Wer war wirklich der erste Mensch auf dem Mount Everest?

Wer war wirklich der erste Mensch auf dem Mount Everest?
Wer war wirklich der erste Mensch auf dem Mount Everest?
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Die Felsrinne in der Nordflanke des Mount Everest ist steil. Flugschnee klebt auf gelbem Kalkstein. Zwischen den Felsen schimmert Eis. Wenn ich an den Steigeisen vorbei nach unten schaue, sehe ich die Farbtupfer der Hochlagerzelte. Lager IV, 8380 Meter hoch gelegen, wo ich heute früh aufgebrochen war.Ich gehe allein, ohne Sicherung, ohne künstlichen Sauerstoff, in beängstigender Langsamkeit. Sechs panische Atemzüge für jeden Schritt. Mein Brustkorb ist eine einzige keuchende, stechende Lunge, nach Luft gierend.

Der klare Himmel von heute morgen ist verschwunden. Nebel hüllt den Grat ein. Die Sonne, hoch am südlichen Himmel, strahlt wie ein mit Milchglas abgeschirmter Feuerball. Schemenhaft sehe ich vor mir den „Second Step”, ein 30 Meter hoher Grataufschwung, die schwierigste Kletterstelle des Nordanstieges. Dahinter greifbar nahe, der 8848 Meter hohe Gipfel.Der höchste Punkt der Erde, den der Neuseeländer Edmund Hillary und der Sherpa Tensing Norgay am 29. Mai 1953 betraten. Aber waren sie wirklich die ersten Menschen auf dem Everest?

Auf 8500 m Höhe zwingt mich der Schneesturm zur Umkehr. Schneetreiben setzt ein. Keine Flocken, sondern Eiskristalle, die der Wind waagrecht über den Grat peitscht. Ich setze mich in den Schnee, starre zum Gipfel. Nur noch 300 Meter! Der Mangel an Sauerstoff verbreitet eine bleierne Trägheit in meinem Gehirn. Plötzlich habe ich das Gefühl, irgend jemand sagt „umkehren”. Ich bin weder erleichtert noch enttäuscht. Ich stehe einfach auf und beginne gegen den aufkommenden Schneesturm abzusteigen.

Mein Besteigungsversuch scheitert in einer Höhe von 8500 Metern. Das ist in etwa die Höhe in der 1924 die Engländer George Mallory und Andrew Irvine zum letzten Mal gesehen wurden. Der 38 Jahre alte George Leigh Mallory galt damals als der beste Kenner des Mount Everest. Er entdeckte die Route über den Nordsattel und erkannte frühzeitig die Bedeutung der Sauerstoffgeräte. Am 8. Juni 1924 verließen Mallory und Andrew Irving, ein 22 Jahre alter Student aus Oxford, ihre Hochlagerzelte zum Gipfelanstieg.

Der Geologe Noel Odell, der im Lager zurückgeblieben war, beobachtete ihren Aufstieg. „Gegen 12.50 Uhr", berichtete er, "wurde der Gipfelgrat des Everest sichtbar. Ich sah einen schwarzen Punkt, oberhalb der Felsstufe am Grat. Ein zweiter Punkt bewegte sich den Schnee hinauf, bis er mit dem anderen am Grat zusammentraf. Dann verschwand die ganze faszinierende Vision, alles war wieder in Wolken gehüllt". Mallory und Irving wurden nie mehr lebend gesehen.

Mallory oder Sir Edmund Hillary - das Rätsel ist noch nicht gelöst. Seitdem hat ein halbes Dutzend Expeditionen versucht das Rätsel zu lösen. Man fand Mallorys Leiche. Die geborgenen Notizen und Ausrüstungsgegenständen werden noch immer ausgewertet. Odel hatte Mallory und Irvine um 12.50 Uhr gesehen. „Erstaunlich rasch“ seien sie in Richtung Gipfel geklettert, berichtete er. Die Verhältnisse waren gut, die technischen Schwierigkeiten überwunden, der Weg zum Gipfel war frei. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Everest bestiegen haben ist groß, aber den endgültigen Beweis würde erst der Fotoapparat liefern, den Irvine bei sich trug. Seine Leiche wurde noch nicht gefunden.

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