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Hieronymos Bosch: Die sieben Todsünden

Mein Wort zum Sonntag: Die sieben Hauptsünden, Teil 1

News Team
Von News Team

Im Mittelalter gab es sieben Hauptsünden (nicht: Todsünden) als Grundlage für alle anderen Sünden der Menschen. Haben sie heute noch irgendeine Bedeutung?
Nach Papst Johannes Paul II ist die Todsünde ein Akt, "durch den ein Mensch bewusst und frei Gott und sein Gesetz sowie den Bund der Liebe, den dieser ihm anbietet, zurückweist, indem er es vorzieht, sich selbst zuzuwenden oder irgendeiner geschaffenen und endlichen Wirklichkeit, irgendeiner Sache, die im Widerspruch zum göttlichen Willen steht“. Das klingt harmlos und nur innerkirchlich bedeutsam, ist es aber nicht. Hier also die einzelnen Hauptsünden und ihre Bedeutung für die Gegenwart:

Hauptsünde 1: Hochmut (Eitelkeit, Übermut)

Im Lateinischen heißt sie "Superbia"; sie bedeutet den Zustand von Personen, die ihren eigenen Wert, ihren Rang oder ihre Fähigkeiten ungebührlich hoch veranschlagen und deswegen auf andere herabsehen, was zu Verachtung und Arroganz führt. Die alten Griechen verstanden darunter "Hybris", die Annahme, man könne sich über die Götter erheben, wie etwa Prometheus (er brachte den Menschen das Feuer) oder Ikarus (er wollte fliegen wie die Götter).
In unserer Zeit ist es völlig normal, in den Himmel zu streben und es den Göttern gleich zu tun. Dazu brauchen wir nicht (wörtlich genommen) die Türme von Dubai oder New York. Es genügt, wenn der Mensch sich anmaßt, bei der Manipulation von Lebewesen Gott zu spielen, indem beispielsweise menschliche Eizellen manipuliert und mit fremdem Erbgut versehen werden. Zugegeben: Ohne diese Einstellung gäbe es keine moderne Technik und Zivilisation, mit all ihren Vorteilen und Schrecken. Doch diese Einstellung wird uns irgendwann, wenn wir den Bogen überspannen, in den Abgrund führen. Der Name "Über"mut sagt es ja: Es gehört viel Mut dazu, die Natur zu erforschen, aber zuviel davon kann gefährlich werden, zumal der Mensch kein Maß kennt und den Bogen gern überspannt.

Hauptsünde 2: Geiz (Habgier)

Gemeint ist der Unwille, Güter mit anderen zu teilen, also eine Form des Egoismus. "Habgier" bedeutet auch ein übersteigertes Streben nach materiellem Besitz, unabhängig von dessen Nutzen. Ein Beispiel aus der Antike war König Midas, dem alles zu Gold wurde, was er anfasste, inklusive der Nahrung, sodass er bei allem Reichtum verhungerte. Zu Beginn der Neuzeit handelten vor allem spanische und portugiesische Eroberer auch nach diesem Grundsatz, indem sie alles Gold zusammenrafften, was sie den indigenen Völkern Amerikas wegnehmen konnten.
Und heute? Zwar steht schon bei Lukas 12/15: "Niemand lebt davon, dass er viele Güter hat." Und auch der weise Wilhelm Busch bemerkte: " Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge." Doch der Scientology-Gründer Ron Hubbard drückte das Credo des Kapitalismus am besten aus, wenn er seine Mitglieder mit diesen Worten antrieb: "Mache Geld, mache mehr Geld, mache, dass Leute mehr Geld machen!" Woran sich die Manager von Banken und großen Industrie-Unternehmungen auch brav halten. Wozu sie ihre Millionen brauchen, weiß niemand.
Dazu passt, dass eine große Elektronik-Kette 2002 den Slogan "Geiz ist geil" prägte, an den sich viele hielten, zum Leidwesen von Fachgeschäften, die auf Qualität und guten Service setzten, was den Konsumenten nicht interessierte. 20 Cent billiger, dann wird's gekauft. Und wenn man dafür an die Grenze des Nachbarlands fahren muss, weil dort das Benzin einen Cent weniger kostet.
Immerhin scheint sich hier ein Umdenken anzubahnen. Das Teilen von Gütern, deren Besitz wirklich nicht erstrebenswert ist, kommt gerade in Mode. Wozu brauchen wir eine eigene Kreissäge, einen Schlagbohrer, einen Rasenmäher? Der Nachbar nutzt das auch, also teilen wir das Gerät mit ihm - genauso wie Auto in der Stadt oder Wohnung im Urlaub.
Nächste Woche: Hauptsünden 3 und 4.

