Heißer Herbst in Münster: Der erbitterte Kampf um den Namen des Schlossplatzes

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Heißer Herbst in Münster: Der erbitterte Kampf um den Namen des Schlossplatzes
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Erlebt Paul von Hindenburg eine Renaissance? In Münster, westfälisches Zentrum mit preußisch-administrativer Historie, geht es um den Reichspräsidenten als Namensgeber für den Europa weit zweitgrößten innerstädtischen Platz. Der hieß bislang Hindenburgplatz. Per Ratsbeschluss trägt er seit einigen Wochen den Namen Schlossplatz.

Am 16. September nun entscheiden Münsters Bürger darüber, ob er wieder umbenannt wird – in Hindenburgplatz. Eine Initiative hat mit über 16 000 Unterschriften einen Bürgerentscheid erzwungen. Und im Vorfeld dieser urdemokratischen Willensbekundung wird in Münster erfahrungsgemäß mit harten Bandagen gekämpft.

Geheime Entscheidung über einen öffentlichen Platz

Es hatte zuvor einige Versuche gegeben, dem weitläufigen, zumeist als Parkplatz genutzten Raum vor dem fürstbischöflichen Barockschloss einen neuen Namen zu geben. Ihnen war kein Erfolg beschieden, oder sie verliefen im Sand, bevor nun Anfang des Jahres das Thema mit bürokratischer Wucht und politischem Engagement auf eine neue, Erfolg versprechende Basis gestellt wurde.

Mit Professor Hans-Ulrich Thamer und Professor Alfons Kenkmann waren zwei Wissenschaftler gefunden, die über ihre national anerkannte Arbeit als Neu-Historiker hinaus als Professor am historischen Seminar der Universität Münster (Thamer) und Wissenschaftlicher Leiter des Geschichtsortes Villa ten Hompel in Münster (Kenkmann) auch über Kenntnis der lokalen Geschichte verfügen. Ihr Urteil war klar: Aufgrund der fragwürdigen Rolle Hindenburgs in der Weimarer Republik (Steigbügelhalter Hitlers) sei eine Um- bzw. Neubenennung des Platzes eine historische und moralische Pflicht. Dieser Ansicht schloss sich der größte Teil des Rates der Stadt Münster an.

In der geheimen Wahl am 21. März fiel das Ergebnis mit 53 zu 23 zwar klar für die Umbenennung aus, dennoch erstaunte die doch deutliche Zahl der Gegenstimmen. Sie dürfte aus Reihen der CDU gekommen sein. Denn alle anderen Parteien hatten sich im Vorfeld gegen die Beibehaltung des Namens Hindenburg ausgesprochen. Die Gegenstimmen stehen auch für den erklärten Willen einer Strömung in der münsterschen Bürgerschaft, die sich gegen den endgültigen Abschied des letzten demokratisch gewählten Reichspräsidenten als Namengeber eines markanten Platzes wehren.

Dazu gehören nicht nur jene stets national gefühlten Stimmen in Erinnerung eines nur noch geschichtlichen Preußentums. Hier sammeln sich auch Bedenkenträger, die eine allzu plakative Forderung nach „political correctness" entdeckt haben wollen und die eine Beurteilung geschichtlicher Personen und deren Taten allein aus heutiger Sicht beklagen. Ihre Hinweise z.B. auf erklärende Straßen-Schilder zur Rolle Hindenburgs blieben ungehört.

Die Kontrahenten sammeln ihre Bataillone

Auch die Bemühungen der Stadt Münster, die geschichtliche Entwicklung Anfang der 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts und der dort so entscheidenden Rolle Hindenburgs im Vorfeld des Ratsbeschlusses zu erläutern, hinterließen bei manchem Bürger ein eher unangenehmes Gefühl. Die Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?! – Straßennamen in Münster" empfanden viele Besucher als einseitig.

Die Fronten sind klar. Die Initiativen Für und Gegen Beibehaltung Schlossplatz, Für und Gegen neue Altbenennung Hindenburgplatz sammeln ihre Bataillone. Zwei Prominente haben sich bereits entschieden. Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) hatte sich früh als Befürworter der Umbenennung in Schlossplatz positioniert. Wie er befürchtet sein Parteifreund, der heimische Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Auswärtigen Bundestagsausschusses, Ruprecht Polenz, dass die Stadt Schaden leiden könnte, wenn Parkplatz suchende Gäste erneut nach dem „Hindenburgplatz" Ausschau halten müssen.

Bis zum 16. September wird nun wieder auf allen denkbaren Foren mit den altbekannten Argumenten konfrontiert werden. Die heiße Phase startet dann in den drei Wochen davor. Jetzt kommen erst einmal die Sommerferien.

 

Bild: Hans-Hinrich-Timm

2 Kommentare

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Eine sehr fragwürdige Debatte - vor allem vor dem Hintergrund, dass für das Bürgerbegehren über 300.000€ (!) ausgegeben werden mussten.
Ein Betrag, der auch mit der oft gehörten Begründung "Demokratie gibt es nicht umsonst" jegliche Verhältnismäßigkeit sprengt.

Interessant auch, dass der Universitätsname dieser Stadt "Westfälische Wilhelms Universität" ist - Wer Hindenburg von Straßenschildern verbannen will, der muss eine Universität, die nach Kaiser Wilhelm II benannt ist, auf schnellstem Wege schließen.

Hindenburg ist eine bedeutende Person deutscher Geschichte, und wer sich in der Innenstadt nach dieser umhört, wird fatale Wissenslücken entdecken.
Eine historische Namensgebung zu belassen (seit 1927 Hindenburgplatz) bedeutet auch, Geschichte in den Alltag zu bringen, und im besten Falle Interesse zu wecken -
in keinem Falle ist sie eine bedingungslose Ehrung.

Den Platz nun völlig unpolitisch in das zu benennen, was er ist -der Platz vorm Schloß- ist denkbar unglücklich.
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Vielleicht sollten einfach alle Strassen nach irgendwelchen Wiedertäufern benannt werden... Die waren auch alle ein bisschen durcheinander und im Zweifel ist es lang genug her, als dass sich die aktuellen Politiker noch an irgendwelche Details halten und/oder erinnern müssten...
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