Die meisten Kreuzfahrtschiffe sind gigantische Dreckschleudern

Kreuzfahrtschiff-Ranking: Zwei Vorzeige-Schiffe - und viele Dreckschleudern

News Team
Von News Team

Der Kreuzfahrtmarkt boomt. Dabei schaden die riesigen Schiffe dem Meer, dem Klima und auch historischen Städten. Nur ein kleiner Teil der Flotte wird sauberer. Der Naturschutzbund Nabu hat jetzt sein jährliches Umwelt-Ranking vorgelegt.

Das Gros der Branche setzt weiterhin auf Schweröl und verzichtet auf den Einsatz von Abgastechnik, wie die Analyse des Nabu ergab. Doch immerhin gibt es Anbieter, die inzwischen auf Flüssiggas (LNG) setzen. Der weltweit erste Luxusliner war Aida Nova, die seit Ende 2018 im Einsatz ist und das Nabu-Ranking zu den Luftschadstoffemissionen anführt. Der Aida-Mutterkonzern Costa Crociere wird noch dieses Jahr ein zweites flüssiggasbetriebenes Kreuzschiff in Betrieb nehmen: die Costa Smeralda, die Platz zwei besetzt.

Auf dem dritten Platz landen drei Schiffe der Reederei Hapag-Lloyd: Die Europa 2, Sieger des Jahres 2013, sowie die beiden neuen Expeditionskreuzfahrtschiffe Hanseatic Nature und Hanseatic Inspiration.

Schlusslichter sind Schiffe von Branchenriesen

Weit abgeschlagen und seit jeher auf die letzten Plätze abonniert sind die Schiffe unter anderem der Branchenriesen MSC und Royal Caribbean. Insgesamt teilen sich 58 Schiffe den letzten Platz (Nummer 32). Ein Ausschnitt:

Die Schlusslichter (neben weiteren) unter den Dreckschleudern
NabuDie Schlusslichter (neben weiteren) unter den Dreckschleudern

Hier geht es zum kompletten Ranking.

Gasantrieb gut für Luft - aber schlecht fürs Klima

Wenngleich der Nabu der Gasantrieb in puncto Luftschadstoffminderung unbestreitbare Vorteile gegenüber Marinediesel und Schweröl hat, bewertet der Nabu ihn gespalten: wegen der miserablen Klimabilanz. Auch LNG sei ein vollständig fossiler Brennstoff, der teilweise mit erheblichen Eingriffen in die Umwelt gewonnen werde, schreibt der Nabu in seiner Mitteilung. Hinzu komme, dass das starke Treibhausgas Methan in die Atmosphäre entweiche („Methanschlupf“).

Ranking berücksichtigt Technologien für Klimaschutz

Erstmals dieses Jahr erfasste der Nabu im Ranking Technologien zum Klimaschutz im Bereich der Antriebe und der Energieversorgung, die nun in einer gesonderten Kategorie ausgewiesen sind. Einzig zwei Segelschiffe sowie jene Schiffe, die über einen Landstromanschluss verfügen und über diesen ihren Energiebedarf während der Liegezeit im Hafen mit Strom aus erneuerbaren Quellen speisen, schneiden hier besser ab als die anderen.

Lob für Hybridschiff Roald Amundsen

Hurtigruten setzt mit dem Hybridschiff Roald Amundsen (Platz 6) neue Maßstäbe, die einen Effizienzgewinn des weiterhin diesel-elektrischen Antriebs und damit eine CO2-Minderung ermöglichen.

VIDEO: Hier sticht die Roald Amundsen in See


Naturschützer: Gesetzgeber muss endlich handeln

Trotz der fortschreitenden Erderwärmung werden jährlich weitere Riesenschiffe mit fossilen Kraftstoffen in Betrieb genommen. „Die Branche handelt absolut unzeitgemäß und verantwortungslos“, kritisiert der Naturschutzbund. Viele Schiffe seien heute mit einem Jahrzehnte alten technischen Standards unterwegs. Dabei sei eine umfassende Reduktion von Luftschadstoffen längst technisch möglich.
Folgendes fordert der Nabu:

  • Saubere Abgastechnik auf allen Schiffen verbauen und zur gesetzlichen Vorschrift für das Einlaufen in Häfen machen
  • Landstrompflicht in allen europäischen Häfen
  • Gesetzlichen Bestimmungen bei Antrieben verschärfen
  • Steuerbefreiung mariner Kraftstoffe beenden
  • Anforderungen an Energieeffizienz der Schiffe anheben

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