Blick zurück mit einem Lächeln


Wenn ich an liebe Menschen denke, die längst verstorben sind, fallen mir oft, auch wenn ich traurig bin, sie betreffende Begebenheiten ein, die mich breit grinsen oder sogar laut lachen lassen.
Meine Oma z.B., haute uns ratzfatz eins mit dem eklig nassen Spüllappen um die Ohren, wenn wir nicht abtrocknen wollten. Ihre hinreißenden Schimpftiraden mit dem unverwechselbaren ostpreußischen Akzent, bekomme ich nie mehr aus dem Ohr.
Mein Papa ließ uns als Kinder an seinem Zeigefinger ziehen, um dann zu unserer großen Freude, laut zu furzen. Als er dies einige Jahre später, ich muss um die 17 gewesen sein, spontan mit meiner Schickimicki-Schulfreundin machte, bin ich vor Scham fast in Ohnmacht gefallen. Seine freundliche an sie gerichtete Aufforderung : "Jasmin, zieh' mal", hatte ich zu spät richtig gedeutet.
Meine Mama verbot uns Kindern ausdrücklich das Halten eines Hamsters. Somit kamen wir auf die Idee, stattdessen ihr einen zum Geburtstag zu schenken. Wegen seines einsamen Blicks, kauften wir vom Taschengeld einen vermeintlichen Kameraden, mit dem er sich im Versteck auf dem Dachboden dann ausschweifend fortpflanzte, bis das Fest gekommen war. Der fassungslose Blick meiner Mama auf die fröhlich wimmelnde Hamstertruppe in einer Zinkwanne vom Sperrmüll, unbezahlbar.

Auf diese Weise erinnere ich mich besonders gerne an "meine" Toten. Trotzdem sie nicht mehr da sind, fühlt es für mich so an, als seien sie für einen ausgelassenen Moment wieder sehr lebendig.

KategoriePersönliches

147 Kommentare

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ja, solche Momente lassen unsere "Toten" wieder aufleben..
und Du hast mir mit Deinem Hamster eine eigene Geschichte in Erinnerung gerufen..
ich hatte als kleines Kind ein wenig Angst vor dem Keller, insbesondere, wenn ich spät am Abend in den Keller gehen und Getränke hoch holen sollte..
ich hatte als Kind den Wunsch, eine Ratte oder eine Maus halten zu dürfen..
meine Mutter wunderte sich, dass ich plötzlich zu gerne in den Keller ging und schlich mir hinterher.. ja, da hatte ich von meinem Taschengeld eine Maus mit Käfig und allem drum und dran gekauft..
das Schönste war, ich durfte sie dann mit in die Wohnung in mein Zimmer nehmen.. und Mutti war, nachdem sie sie gesehen hatte, gar nicht mehr so abgeneigt..
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Ach ja, dass geht mir ganz genau so.
Mein Mann kann so herrlich meinen Stiefvater nachahmen, dann lachen wir morgens schon am Frühstückstisch. Und auch sonst fallen mir täglich Schmunzelgeschichten ein, auch sehr oft von Menschen die ich betreut hatte.
find ich schön...

meine Oma hat wenn sie sich aufgeregt hat, immer "also nei, nei, nei " (nicht wie ei gesprochen, sondern mit Betonung auf dem e) gerufen...das mach ich manchmal nach, um meinen kindern zu zeigen, wie speziell ihre Uroma war, die sie nie kennengelernt haben...und enn sie dann lachen, nicht auslachen, freu ich mich...
Ich kenne diese Art zu sprechen, genauso redete der Stiefvater. nu gib mer mol die Putter riba (Butter)
Ostpreußen halt ... meine Schwiegermutter kam aus Böhmen...
Wenn die Schwestern meines Mannes zu Besuch kommen geht mein Mann vor die Tür und ruft..."schnell, dou de Wäsch rej, dej Umgeher (Bettler?) sejn do"....
Was jedes mal Gelächter hervor ruft. Er hat Talent dafür...und ja, für diesen Moment hat man diese Menschen lebendig vor Augen.
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Wunderschöne Notiz und ebensolche Kommentare
Tolle wl Momente
Dankeschön...
Sehr gerne Rose
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Köstlich. Lese noch einmal meine Lebenserinnerungen und werde sie diesbezüglich ergänzen.
gut, mach das...sowas darf nicht fehlen !...
Vorsichtshalber mache ich das nur bei den im Himmel.
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ich liebe deine Geschichten das mit dem Spüllappen kenn ich auch.....lach
cool, weiter unten ist noch ein lappenopfer...