29 Kommentare

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lieber Wolf vom Rhein ich bin zwar rk aber ich seh das auch so! Viele Grüße zum Advent und mal etwas herunterschalten!
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Ich bin nicht rk, aber schon Millowitsch sang mal: " Wir sind alle kleine Sünderlein" und in Köln geht man dann nach Aschermittwoch zur Beichte und alles ist gut.
Viell. is Gott ja ein Karnevalist - wer weiss das schon
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immer wieder gerne anzusehen (mit Brad Pitt und Morgan Freeman)
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Unter "Sünde" wird die "Übertretung der Gesetze Gottes" verstanden. Das gilt für Christen,Juden und Muslime, und jene deren Glauben auf Abrahamitischen Religionen basiert. Da sich die Moral aber immer verändert und sich Zeit und Menschen anpasst (siehe z.B. Homosexuallität), muss das jeder für sich selbst beantworten ob ein Verhalten schon Sünde ist oder alltägliches der Zeit angepasstes Verhalten.
Homosexualität hat nichts mit abrahamitischen Religionen zu tun, sondern verstösst gegen die Naturgesetze.
Nein, denn als "Naturgesetz" gibt es nur Sexualität, alles andere gehört in die Moralkiste.
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Für mich selbst haben sie schon noch eine Bedeutung!
welche konkret?
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Der König von Bhutan wurde belächelt, als er seinem Volk das Brutto-glücksprodukt verordnete.
Es wäre schön, wenn es mehr so weise Herrscher gäbe!
Buthan hat tein tolles ERziehungskonzept. Da steht u.a. Glück im Sundenplan.
In Karlsruhe wird das an der Uni (?) gelehrt. Wir sollten alle Gebrauch davon machen.
Schön, aber in Amerika und der westlichen Welt wir unter Glück oft materieller Besitz verstanden - und das geht oft nur auf Kosten anderer.
Es wird wohl so verstanden, Heidi. Soweit mir bekánnt ist, ist aber auch in der am. Verfassung Glück anders gemeint. Und das Karlsruher Projekt bezieht sich auf Werte und nicht auf Konsum o.ä.
ich sah kürzlich auch einen Bericht über Bhutan, Erziehung: frei, Gesundheitsfürsorge: frei. Der Schutz des Waldes und alle anderen Umweltprojekte haben oberste Priorität. Vielleicht haben die Einwohner noch nie einen Supermarkt von innen gesehen --- aber wer würde darauf nicht gern für mehr Lebensqualität und mehr Solidarität verzichten!
Renate: unsere Kommentare überschneiden sich grad - macht aber nichts ---- im Grunde tragen wir beide Bhutan im Herzen, nicht wahr
Sehe ich auch so! Wahrscheinlich haben wir die selbe Doku gesehen.
http://www.seniorbook.de/themen/kate...-wirtschaft
Hier ist der Link dazu aufgeführt.
Auf Dauer werden wir nicht umhinkommen genau solche Projekte zu starten und unsere Wirtschaft so umzustellen. Der ewige Raubbau mit unseren Resourcen ist unverzeihlich.
Wenn das Wörtchen wenn nicht wär.....
Es kann immer was schieflaufen, auch im Privatleben. Wenn man für alles vorsorgen würde, käme man gar nicht mehr zum Leben.
Missgunst gibt es immer irgendwie. Doch denke ich, dass solche Beispiele wie Bhutan durchaus Schule machen werden. Andere Regierungen sind nur leider extrem langsam im Denken und Umsetzen erst recht. Auf lange Sicht wird nichts anderes funktionieren.
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Das ist eben die Verarschung durch die Religionen - das gilt nur für den kleinen Mann ,es wird ihm mit der Strafe Gottes gedroht um ihn ruhig zu halten, die Herrschenden ob weltlich oder kirchlich , das zeigt die Geschichte und auch Heute ,unsere Politiker-Manager- Bischöfe usw. schert dies überhaupt nicht.
Wenn du selbst nicht das Bedürfnis nach Bescheidenheit und Dankbarkeit in dir spürst, dann kann dir das kein Bischoff und auch kein Regierungsmitglied verordnen, dann musst du halt weiter meckern und unzufrieden sein und vergibst dir selbst die Chance auf ein glückliches, ausgefülltes Leben.
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Wenn du und ich und andere es anders halten und dazu (öffentlich) stehen, ist schon viel gewonnen; es gibt dann Menschen, die sich anschließen und diese Haltung nicht nur selbst leben sondern auch weitergeben...
Bescheidenheit und Demut sind vielleicht ein bisschen unmodern machen aber zufriedener. Das Gut des Nachbarn ist dann völlig schnuppe
@ Volker
Ich meine nicht die durch Zwang herbeigeführte Bescheidenheit. Die hat fast keinen Wert. Fällt der Zwang weg ist die Bescheidenheit wie weggeblasen.
Demut stellt sich leider oft durch schmerliche Situationen ein- aber auch heir denke ich an eine grundsätzliche Haltung zum Leben.
Ich lebe die Überzeugung, beides, Bescheidenheit und Demut, lassen andere als die bloßen monetären Werte erkennen und Zufriedenheit zu.
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Die sieben *Todsünden * haben auch mit dem Übermass von Konsum zu tun…von allem zu viel….
Passt gute in die unruhige Adventszeit…Danke
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danke schön für diesen Artikel!
Die ersten 2 Hauptsünden sind sehr gut auf unsere heutige Zeit zugeschnitten.
Ich freue mich auf den nächsten Beitrag!
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