? Wie hoch waren diese Beiträge, die sich bekanntlich an den Löhnen orientierten? Aus beiden Daten wird dann noch ein Durchschnitt errechnet, der praktisch die gesamte Lebensleistung berücksichtigen soll. Dieses Rechenmodell
hat nur einen wesentlichen Nachteil: es stammt - wie gesagt aus der Kaiserzeit - und dem Faktor
Beitragsjahre wird ein ungeheueres Gewicht beigemessen. Damals ging man bei Arbeitern davon aus, dass sie 45 Jahre malochten. Bei längerer Krankheit oder Erwerbsunfähigkeit gab es zusaätzlich noch eine eigene solide Versicherung (Berufsgenossenschaft).
Wer heute erst mit 30 Jahren so richtig ins Berufsleben startet und später klotzig verdient darf mit
einer gesetzlichen Rente von gut 1000.- Euro rechnen. Spitzenreiter, die mit 13 Jahren schon
zum werktätigen Volk gehörten, immer satt verdienten und mit 65 Jahren den Ruhestand erreichten, kommen auf etwa 2.400.- Euro Rente im Monat.
Kurzum: je kürzer die aktive Berufstätigkeit wird oder je länger die scheinselbstständige Tätigkeit dauert umso karger fällt die gesetzliche Rente aus. Und beim erwähntem Streichkonzert kassierte die Regierung gleich die Regelung mit ein, dass Studienzeiten angerechnet werden.
So berichtet jetzt der Sozialverband VDK, dass in den Großstädten bereits heute bei fast jedem 2. Rentenantrag gleich ein Antrag auf Sozialhilfe gestellt werden muss.

Ach Mutti, hab doch mehr Mut

Unbestritten hat die Agenda 2010 Deutschland aus dem Ruf "der kranke Mann Europas" zu sein
befreit. Und so ungerecht ist die Geschichte, Schröders Entschlossenheit half Frau Merkel entschieden in der Finanzkrise. Nun stünde eine kräftige Agenda 2020 auf der Tagesordnung mit der beispielsweise die Rente stärker auf das staatliche Finanzsystem aufgebaut wird, aber dazu
bräuchte es einen gewaltigen Umbau des gesamten Sozialsystems, das wir gerade an die Wand
fahren. Doch Mutti, wie Frau Merkel nicht nur in Berlin gerufen wird, treibt sich lieber in der Ukraine herum, jagt mit der sinnlosen Sanktionspolitik unsere Exportwirtschaft in die Rezession,
und regiert nachweisbar nur noch nach kurzfristigen Meinungsumfragen. Jetzt wäre noch Zeit
das Sozialsystem so zu gestalten, dass die Jugend eine Zukunft hat.

Karl Jörg Wohlhüter

1 Kommentar

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Frage bzw. Ergänzung:

Trifft es zu, dass Deutschstämmige, die aus anderen Ländern wieder nach Deutschland eingewandert sind, niemals aber Rentenbeiträge eingezahlt haben, Rente bekommen?
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