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Auto-Spleen oder wahre Liebe: Wenn in der Heckscheibe Dackel-Waldi mit Wacke ...

Auto-Spleen oder wahre Liebe: Wenn in der Heckscheibe Dackel-Waldi mit Wackel-Elvis tanzt

Wolfgang Stegers
07.02.2014, 18:39 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Ich weiß ja nicht, wer überhaupt je seine umhäkelte Klorolle aus der rechten Ecke der Heckscheibe genommen und sie benutzt hat. So vergilbt wie die Wolle aussah, kann nicht auf häufigen Gebrauch geschlossen werden. Aber der Fuchsschwanz an der Heckantenne der Opel Mantafahrer ist eindeutig als Beuteobjekt erfolgreicher Jagd zu betrachten. Und er beginnt auch noch heftig zu vibrieren, wenn der sich im Pilotensitz lümmelnde Fahrer mit heftigen Gasschüben das Grün der Ampel für den Kavaliersstart nicht erwarten kann. Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring wird der Fuchsschwanz-Manta von seinen Fans heute noch stürmisch bejubelt, nicht nur wenn Volker Stryceck hinter dem Steuer durch die Fuchsröhre jagt.

Wahre Liebe zum Automobil

Ja früher, da hat es immer wieder wechselnde Moden gegeben, wie man Auto „verschönern“, ihm ein individuelles Accessoire anhängen und sich zu seinem Gefährt bekennen konnte. Das konnte nur Liebe sein. Fast immer, um auch gut sichtbar zu sein, prangte prangt der Schmuck nicht vorn am Kühler sondern hinten, am Heck. Die hinter einem Stehenden oder Fahrenden sollten es auch gut sehen und wahrnehmen können, wenn Waldi nickt, die Klorolle grüßt und der Shell-Atlas vergilbt.

Die Galionsfiguren auf dem Kühlergrill

Ganz anders die Autofirmen. Sie montierten ihr Logo auf den Kühler als eine Art Galionsfigur. Vom fliegenden Pfeil zum funkelnden Stern, von der Lalique-Glasfigur bis zur Windsbraut Emily, die Formgeber der Vorkriegsautos haben sich viel Mühe gemacht und Liebe zum künstlerischen Detail bewiesen. Aber was ist mit den Nachkriegsautos aus dem letzten Jahrhundert? Wenig, bis auf die Blumenvase im Käfer und im Beetle-Revival nicht mehr reüssierte.

Tinnef und Tand auf der Hutablage

Nun mussten die stolzen Besitzer Hand angelegen. Vom Biedermeierkissen bis zum Bekenntnisbutton konnten sie sich richtig austoben. Sicher erinnern sich mancher Leser noch an den Tinneff und Tand, der in den Fahrzeugen ausgestellt war. Zwischen Kitsch und Kult schaukelt sich da manches hoch. Sportcoupé oder Shicenkarre, die Maskottchen treffen manchen Nerv. War doch Waldi bei den olympischen Spielen in München dabei und wird den gemütlichen Baiern doch der Wastl, wie er im Tegernseer Bräustüberl so brav dem Pfeifen seines biermächtigen Herrchens folgt, von den Gästen geliebt.

Die Aufkleber mit den Kusslippen

Dackel und Klorolle finden auf der Hutablage Platz. Auch das schon ein bemerkenswerter Ausdruck, ist doch der Mann mit Hut am Steuer so etwas von gestrig, wie die Pilotin mit den durchlöcherten Autofahrerhandschuhen. Hutablage passt treffend zum Kotflügel, vor dem sich keiner mehr fürchten muss, auch wenn die heutigen Straßen wieder den Zustand der damaligen Zeit anzunehmen scheinen. Aus den bekenntnisreichen Zeiten der 60er und 70er Jahre stammen natürlich die Aufkleber für Alles und gegen Nichts. Die politischen Parteien warben ebenso damit wie wie Dumm-Sprüch-Beutel. Heute findet man etwas diskreter, aber gleichwohl bekennend die Sylt- und Kitzbühelfans umherfahren, Tirol lässt grüßen und haben die Kusslippen aus Bonn längst abgelöst.

Elvis, the Pelvis

War der Fuchsschwanz in sechziger Jahren angesagt, der Dackel eine Dekade später kam Elvis, the Pelvis mit seiner kreisenden Hüfte ganz groß Anfang der Jahrtausendwende heraus. Ursprünglich in einem Werbevideo für das ruckelfreie, stufenlose Automatikgetriebe von Audi präsentiert, tanzte Elvis fortan auf vielen Hochzeiten in den verschiedensten Automodellen. Übrigens Elvis ist wieder als Frischware zum Preis von 9,90 Euro bei Ebay eingetroffen.

2 Kommentare

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Wolfgang Stegers
Wackel-Dackel, Elvis, Christophorus-Plakette ist ja nicht, wenn man sich anschaut, was fernöstliche Lkw-Lenker alles in ihr Auto hängen. Das ist ja ein wahrer Glitzer-Tannenbaum an Lametta, Göttern, Heiligen, Allumette, Maskottchen Talismanen
  • 17.02.2014, 09:08 Uhr
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...ich habe einen winzig kleinen Wackeldackel vorne auf der Beifahrerseite. Wenn ein Beifahrer (meist männlich) an meinem Fahrstil nörgelt, sage ich einfach er soll sich ein Beispiel an ihm nehmen: wie immer ich auch fahre- er nickt zu allem! Und schon ist Ruhe im Auto!
  • 13.02.2014, 10:22 Uhr
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