Mein Wort zum Sonntag: Wesen ohne Todesprogramm - die ältesten Bäume

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Von News Team

In unserer Serie "der/die/das älteste" berichten wir heute über Methusalems unter den Bäumen.
"Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum" heißt es so schön in einem alten Volkslied. Das Lied könnte man durch das Wort "alter" ergänzen, denn mit geschätzten tausend Jahren auf dem Buckel scheinen die Linden zu den ältesten Bäumen in Deutschland zu gehören, nur übertroffen von manchen Eichen und einigen Eiben.
Die Edignalinde beispielsweise, auch Tausendjährige Linde genannt, steht auf dem Friedhof neben der Kirche Sankt Sebastian in Puch, einem Stadtteil von Fürstenfeldbruck (Bayern). Sie ist geschätzt 500 bis 1200 Jahre alt und als Naturdenkmal ausgewiesen. Der Name stammt von Edigna, laut einer Legende die Tochter des Königs von Frankreich, die hier im 11. Jahrhundert auf der Flucht vor einer geplanten Verheiratung Unterschlupf gesucht hat. Sie hat angeblich als Eremitin im Inneren des hohlen Baumes 35 Jahre lang gelebt. Die Hindenburglinde, auch Große Linde genannt, ist eine mächtige einzeln stehende Sommerlinde in Taubensee (Ramsau) bei Berchtesgaden. Sie wird auf 950-1000 Jahre geschätzt. Ähnliches Alter: Kasberger Linde, auch als Kunigundenlinde oder Franzosenlinde bekannt, am Rand des Gräfenberger Ortsteils Kasberg im Landkreis Forchheim, sowie die Tassilolinde in der Nähe der Klostermauer in Wessobrunn, Oberbayern.
Die Femeiche in Erle im Kreis Borken in Nordrhein-Westfalen ist vermutlich die älteste Eiche Deutschlands. "Vermutlich": Es gibt keine Jahresringe, das Alter wird geschätzt. Die älteste Eiche Europas steht angeblich in Bad Blumau in der Steiermark (Österreich). Als sie nach einem Blitzschlag gespalten wurde, goss man in ihre Hohlräume Beton, was dem Baum erwartungsgemäß nicht guttat. Er begann zu verfaulen. Da hat man dann den Kern mit Presslufthämmern wieder entfernt, faules Holz herausgekratzt und durch Rohre eine Drainage geschaffen. Jetzt geht's ihm wieder gut - doch das Alter bleibt weiterhin geschätzt.
Die wirklich alten Bäume indes finden wir in anderen Regionen der Erde. Lange Zeit glaubten die Wissenschaftler, dass die ältesten Bäume der Welt in Kalifornien stehen, in den White Mountains: die "Bristlecone Pines" oder Grannenkiefern. Die älteste von ihnen heißt "Methuselah" und ist über 4700 Jahre alt. 2012 wurde in der gleichen Region ein Baum entdeckt, der auf ein Alter von 5062 Jahren datiert wurde. Aus Angst vor einem zu großen Besucherandrang bleibt dessen genauer Ort jedoch geheim.
4000 bis 5000 Jahre alt sollen die Tamrit-Zypressen im algerischen Tassiligebirge sein. Hier fehlt aber ebenso der exakte Beweis wie bei einer japanischen Sicheltanne auf der Insel Yakushima, deren Alter auf etwa 7000 Jahre geschätzt wird. Im Jahr 2008 haben schwedische Forscher jedoch eine kleine Fichte auf dem Berg Fulu im Zentrum des Landes gefunden, die auf ein Alter von 9550 Jahren datiert wird.Viel älter als die sichtbaren Bäume indes sind seien Wurzeln, die einen ganzen Waldboden durchziehen können. 10.500 Jahre alt ist das Wurzelgeflecht der sogenannten "Huon Pine" in Tasmanien. Aus den uralten Wurzeln sprießen immer wieder neue Kiefern (Klone).
Im Jahr 2009 haben kalifornische Wissenschaftler einen Busch gefunden, der sich seit 13.000 Jahren selbst klont. Er stammt also noch aus der letzten Eiszeit. Mittlerweile hat sich der Jurupa-Eiche getaufte Busch an die sengende Hitze Kaliforniens gewöhnt und sich dementsprechend angepasst. Genug Zeit dazu hatte er ja.
Warum werden Bäume eigentlich so alt? Forscher vermuten: Weil sie nicht sterben. Klingt banal, ist es aber nicht: Ihnen fehlt das Sterbe-Programm. Sie besitzen viele unspezialisierte embryonale Zellen, was unseren Stammzellen entspricht. Dadurch können sie sich sozusagen immer wieder selbst verjüngen. Zudem haben sie keine speziellen Organe in einmaliger Ausfertigung wie beispielweise wir mit unserer Leber, unserem Herzen oder unserem Gehirn. Wenn also etwas abstirbt, kommt Neues dazu.
Warum sterben Bäume dann überhaupt? Offenbar, weil sie kein "Todesprogramm" haben. Sie überladen sich mit Ästen, Zweigen, Fasern, und irgendwann brechen sie unter ihrer eigenen Fülle zusammen. Manchmal kann sich eine Pflanze aber gewissermaßen selbst regenerieren. In Tasmanien entdeckten Biologen eine Busch-Spezies, die sich immer wieder selbst klont. Und dies, das haben Radiokarbondatierungen fossiler Blätter gezeigt, seit mindestens 43.600 Jahren.
Die einzelnen Exemplare allerdings werden, verglichen mit Pinus longaeva, nicht besonders alt: Jeder der Sträucher stirbt bereits nach ein paar Jahrhunderten. Bislang aber haben die Forscher noch keine physiologischen oder genetischen Gründe gefunden, weshalb die Langlebige Kiefer der White Mountains den fünf Millennien ihrer Existenz nicht noch etliche Wachstumsperioden hinzufügen könnte. Vorausgesetzt, kein Sturm wirft sie um.

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3 Kommentare

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Ja, Bäume! Bei der Aufzählung dürfen die Ivenacker Eichen bei Stavenhagen (MVP) nicht fehlen, über 1000 Jahre alt
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Bäume sind einfach faszinierte Lebenwesenund ich mag sie besonders
Danke für die vielen interessanten Infos
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... oder Menschen zerstören sie ...
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