Ein paar Zentimeter gehen noch. Rückfahrkamera schützt vor Parkremplern am A ...
Ein paar Zentimeter gehen noch. Rückfahrkamera schützt vor Parkremplern am Auto und Hexenschuss im RückenFoto-Quelle: Toyota/seniorbook

Warum eigentlich ... sind Rückfahrkameras im Auto nicht Pflicht?

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Wer öfter einen Anhänger einspannt, sich in enge Parklücken quälen muss oder sich nicht mehr so leicht beim Blick nach hinten aus dem Sitz drehen kann, der mag auf die Rückfahrkamera nicht verzichten. Aber sie kann noch mehr und ist jetzt in Amerika vorgeschrieben.

Manchmal sind es ja die kleinen, unscheinbaren Details, die große Wirkung entfalten. Als ich meinen Freund beim Kauf eines neuen Wagen beraten sollte – für ihn stand außer Frage, es musste ein kompakter SUV sein, „allein wegen der besseren Übersichtlichkeit, des bequemeren Einsteigens und der aufrechten Sitzposition“ wie er sagte -, kam auch das Thema Parksensoren auf. Deren Gepiepse hilft sehr, frei von Remplern sich in enge Parklücken zu zwängen. Gerade die Front profitiert davon.

Hexenschuss beim Blick zurück


Ich habe auch versucht, ihn von den Vorteilen der Rückfahrkamera zu überzeugen. Denn gerade das für den Blick nach hinten notwendige Umdrehen des Oberkörpers fällt weg oder ist nicht mehr so extrem. So mancher hat sich da einen Hexenschuss oder eine Zerrung geholt. Entspannt den Blick nach vorn auf das Display gerichtet, sieht man genau, wie viel Platz noch zum hinteren Fahrzeug bleibt. Auch zeigen bei manchen Modellen eingezeichnete Pfeile den Lenkradeinschlag ein, um ohne Rangieren einzuparken.

Hunderte Todesfälle durch Rückwärtsfahren


Aber es geht nicht nur um das sichere Einparken oder das leichte Andocken der Anhängerkupplung mit Hilfe der Farbkamera und ihren gestochen scharfen Bildern. Es geht auch um mehr Sicherheit. Nach Angaben der amerikanischen Verkehrsaufsichtsbehörde NHTSA gibt es in den USA jährlich rund 210 Todesfälle und 15.000 Verletzte durch Unfälle beim Rückwärtsfahren. Rund ein Drittel sind Kinder unter 5 Jahren. Oft geschehen diese Unfälle sogar auf dem eigenen Grundstück, etwa beim Herausfahren aus der Garage.

Kosten rund 100 Euro


Daher wurde bereits vor sieben Jahren ein Gesetz verabschiedet, das Rückfahrkameras bei Neuwagen zur Pflicht macht. Wenn auch diese Regelung ursprünglich in diesem Jahr greifen sollte, wurde sie nach dem Einwand der Hersteller wegen zu hoher Kosten auf die Jahre 2016 bis 2018 verschoben. Die Behörde schätzt, dass solche System 132 bis 142 Dollar kosten, also etwa 100 Euro ausmachen.

Aber auch ohne diese Vorschrift werden heute immer mehr Fahrzeuge mit Bildschirmen und Videokameras ausgestattet. Begonnen hat es mit den Navigationssystemen und mittlerweile sind mit dem Einzug des Internets und der Vernetzung mit dem eigenen Smartphone im Auto diese Multimediaschirme nicht mehr wegzudenken. Da ist die zusätzliche knopfgroße Videokamera am Heck finanziell ein Klacks. Auch ist die Entwicklung bei den Neufahrzeugen bereits weiter. Die 360-Grad-Rundumsicht wird nicht nur bei Geländefahrzeugen wie dem Range Rover angeboten, auch Mercedes hat sich etwa bei der neuen C-Klasse eingeführt. Keine Frage mehr Modelle weiterer Hersteller folgen.

Rückspiegel durch Videokameras ersetzen


Aber die Hersteller wollen noch mehr. Seit langem schon ärgern sie sich über die weit ausladenden Rückspiegel, bei den SUVs Elefantenohren genannt. Sie mindern die Windschlüpfigkeit, erhöhen den Verbrauch, beanspruchen Platz. Dass sie durch seitliche Kamers ersetzt werden können, ist keine Frage. Dem Einliter-Volkswagen XL 1 sind sie ausnahmsweise genehmigt worden. Bei der Ausnahme muss es ja nicht bleiben.