Lappenopfer !
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Dankeschön!
Deine Geschichte öffnete mir das Fenster der Erinnerungen.
Ich lasse sie gerade in großer Fülle und sehr lebendig, vor meinem geistigen Auge Revue passieren, abwechselnd von Lächeln, Lachen und Tränen, aber auch von tiefer Dankbarkeit begleitet.
Dank Dir, wurde es doch noch ein schöner Tag!
oh Eberhard, das ist aber schön...
Noch einmal ganz lichen Dank für Deine Notiz.

Die Freuden des Geistes sind Heilmittel
gegen die Wunden des Herzens.
- Germaine Madame de Stael -
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Alice weisst du was ich wundervoll finde...wie harmonisch,liebevoll und mit viel Respekt die User auf deinen Thread antworten....das tut unglaublich gut...
Genau sooo stell ich mir eine Plattform vor!!!👍
Ich habe mir seit langem hier abgewöhnt ,mich an Notizen zu beteiligen...sie arten meisst in Missstimmung aus....das kann doch nicht im Sinne der User sein...



DANKE 🙏😊
es gibt hier zuviel Verbissenheit und zu wenig Leichtigkeit...das verhindert den blick auf wesentliches und viel schöneres...
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Sehr lebendig ge- und beschrieben.
Toll, wenn man solche Erinnerungen hat, die kann einem niemand nehmen.
Wenn ich mit meinen pubertierenden Kindern mal wieder eine Diskussion hatte (von wegen: viel zu streng!) und mir gerade der Kragen platzen wollte, erinnerte ich mich oft an einen Spruch meiner Großmutter, den sie meiner Mutter in gleicher Situation oft sagte: "Oooch, nu lott datt Kind doch, mer waren doch ooch mal jung!"

Danke für die Erinnerung!
meine große tochter ist grad in der Pubertät und genauso unordentlich und faul, wie ich damals...
harter tobak für mich heute...
Meine Mutter hat mal, nach etlichen erfolglosen Aufforderungen ihrerseits, einfach das Fenster aufgemacht und alle herumliegenden Klamotten (Kleidung, Bücher, Kasetten ....) rausgeschmissen. Die durfte ich dann alle wieder aus dem Vorgarten aufklauben ... unter dem hämischen Grinsen der Nachbarinnen

Das habe ich meinen Kindern auch immer wieder mal angedroht ... aber nie gemacht ..
doch, oh Wunder ... seit sie einen eigenen Haushalt haben, klappt das mit der Ordnung von ganz allein
na toll...bis sie erwachsen ist, bin ich schon halbtot...das aufmüpfige ding ist ab märz grad mal 14...und zwei weitere von der sorte folgen noch...die jüngste wird erst in sieben jahren zum Teenie...
Was sagt dazu der Erziehungsberater:
"Ruhe bewahren ..... es wird schlimmer!"
ach du schxxxe...
die wirkungslose Drohung mit dem Müllsack kenn ich auch...sie entlockt meinen kindern nur ein müdes grinsen...

aber deine story ist klasse...
das typische heimlichmüllsäckezerschneidergesicht...
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Meine ostpreussische Grossmutter war genauso. Wenn sie wütend war half nur noch flüchten denn sie schlug mit allem zu, was ihr in die Finger kam.

Danke für die schöne Geschichte.
das meissner Porzellan wird es euch kindern gedankt haben...
Porzellan zerschlug sie nie, das war zu schade für uns Blagen aber gerne mit Putzlappen und Ofenholz
boah, ofenholz klingt brutal...
Ja sie hatte eine unbändige Wut in sich....zum Glück waren wir Kinder schneller und sie traf nicht.
gut...mit harten Gegenständen zuhauen ist ja auch ziemlich grenzwertig...
Als ich Kind war, nahm man das nicht so eng. Wenn der Lehrer mich geschlagen hatte, sagte Oma nur " er wird schon seinen Grund gehabt haben".
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