Antreten zum Familienfoto der G- und Melasse. Vorn jüngstes Mitglied, der GL ...
Antreten zum Familienfoto der G- und Melasse. Vorn jüngstes Mitglied, der GLAFoto-Quelle: Mercedes/seniorbook

Mercedes GLA – wo bleibt das „G-ige“ beim kleinsten SUV?

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Jahrelang galt für SUV-Modelle: The bigger, the better. Die Dinosaurier auf den Boulevards und Straßen konnten nicht groß genug sein. Und jetzt will der neue SUV der A-Klasse alles anders machen. Der Sport Utility Van der Mercedes A-Klasse wirkt kaum größer als die Kompaktlimousine, ähnlich wie bei den Allroad-Varianten von Audi scheint das ganze Fahrzeug aufgebockt und mit einem Allradantrieb bestückt zu sein.

Aber weder ist der GLA nur eine höher gestellte A-Klasse, noch ausschließlich ein Allradler. Wie mittlerweile in diesem Fahrzeugsegment üblich, wird der Großteil dieser Wagen mit einem herkömmlichen Frontantrieb verkauft. Wo bleibt denn da noch das „G-ige“ der Mercedes-Geländelinie?

Der Methusalem G-Klasse

Am Anfang war die G-Klasse bei Mercedes. Jener 35 Jahre alte Methusalem in der Modellpalette und von Offroad-Enthusiasten wie Militärs höchst geschätzte Alleskönner, teilt sich mit dem Defender von Land Rover den Ruf des Urgesteins unter den Geländewagen zu sein. Das „G“ im Namen durften dann noch der GLK und der GL tragen, während es der M-Klasse, der gleichwohl das Waten in Bächen und Kraxeln über Stock und Stein anerzogen wurde, sich damit nicht schmücken darf. Mag sein, dass den Verantwortlichen damit eine ähnliche Fehleinschätzung der Fans und Kunden unterlaufen ist, wie damals den Porsche-Mannen. Sie hatten den 928 als legitimen Nachfolger des Porsche 911 auserkoren. Aber der ewig junge Elfer schickte den 928 aufs Altenteil und bei Mercedes ist das G-Modell putzmunter.

Hohe Fahrdynamik

Nun ist die G-Familie um den Kleinen gewachsen und darf ich daher auch einige Sperenzchen erlauben. So ist sein Allradantrieb nur dann einer, wenn es die Situation erfordert. Wird auf der Autobahn mit Tempo 120 gerollt oder stellt der Stadtverkehr keine fahrdynamischen Ansprüche, bleiben die hinteren Räder ausgeklinkt. Ausschließlich die vorderen übertragen die Kraft des Motors auf den Asphalt.
Erst wenn die Vorderräder mit Antrieb und Lenkung sowie einer weiteren Vielzahl an Faktoren beschäftigt sind, unterstützen die Hinterräder den Vortrieb.

Allrad auf Anfrage

So können sie bis zu 50 Prozent der Antriebsleistung übernehmen. Pausenlos überwachen Sensoren die “Gemütslage“ des Fahrzeugs und geben Meldung an die Computerzentrale, die dann das bestmögliche Fahrprogramm wählt. Klingt kompliziert, ist kompliziert, aber nutzt dem Fahrer, der davon nichts spürt – außer, er merkt, wie leicht und sicher er durch Schnee und über lockeren Untergrund fährt,

Elektronik bestimmt

Dieser elektronische Allrad-Anbtrieb ist natürlich mit dem mechanischen einer Original G-Klasse nicht zu vergleichen. Denn vor dem das Hardcore-Gelände muss er kapitulieren. Vielmehr geht es dem GLA um die Fahrdynamik auf normalen Straßen. Mittlerweile sind die PS-Zahlen derart gestiegen, dass die Vorderräder allein die Motorkraft nicht mehr verkraften. Elektronik muss sie einbremsen – beim Anfahren, in Kurven, bei heftigem Beschleunigen. Das gilt natürlich vor allem dann, wenn in der AMG-Version des GLA unter der Haube der 360 PS Vierzylindermotor mit doppelter Turboaufladung werkelt.

Ein Kompakter mit Raumgefühl

Bleibt die Frage, wo steht der GLA, der SUV in der Kompaktklasse? Im Vergleich zu den herkömmlichen SUVs fehlt es ihm an der imposanten, bisweilen beängstigend auftretender Statur; beim Einsteigen muss er nicht geentert werden und auch die Sitzposition gleicht bei weitem nicht mehr dem Kommandostand eines SUV-Dampfers. Mit der sehr großzügigen Höhenverstellung lassen sich die vorderen Sitze weit nach oben und unten fahren. Je nach Gusto thront man über dem Verkehr, oder kauert muldenartig tief, mit der wuchtig erscheinenden Armaturentafel vor Augen.

Mehr M- als G-Klasse

Die Gründe weshalb der kompakte GLA so wenig suv-artig ausgefallen ist, rührt auch daher, dass mit einem weltmeisterlichen cw-Wert von 0,29 das Spritsaufen gezügelt, die Agilität verbessert und das schlechte Image der ach so beliebten SUVs verbessert wird. Auch die Charakterstärke eines G wird er nie erreichen. So ist der GLA mehr ein MLA mit allen Vorteilen seines Stammes. Das Gelände-Gen wurde ihm nicht eingeimpft, es ist mehr ein M. M wie Mountain.