Silvester: Böller-Verbot in deutschen Städten

Ein Feuerwerk gehört für viele zu Silvester einfach dazu - doch in immer meh ...
Ein Feuerwerk gehört für viele zu Silvester einfach dazu - doch in immer mehr Städten ist dies in einigen Bereichen nicht mehr gestattetFoto-Quelle: Pixabay
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Der nun bald anstehende Jahreswechsel war noch fern, da sorgte mitten im Hochsommer ein Antrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) für viel Wirbel bei Lokalpolitikern: Für 31 Städte und Gemeinden, die unter einer hohen Feinstaub-Belastung leiden, beantragte die DUH ein Feuerwerksverbot in den Innenstädten. Im Herbst kamen 67 weitere Kommunen dazu.

Berlin, Hamburg, München - Jackerath und Niederzier

Auf der Liste waren Großstädte wie Berlin, Köln und München, aber auch kleine Orte wie Datteln, Jackerath oder Niederzier. Bei allen stellte die Umwelthilfe eine Überschreitung der NO2-Grenzwerte fest.

Mit den Anträgen hoffe die Umwelthilfe, dass in den 98 am stärksten belasteten deutschen Städten „möglichst viele bereits zum kommenden Jahreswechsel innerstädtische Böller-Verbote beschließen und sich damit für die saubere Luft und für ihre Bürgerinnen und Bürger entscheiden“, so DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.

Aktuellstes Beispiel: Böllerverbot in Hamburg

Nicht alle Städte kamen dieser Aufforderung nach, in anderen ist es örtlich bereits seit längerem verboten, ein Feuerwerk zu entzünden.

Am Donnerstag (5. Dezember 2019) gab die Stadt Hamburg bekannt, dass erstmals zum Jahreswechsel 2019/20 ein Böllerverbot in einem an Silvester beliebten Bereich der Innenstadt gilt: Rund um die Binnenalster ist es an dem Tag ab 18 Uhr bis um 1 Uhr am Neujahrsmorgen verboten, Feuerwerkskörper abzubrennen.

Selbst das Mitführen von Pyrotechnik - abgesehen von Knallerbsen und Wunderkerzen - ist laut Polizei rund um den Jungfernstieg untersagt.

Zur Begründung führt die Stadt Hamburg allerdings nicht etwa erhöhte Feinstaubwerte an, sondern Sicherheitsbedenken: "Die Erfahrungen der letzten Jahre und die Gefährdungslage am Jungfernstieg machen das Feuerwerksverbot rund um die Binnenalster zu Silvester notwendig. Das Risiko durch verantwortungslosen Umgang, Bewerfen und Beschießen mit Feuerwerkskörpern war einfach zu groß“, sagte Innensenator Andy Grote.

Angst vor Bränden

Ähnlich in anderen Kommunen: Auch hier sind in vielen Fällen nicht ökologische oder umweltpolitische Gründe entscheidend dafür, dass Städte ein Feuerwerksverbot verhängen.

Häufig spielt Brandschutz eine Rolle. So verbieten etwa Städte mit historischen Fachwerkhäusern oder Kirchen wie Nürnberg, Aachen oder Bremen das Abfackeln von Feuerwerkskörpern in den Altstädten.

Aus gutem Grund: So löste etwa in Aachen 2010 eine Silvesterrakete einen verheerenden Brand in der Nikolauskirche aus.

Und wie in Hamburg sorgen sich die Lokalpolitiker auch in Hannover, München und Berlin um die Sicherheit der Feiernden.

In diesen Städten - oder Teilen davon - gilt in diesem Jahr ein Böller-Verbot (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Baden-Württemberg

  • Karlsruhe (Schlossplatz)
  • Stuttgart (Schlossplatz)

Bayern

  • Augsburg (Innenstadt)
  • Bamberg (Domplatz, Michaelsberg, Altenburg)
  • Freising (Innenstadt)
  • Fürth (Fürther Freiheit, Kohlenmarkt, Rathaus, Dreiherrenbrunnen
  • Ingolstadt (in der gesamten Altstadt)
  • Landshut
  • München (Altstadt und Fußgängerzone)
  • Nürnberg (rund um Hauptmarkt, Burg, in der Nähe von Fachwerkhäusern, Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen)
  • Passau
  • Rosenheim (Max-Josefs-Platz)
  • Würzburg (rund um Alte Mainbrücke, Domstraße, Residenz, Festung)

Berlin

  • neben dem Brandenburger Tor
  • Alexanderplatz (nördlicher Teil)
  • Pallasstraße, Schöneberg

Bremen

  • rund um das Rathaus

Hamburg

Hessen

  • Wiesbaden (Bereich Kurhaus/Wilhelmstraße)
  • Limburg (Teile der Altstadt, rund um Krankenhäuser, Altenwohnanlagen)

Niedersachsen

  • Braunschweig (rund um die Rathauskolonnaden)
  • Göttingen (Altstadt)
  • Hannover (Raschplatz bis Kröpcke, Opernplatz, Platz der Weltausstellung)
  • Lüneburg (Altstadt)
  • Landkreis Osterholz, rund um Reetdachhäuser, Kirchen, Krankenhäusern, Altenheimen)

Nordrhein-Westfalen

  • Aachen (innerhalb des Grabenrings)
  • Dortmund (Hauptbahnhof/Katharinen-/Kampstraße, Platz von Leeds, Alter Markt)
  • Düsseldorf (Altstadt)
  • Köln (rund um den Dom)

Schleswig-Holstein

  • Amrum
  • Föhr
  • Sylt
  • Timmendorfer Strand

DUH: Mehrheit für Böllerverbot

Mit ihrer Forderung nach einem weitgehenden Feuerwerksverbot sieht die Deutsche Umwelthilfe die Mehrheit der Deutschen auf ihrer Seite: Rund 60 Prozent der Bundesbürger sei für ein generelles Böllerverbot in dicht besiedelten Innenstädten, berichtet die DUH und bezieht sich auf eine Umfrage von YouGov.

„Nur eine Minderheit von 40 Prozent der Bundesbürger spricht sich für ein Fortbestehen der für die Luftreinhaltung sowie für die Gesundheit von Mensch und Tieren abträglichen Schwarzpulver-Böllerei aus“, so die Umwelthilfe.

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