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Betriebsrentner müssen jeden Euro zweimal umdrehen

Pensionskassen geraten wegen Nullzins in die Schieflage

Von wize.life-Nutzer - Mittwoch, 19.12.2018 - 15:04 Uhr

Heute drei, morgen Dutzende – Pensionskassen kommen wegen der Nullzinspolitik von EZB-Chef Mario Draghi in die Bredouille. Leidtragende sind deutsche Betriebsrentner, deren Altersvorsorge gefährdet ist.

Es knirscht vernehmlich im Gebälk der Pensionskassen. Erst Anfang Dezember verbot die Finanzaufsicht Bafin der Pensionskasse der Caritas das Neugeschäft, weil der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, so die Rechtsform, die Solvabilitätskapitalanforderung nicht erfüllt und sich weigert, sein Geschäft nachhaltig zu sanieren. Das lässt darauf schließen, dass die Pensionskasse auf Dauer ihren Verpflichtungen den Betriebsrentnern gegenüber nicht mehr nachkommen kann. Kein Wort davon auf der Homepage der Kölner, die nur mitteilen, dass der bisherige Chef Christof Heinrich geht und Olaf Keese seinen Posten übernimmt.

Pensionskassen in der Bredouille


Beschäftigte von Kirche und Caritas, deren Betriebsrente über die Pensionskasse läuft, müssen sich auf Einbußen gefasst machen. Wie der Verein selbst schreibt (in der Pressemitteilung über den Wechsel des Vorstandsvorsitzenden), die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der Kasse führe dazu, „dass eine Herabsetzung der Leistungen im Raum steht“. Kein Wort, was das konkret bedeutet. Die Pensionskasse der Caritas ist allerdings nicht die einzige, die Betriebsrenten kürzen wird, auch deren Schwester, die Kölner Pensionskasse, kränkelt und darf schon seit September kein Neugeschäft mehr ankurbeln.

Nullzinsphase belastet


Der Dritte im Bunde ist die Deutsche Steuerberater-Versicherung, die Pensionskasse der steuerberatenden Berufe. Ganz versteckt auf ihrer Homepage stellt die Pensionskasse fest, dass für 2017 annähernd 18 Millionen Euro fehlen und die „Solvabilitätskapitalanforderung nicht mehr bedeckt ist“ – und für 2018 droht ebenfalls eine Unterdeckung.

Das sind momentan drei von 136 Pensionskasse mit 9,25 Millionen Versicherten, die Probleme haben, aber es werden sicher mehr werden, denn die Nullzinsphase ist ja längst nicht zu Ende. Wenn die Träger keine Mittel nachschießen, wird es eng und die Pensionskassen müssen Leistungen kürzen und Beiträge erhöhen.

Anleihen bringen nichts mehr


Ursache ist die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) unter ihrem Chef Mario Draghi. Da den Pensionskassen bei der Anlage die Hände gebunden sind, haben sie ihr Vermögen von rund 164 Milliarden Euro weitgehend in Anleihen gesteckt – nur bringen die immer weniger. Die gutverzinsten Alt-Anleihen laufen langsam aus und für neue gibt’s keinen Zins mehr. Ausbaden müssen es die Betriebsrentner.

Andere Träger haben es erst gar nicht so weit kommen lassen und schossen Geld nach, darunter BASF, der seine Pensionskasse mit 317 Millionen Euro versorgte. Fondsprofessionell zufolge braucht auch die Baden-Badener Pensionskasse eine Geldspritze – die BBP ist die Pensionskasse von ARD, Deutschlandradio und Deutscher Welle. Der Nachschuss wird sich wohl letztlich auf die Rundfunkgebühr auswirken, denn es ist die Rede von einem Nachschuss in dreistelliger Millionenhöhe.

Rentenfaktor nach unten korrigiert


Damit nicht genug, schon in den vergangenen Jahren hat sich die Nullzinspolitik Draghis auf den Rentenfaktor der Pensionskassen ausgewirkt. Dem „Versicherungsboten“ zufolge hat „mehr als jede sechste Pensionskasse in den letzten zehn Jahren ihre Verrentungsfaktoren zu Ungunsten der Versicherten nach unten korrigiert“. Die Größte Pensionskasse ist, sprich die BVV Versicherungsverein für das Bankgewerbe, hatte dem „Tagessspiegel“ zufolge bereits zum 1. Januar 2017 ihre Rentenzusagen um gut 24 Prozent deutlich nach unten korrigiert. Ein niedrigerer Rentenfaktor bedeutet niedrigere Betriebsrenten. Was ist der „Rentenfaktor“: „Damit der Versicherer eine Garantie für die Rentenzeit geben kann, kalkuliert er die Rentenhöhe in Bezug auf ein fiktiv angespartes Kapital – in der Regel je 10.000 Euro“, erklärt das Verbraucherportal des Gesamtverbands der Versicherer.

Mehr dazu unter https://vorunruhestand.de/2018/12/pe...schieflage/

8 Kommentare

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Manchmal verstehe ich nicht, daß diese Kassen jammern. Es gibt Fondmanager die für ihren Fond 20 - 30 % erwirtschaften. Die falschen Leute an der falschen Stelle!
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Das uns die Null-Zins-Politik der EZB etliche Milliarden kostet sollte doch jedem bekannt sein.
Sich jetzt erst drüber aufzuregen finde ich etwas verspätet.

Schließlich wurden die Parteien gewählt, die genau diese Geldpolitik unterstützt haben.
Die wurden aber NICHT dafür gewählt, dass sie genau das tun - sondern habens einfach GEGEN den Wählerwillen getan. Aus einer Protestbewegung dagegen hat sich dann unter anderem auch die AFD entwickelt - falls man sich noch an deren Anfangszeiten erinnern mag. Lauter hochqualifzierte "Euro-Rettungs- und Nullzinspolitik-Kritiker" - die von den "etablierten Mehrheitsvertretern" nur verlästert - und ihre Beiträge ignoriert - wurden. Dass ihnen jetzt ein ganz anderes "Protest-Potenzial" erwachsen ist - das anscheinend immer mehr Zulauf findet -, haben die "Etablierten" ganz allein selbst zu vertreten. Könnte durchaus sein, dass sie demnächst nur noch "Minderheiten" darstellen - wenn sie nicht schnellstens eine "Wende" einleiten - grade in der Finanzpolitik - und der "Altersvorsorge"! Sieht aber allem Anschein bisher nicht danach aus - mit dem bisherigen "Führungspersonal" - das praktisch nur nach der Devise "Weiter so - und keine Toleranz mit Kritikern!" handelt.
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Wenn irgendjemand an meiner Betriebsrente dreht, dann werde ich eine deutsch-nationale Partei gründen, die zur Aufgabe hat die vorhandenen Politiker und die Pensionkassenverantwortlichen und Europa auf den Mond schießt!
An der Betriebsrente wurde doch schon längst "gedreht". Ich denke da an den vollen Krankenkassenbeitrag!
Ich habe weder von Herrn Spahn noch von anderen Parteiführern gehört, dass diese UNGERECHTIGKEIT wieder aufgehoben werden soll.
So weit ich weiss, wird daüber gerade wieder diskutiert. Ob da was rauskommt ????
Das wird wahrscheinlich schon im Januar passieren. https://vorunruhestand.de/2018/11/ki...iebsrenten/
Der heiße Spahn CDU steht mal wieder auf der Leitung. Gut das er nicht CDU-Vorsitzender wurde, so ein erzkonservativer Politiker ist in Deutschland fehl am Platz.
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