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Soll auch alkoholisierten Füßgängern der Führerschein entzogen werden?
Soll auch alkoholisierten Füßgängern der Führerschein entzogen werden?Foto-Quelle: © Václav Mach - www.Fotolia.com

Wie hätten Sie entschieden: Führerscheinentzug auch für Fußgänger?

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Wer Alkohol trinkt und von der Polizei erwischt wird, riskiert seinen Führerschein. Was unglaublich klingt, ist aber Realität. Bei 1,6 Promille heißt es, ab zum Depperltest. Das Recht auf den Rausch nur noch in den eigenen vier Wänden?

1,6 Promille Alkohol im Blut, okay, dafür muss Mann/Frau ordentlich trinken. Aber es reicht seinen Führerschein verlieren. Hintergrund ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts Mainz (Az.: 3 L 823/12.MZ), welches von immer mehr Straßenverkehrsämtern in Deutschland angewendet wird: Stellt die Polizei einen Alkoholwert von mehr als 1,6 Promille fest, muss sich der Betroffene einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) unterziehen – auch wenn er das Auto vorsorglich stehen gelassen hat. Besteht er die Prüfung nicht, droht automatisch der Entzug der Fahrerlaubnis.

MPU: Jeder Dritte fällt durch


Basis des Urteils war die Festnahme eines randalierenden Mannes: Obwohl es keine erkennbare Absicht oder Möglichkeit für den Mann gab, sich hinter das Steuer eines Fahrzeugs zu setzen, wurde ein Bluttest vorgenommen, dessen Resultat weit über der 1,6 Promillegrenze lag. Die Folge: Der Mann musste sich einer MPU unterziehen – bei Nichtbestehen des Tests wäre seine Fahrerlaubnis entzogen worden. Besonders problematisch: MPUs haben eine Durchfallquote von mehr als 33 Prozent.

Entsprechend kommt das Mainzer Urteil einem automatischen Führerscheinentzug von mehr als einem Drittel der Betroffenen gleich. Doch auch bei Bestehen der MPU ist der Schaden groß: Für die Untersuchung werden zwischen 340 und 740 Euro fällig, die es aus eigener Tasche zu zahlen gilt.

Bei 1,6 Promille alkoholabhängig?


Das Mainzer Gericht weist in seinem Urteil auf wissenschaftliche Erkenntnisse hin, nach denen mehr als 1,6 Promille Alkoholgehalt im Blut ein Anzeichen für eine überdurchschnittliche Alkoholgewöhnung sei. Entsprechend sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Betroffene künftig unter Alkoholeinfluss ein Fahrzeug führe.

Aus Sicht von Anwälten wie Mathias Voigt vom Verband für bürgernahe Verkehrspolitik (VFBV) ein nicht nachvollziehbarer Rückschluss: „1,6 Promille entsprechen etwa 1,5 Litern Wein oder fünf großen Gläsern Pils mal zusammen. Definitiv zu viel, um sich hinter das Steuer eines Fahrzeugs zu setzen, aber ebenso wenig Anlass für eine solche haltlose Generalisierung.“

Und wie entscheiden Sie? Sollen etwa die Oktoberfestbesucher um ihren Führerschein fürchten müssen, wenn sie ein Taxi suchen oder auf dem Weg zur Tram in einen Alkoholkontrolle kommen? Und gab es da nicht einen Bayerischen Ministerpräsidenten, der 3 Maß Bier als „bayernüblich“ bezeichnete?

So errechne ich meinen Alkoholwert


Wer seinen Alkoholwert im Blut rein rechnerisch erfahren will, kann die so genannte Widmark’sche Formel anwenden. Hier wird das Gewicht der Alkoholmenge durch das Körpergewicht und einen Reduktionsfaktor in Beziehung gebracht. Bei Männern beträgt er 0,7, bei Frauen 0,6.
Danach kommt ein 90 Kilo schwerer Mann nach einen halben Liter 12 prozentigen Weins auf 0,76 Promille. Die Rechnung dahinter: Die Alkoholmenge bezieht sich auf einen Liter, wird mit 8 multipliziert und ergibt bei 12 Prozent 96. Ein halber Liter also 48. Die Zahl 48 wird durch das reduzierte Körpergewicht beim Mann geteilt. 90 Kilo dividiert durch 0,7 ergibt 63. 48 dividiert durch 63 ergibt 0,76 Promille.
Formel: Alkoholmenge dividiert durch reduziertes Körpergewicht.
Beispiel: 48 : (90 x 0,7) = 0,76

Aber Achtung, die Widmark’sche Formel ist lediglich die theoretisch höchste Blutalkoholkonzentration im Blut und wird im Laufe der Zeit ständig abgebaut.