Spektakulärer Fund: Erster aufrecht gehender Vorfahr des Menschen kam aus Bayern

Weltsensation im Allgäu: Aufrechter Gang offenbar bereits vor 12 Millionen J ...
Weltsensation im Allgäu: Aufrechter Gang offenbar bereits vor 12 Millionen Jahren entwickeltFoto-Quelle: Universität Tübingen
News Team
Von News Team

Forscher der Universität Tübingen haben in einer Tongrube im Allgäu eine bisher nicht bekannte Primatenart entdeckt. Der bereits aufrecht gehende Vorfahr des Menschen lebte vor fast zwölf Millionen Jahren in Süddeutschland. Der Fund stellt geltende Annahmen zur Evolution auf den Kopf.

Der aufrechte Gang und die gemeinsamen Vorfahren des Menschen und der Menschenaffen haben sich möglicherweise nicht in Afrika, sondern in Europa entwickelt. Zu diesem spektakulären Schluss kommt ein internationales Forschungsteam um Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen.

Prof. Dr. Madelaine Böhme
Universität TübingenProf. Dr. Madelaine Böhme

Böhme hat in Pforzen im Allgäu Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart entdeckt: Die versteinerten Überreste des Danuvius guggenmosi, der vor 11,62 Millionen Jahren lebte, lassen den Schluss zu, dass er sich sowohl auf zwei Beinen als auch kletternd fortbewegen konnte. Die Fähigkeit, aufrecht zu gehen, gilt als zentrales Merkmal von Menschen.

Die 21 Knochen des am vollständigsten erhaltenen Teil-Skelettes eines männlichen Danuvius
Universität Tübingen/Christoph JäckleDie 21 Knochen des am vollständigsten erhaltenen Teil-Skelettes eines männlichen Danuvius

"Die Funde aus Süddeutschland sind ein Meilenstein der Paläoanthropologie, denn sie stellen unsere bisherige Sichtweise auf die Evolution der großen Menschenaffen und des Menschen grundlegend in Frage", sagte Böhme. Die bislang ältesten Belege für den aufrechten Gang sind sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia.

Große Zehe
Universität Tübingen/Christoph JäckleGroße Zehe

"Zum ersten Mal konnten wir mehrere funktionell wichtige Gelenke ‒ darunter Ellbogen, Hüfte, Knie und Sprunggelenk ‒ in einem einzigen fossilen Skelett dieses Alters untersuchen", so Böhme. "Zu unserem Erstaunen ähnelten einige Knochen mehr dem Menschen als dem Menschaffen."

Handknochen
Universität Tübingen/Christoph JäckleHandknochen

Die Fossilien zeigen, dass Danuvius etwa einen Meter groß war, heißt es in der Mitteilung der Universität Tübingen weiter. Die Weibchen dürften demnach gerade mal 18 Kilogramm gewogen haben, weniger als die heutigen Menschenaffen. Das Männchen bewegte sich mit geschätzten 31 Kilogramm am unteren Ende des Gewichts heutiger Menschenaffen.

Der Brustkorb war flach und breit und die Lendenwirbelsäule verlängert, wodurch Danuvius effektiv seinen Körperschwerpunkt über der gestreckten Hüfte und Knien halten konnte. Die Knochen lassen auf mehrere Schlüsselmerkmale menschlicher Zweibeinigkeit schließen, wie zum Beispiel eine X-Stellung der Beine.

"Weltsensation" im Allgäu

"Die bedeutenden Funde von fossilen Wirbeltieren, vor allem von über 12 Millionen Jahre alten Hominiden, bei Pforzen ist eine Weltsensation", sagt Landrätin Maria Rita Zinnecker. "Das heutige Ostallgäu ist eine der Wiegen der Menschheit." Der Landkreis werde alles unternehmen, um die Paläontologen bei ihrer Arbeit zu unterstützen und die notwendigen Schritte zum Schutz der Fundstelle einleiten.

In der ehemaligen Ziegelei "Hammerschmiede" entdeckte der (inzwischen verstorbene) Hobbyarchäologe Sigulf Guggenmos bereits 1972 die ersten Fossilien – ihm zu Ehren trägt die neue Menschenaffenart den Namen Danuvius guggenmosi.

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