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Verschärfung des Punktekatalogs: Und schwupp ist der Führerschein weg

Verschärfung des Punktekatalogs: Und schwupp ist der Führerschein weg

Wolfgang Stegers
28.04.2014, 16:55 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Bringen wir es auf den Punkt: 8 zu 18 heißt die neue Regelung des Punktekatalogs für Autofahrer. War früher mit 18 Punkten der Führerschein weg, genügen heute 8. Der Verschärfungsfaktor beträgt 2,25. Wer achtmal am Steuer mit dem Handy in der Hand telefoniert, ist den Lappen los. Aber das ist noch lang nicht alles.

Es sollte alles einfacher und transparenter werden. Verkehrsminister Peter Ramsauer wollte den Punkte-Urwald durchforsten und auslichten. Sofort schwoll der Protest an. Raser hätten nun freie Fahrt. Rowdys am Steuer würden geschont. Jetzt, da zum 1. Mai die Punktereform greift, reiben sich viele Autofahrer verwundert die Augen. Anstelle von Nachsicht ist härtere Zucht angesagt. Experten prophezeien, die Zahl der Führerscheinentzüge werde deutlich steigen. Mit jährlich mehr als 500 (über 10 Prozent) Entzügen wird gerechnet. Denn: Die Vorschriften sind überaus rigide.

Acht Mal mit Handy erwischt


Ein einfaches wie schlagendes Beispiel. Wer mit dem Handy am Steuer erwischt wird, muss neben dem Bußgeld auch noch mit einem Punkt in der Flensburger Kartei büßen. Lässt er sich wegen dieser Ordnungswidrigkeit innerhalb von zweieinhalb Jahren acht Mal erwischen, hat er seinen Lappen abzugeben. Nach alter Regelung wären es 18 Mal gewesen. Denn wurde früher mit 18 Punkten die Fahrerlaubnis kassiert, reichen nun 8 Zähler. Das bedeutet eine Verschärfung von mehr als dem Doppelten.

Verstöße 1 Punkt und Zahlung


Weitere Beispiele für einzelne Verstöße, die mit 1 Punkte geahndet werden und für die die Bußgelder erhöht wurden: Winterreifenpflicht 60 Euro (40 €); rechtswidriges Verhalten an Schulbussen 60 Euro (40€), Missachtung der Kinder-Sicherung 60 Euro (40€). Zeichen eines Polizeibeamten nicht befolgt 70 Euro (50 €).

Tatbestand überhöhte Geschwindigkeit innerorts


Der Bußgeldkatalog für Tempoüberschreitungen innerorts musste wegen der deutlich höheren Wertigkeit eines Punktes neu geschrieben werden. Auffallend aber ist, dass ab dem kritischen Bereich über 20 km/h bei der alten wie neuen Regelung 1 Punkt fällig wird. Der gilt nun jetzt aber bis 30 km/h, während bei der alten Regelung 3 Punkte von 25 – 30 fällig waren. Zwei Punkte erhält man laut neuem Katalog von mehr als 30 bis über 70 km/h. Dabei steigt das Bußgeld dann von 160 bis zu 680 Euro an. Fahrverbote fallen an: über 30 km/h bis 50 = 1 Monat. Über50 km/h bis 60km/h 2 Monate und darüber dann 3 Monate.

Tempoüberschreitung außerorts


Zu den Geschwindigkeitsübertretungen außerhalb geschlossener Ortschaften werden sowohl die Landstraßen als auch die mehrspurigen Autobahnen gezählt. Ein durchaus fragwürdiges Vorgehen. Denn es ist sicherlich weitaus gefährlicher auf einer Landstraße mit 25 km/h zu schnell zu sein, als auf einer breiten Autobahn ohne Gegenverkehr. Jedenfalls kosten 21 – 40 km/h zu viel jetzt 1 Punkt, während es früher über 25 km/h 3 waren. Über 40 bis 60 km/h kommt 1 Monat Fahrverbot hinzu, bis 70 2 Monate und darüber 3 Monate und 600 Euro Bußgeld.

Verschärfend kommt hinzu, dass nun der Abbau von Punkten in speziellen Seminaren auch strenger gefasst wurde. Beim Stand von einem bis fünf Punkten kann durch ein freiwilliges „Fahreignungsseminar“, so die offizielle Wortschöpfung, ein Punkt getilgt werden. Ein Mal innerhalb von fünf Jahren kann dies genommen werden.

Tilgungsfristen deutlich verlängert


Neu ist auch, dass die Tilgungsfristen für Ordnungswidrigkeiten mit einem Punkt 2,5 Jahre betragen, diejenigen aber mit 2 Punkten 5 Jahre. Straftaten, die 2 Punkte nach sich ziehen, werden ebenfalls nach 5 Jahren getilgt, solche Straftaten mit 3 Punkten bleiben zehn Jahre bestehen.

Der mit tätiger Hilfe des ADAC neue aufgestellte Katalog will sich bei der Vergabe der Punkte stärker an die Verkehrssicherheit orientieren. Belanglose Ordnungswidrigkeiten wie das Durchfahren der umstrittenen Umweltzonen mit der falschen Plakette werden neben dem Bußgeld jetzt nicht mehr auch noch mit Punkten geahndet. Ihre Autoren werden sich aber fragen lassen müssen, ob sie nicht über das Ziel hinausgeschossen sind.

Und so werden alte Punkte ab dem 1. Mai 2014 umgerechnet:


1 – 3 alt = 1 neu
4 – 5 alt = 2 neu
6 – 7 alt = 3 neu
8 – 10 alt = 4 neu
11 - 13 alt = 5 neu
14 - 15 alt = 6 neu
16 - 17 alt = 7 neu - mehr als 18 alte Punkte ergeben 8 neue.

1 Kommentar

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Das einzige was mich an der neuen Regel stört, das man für Fahren ohne Schein so wenig bekommt, dafür Alkoholfahrer verhältnis mäßig hoch bestraft werden. Für mich wären das gleichwertige Vergehen.
  • 29.04.2014, 11:17 Uhr
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