Mein Wort zum Sonntag: Die ältesten Städte der Welt

Erinnerungen an die ferne Vergangenheit
Erinnerungen an die ferne VergangenheitFoto-Quelle: Collage: ri
News Team
Von News Team

Wann ist eine Siedlung eine Stadt? Wenn sie groß genug ist? Oder wenn ihr offiziell das Stadtrecht verliehen wurde? In Deutschland ist ersteres schwer zu datieren und letzteres reichlich willkürlich. Vor den Römern waren die Kelten da, und die hatten auch Städte, aber keine schriftlichen Aufzeichnungen.
Die Germanen und andere nomadisierenden Völker gründeten keine Städte. Sie schliefen ja bekanntlich auf Bärenfellen und kampierten in undurchdringlichen Wäldern. Bleiben die Römer. Wann immer sie eine Befestigung zur "Kolonie" erhoben, war dies bestimmt eine Stadt in unserem Sinn, denn eine höhere Weihe gab es nicht. So finden wir die ältesten Städte Deutschlands hauptsächlich entlang des Rheins und anderer Flüsse. Einen Gewinner des Wettbewerbs gibt es aber nicht. So gehören zu den ältesten (noch bestehenden) Städten Trier, Neuss, Kempten, Worms, Augsburg. Aber auch Koblenz, Köln, Mainz, Speyer und Xanthen können ihre Ursprünge auf römische Ansiedlungen zurückführen; sie alle wurden einige Jahrzehnte vor unserer Zeitrechnung gegründet. Ähnliches gilt in Österreich für Salzburg, Bregenz, Wien, St. Pölten, Enns und Zwettl.
In der Zeit der Völkerwanderung, also nach dem Untergang des Römischen Reichs und während des "finsteren" Mittelalters, verwaisten die Städte. Sie wurden im Hochmittelalter neu gegründet, besiedelt, offiziell zu Städten ernannt.
Trotz des Mangels an schriftlichen Überlieferungen gibt es eine Stadt, die ihren Ursprung stolz auf keltische Wurzeln zurückführt: Chur, der Hauptort des Schweizer Kantons Graubünden. Mindestens 5000 Jahre ist sie alt und somit die älteste, kontinuierlich besiedelte Stadt Europas. Allerdings muss sie sich den Ruhm mit der griechischen Stadt Argos teilen, die auch so alt sein soll. Dagegen sind Athen (Griechenland, besiedelt seit ca. 1400 vor unserer Zeitrechnung), Larnaka (Zypern, ca. 1400 v.u.Z.), Cádiz (Spanien, ca. 1100 v.u.Z.) richtig junge Städte.
Gegen Chur verblassen sogar die Städte des alten Mesopotamiens, denn auch eine Stadt wie Babylon (gegründet vor rund 4000 Jahren, zeitweise die größte Stadt der Welt mit 200.000 Einwohnern) liegt schon lange in Ruinen. Auch im alten China kann man nicht allzuweit zurückgehen: Eine der ältesten Städte Chinas ist Luoyang; sie wurde schon während der Jungsteinzeit (vor etwa 7000 Jahren) besiedelt. Im 11. Jahrhundert v.u.Z. wurde sie dann zur Stadt mit Namen Chengzhou. Man sagt, dass Konfuzius in Luoyang studierte und Laozi ebenfalls hier arbeitete.
Bleibt als älteste, noch existierende Stadt Jericho im heutigen Israel/Palästina. Um 10.000 vor unserer Zeitrechnung war sie schon besiedelt, eine Stadtmauer ist ab 8000 v.u.Z. nachweisbar. Durch die wurde sie auch berühmt: Laut biblischem Bericht brachten die Truppen des Joshua sie durch vereinte Trompetenstöße zum Einsturz. Jedenfalls wurden die Mauern tatsächlich gefunden, aber später als Teil eines Staudamms identifiziert.
Aber vielleicht gibt es ja noch viel ältere Städte. Zum Beispiel Atlantis: viel gesucht, oft gefunden, nirgendwo wirklich identifiziert. Ich hab mal davon geträumt, und da dies eine persönliche Kolumne ist, will ich die Leser mit meinen Gedanken nicht verschonen. Sie können den Rest aber überfliegen, falls Sie nur an Sachlichem interessiert sind.

Die Stadt

Zur Stunde, wenn des Tages Lichter schwinden,
Gedankenfetzen sich zum Traum verbinden,
dort, wo die Nebel des Vergessens kauern,
seh ich die Stadt, die halbzerfallnen Mauern.

Die Stadt ist alt, die Mauern rissdurchzogen,
zernagt vom Meer der Zeit, von seinen Wogen,
bedeckt vom Staub der Jahre, überwoben
von Ranken, zugedeckt von grünen Roben.



Die Stadt ist müde, einsam, traumverloren.
Der Wein der Jugend ist schon lang vergoren.
Der Staub deckt alles zu, und vor den Toren
tanzen die Geister, die vom Wind beschworen.

Die Stadt ist leer, verlassen, öde und vergessen.
Die Mauersteine brüchig, windzerfressen.
Ein Denkmal blickt verloren in die Ferne,
in seinen Augen spiegeln sich die Sterne.

Die Stadt ist tot. Kein Zeiger zählt die Stunden.
Des Lebens Lachen ist schon lang entschwunden.
Die Häuser bergen windverwehtes Schweigen
und in den Straßen tanzen Blätter müde Reigen.

Die Stadt liegt sandverschüttet in der Wüste
am Strand der Zeit, an der Erinnrung Küste,
wo leere Hoffnungen vergraben liegen,
im Sand verlorne Träume leis versiegen.

Ich träume oft von ihren weichen Schatten,
Torbögen, Säulengängen, Marmorplatten.
Ich weiß: Die Stadt, sie ist ein ferner Garten,
in dem des Paradieses Wunder warten ...

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