Kfz-Versicherer arbeiten an ganz neuen Prämienmodellen
Kfz-Versicherer arbeiten an ganz neuen PrämienmodellenFoto-Quelle: Allianz/seniorbook

Überwacht, kontrolliert, verfolgt: Revolution der Kfz-Versicherung

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Am Ende wollen alle nur unser Bestes. Wer keine Unfälle baut, baut sich Freiheitsrabatte auf. Wer über eine abgeschlossene Garage verfügt, muss weniger zahlen. Wer wenig fährt, erhält einen größeren Abschlag. Aus der allgemeinen Kfz-Versicherung ist ein maßgeschneidertes Produkt geworden, das so individuell ist wie die Ausstattung eines Autos mit der endlosen Liste an Sonderausstattung.

Der Einbau ist freiwillig

Jetzt denkt die Branche der Kfz-Versicherer darüber nach, mit einem ganz neuen Angebot, Beiträge zu senken und Autofahrer mit ermäßigten Prämien zu locken. Preis des Rabatts ist der totale Datenstriptease. Lohn, ein paar Prozentpunkte Ermäßigung. Die Kunden aber geben mehr über sich und ihr Verhalten im Straßenverkehr preis, als ihnen vielleicht lieb ist. Keine Fahrt bleibt mehr unbeobachtet, wenn sich die Autofahrer eine Telemetrie freiwillig einbauen lassen.

Der Fahrstil wird benotet

Es ist kein kleines schwarzes Kästchen, das den Fahrer überwacht. In ihm werden Daten gespeichert, die der Versicherung sagen, wie gefahren wurde. Anders ausgedrückt, du zahlst wie du fährst. Da gibt es Benotungen über den Fahrstil, spürbare Folgen inklusive. Wer auf freien, nicht Tempo begrenzten Autobahnen schnell fährt, zahlt mehr. Wer öfter hart bremst, wird ebenso erfasst, wie vorsichtige, langsame Fahrer. Mit diesen Schablonen sollen Rowdys erkannt und alle zu vorbildlichen Autofahrern erzogen werden. Bestrafen und belohnen ist die Devise der Versicherer.

Ein großes Erziehungsprogramm

Der gläserne Autofahrer ist geschaffen. Gleichzeitig startet auf diese Weise ein Erziehungsprogramm zum angepassten Fahrer. Er hält peinlichst alle Regeln ein und praktiziert einen genormten Fahrstil. Entweder fährt er bereits auf dieser Weise in gewünschter Manier, weil er um den Spion im Auto weiß, der alle seine Fahrten überwacht. Oder er bekommt es mit der Rechnung der Versicherung zu spüren.

Fünf Prozent Ermäßigung

Seit Anfang des Jahres bietet eine Versicherung versuchsweise gegen eine Ermäßigung von 5 Prozent der Versicherungsprämie, wenn sich die Kunden die Blackbox ins Auto einbauen lassen. Ist die Box installiert, sendet sie während der Fahrt alle 20 Sekunden ein Datentelegramm an ein Rechenzentrum in London. Hier ist der Kunde zwar nicht bekannt, aber über die persönliche Identifikationsnummer der Versicherung daheim schon. So wie die Verbindungsdaten des Handys gespeichert werden, so geschieht es auch mit den Fahrdaten. Nur sind weitaus mehr Daten gespeichert, so al ob, das Telefongespräch aufgezeichnet worden wäre.

Der ideale Fahrer hat 100 Punkte

Einmal pro Monat vergibt das Rechenzentrum einen so genannten Score. Er wird von 100 Punkten herunter gerechnet. Abzüge gibt es für auffälliges Verhalten, wie sehr schnelles Fahren, hartes Bremsen, starkes Beschleunigen. Auch werden mathematische Verknüpfungen erstellt, aus denen formelhaft auf risikobehaftetes, unfallreiches Fahren geschlossen wird. Nachtfahrer erhalten ebenso Abzüge wie es solche für Stadtfahrten gibt. Sie mit einem höheren Risiko bewertet als Landpartien. Bei wem das geringste Risiko mitfährt, der erhält die höchst Punktzahl.

Bei dieser Grenzwertbetrachtung ist der Versicherung liebste Autofahrer, der die Prämie zahlt, aber nicht fährt. Der „beste“ Autofahrer hingegen kann leicht tief in Malus fallen.

Frauen die besseren Autofahrer?

Mag die Blackbox für die Versicherungen noch ein interessantes Projekt sein, so können die möglichen Auswirkungen erschreckend sein. Natürlich werden sich die ohnehin vorsichtigen Autofahrer eher eine solche eine Box zulegen als ein gestresster Vielfahrer. Aber was ist, wenn aus einem tiefen Misstrauen heraus Autofahrer diese Überwachung verweigern?

Werden sie vielleicht nicht mehr in die Versicherung aufgenommen, weil eines Tages die Box Pflicht ist? Ist die Black Box ähnlich wie die Rundfunkabgabe eine Steuer, ein Zwang, auch wenn kein TV gesehen und nur Radio gehört wird – oder vielleicht gar beides nicht? Und wird vielleicht auch herausstellen, dass Frauen die besseren Autofahrer sind und sie mit ihrem Blackbox-Tarif dann deutlich weniger zahlen als Männer?