Der Cross Polo erfüllt viele Voraussetzungen für einen seniorengerechten Kle ...
Der Cross Polo erfüllt viele Voraussetzungen für einen seniorengerechten KleinwagenFoto-Quelle: VW/seniorbook

Warum eigentlich scheut sich VW, den neuen Cross Polo seniorengerecht zu bewerben?

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Was haben der Rebotec Polo Plus und der Volkswagen Cross Polo gemein? Was für Europas größten Autobauer Volkswagen vielleicht eine fies-gemeine Frage ist, adelt Rebotec. Beide Gefährte sprechen Senioren an. Die einen ganz versteckt und nur an pfiffigen wie nützen Details erkennbar, der andere punktet ganz offen mit wendigem Rangieren, dem Ablagetablett oder der leicht ansprechenden Handbremse. Es zählen Kriterien wie Handhabung, Sicherheit, Verarbeitung und Schadstoffe. Auf beide vierrädrigen Gefährte trifft dies zu. Nur, der eine ist ein Kleinwagen mit PS-starken Motoren, der andere ein Rollator, ein Schiebewägelchen.

Damit dies jetzt nicht zu einem „Vergleichstest“ zwischen Blechkiste und Gehhilfe abdriftet, soll es mit den Analogien auch genug sein. Interessanter erscheint mir, dass Autos, die besonders Ältere ansprechen wollen, dies expressis verbis nicht dürfen. Denn wer will schon einen „motorisierten Rollator“ fahren? Mit diesem Image mag keiner leben.

Die Sprache der Cross-Polo-Werbung


Ob es nun aber der „Urban Jungle“ sein muss, mit der Tarzan im Cross Polo seine Jane finden will oder der silbern abgesetzte Unterfahrschutz, um vor den Asphaltschlaglöchern geschützt zu sein, ob Schweller, Türen, Dachreling, die „Farbe Honey Orange“ und die Felge „Canyon“ die wahren Werte des Wagens sind, das alles darf bezweifelt werden. Es glauben sicherlich noch nicht einmal die Marketing-Propagandisten, wenn sie solche Botschaften heraustönen.

Kleinwagen – vollgepackt mit modernster Technik


Da hält man sich besser an die Bemühungen der Ingenieure. Im Cross Polo bieten sie die bekannt höhere und damit bequemere Sitzposition an. Sie verschafft auch den besseren Überblick. Die Sicht nach hinten wird bei der Fahrt rückwärts durch eine Kamera erleichtert. Assistenzsysteme helfen den Toten Winkel im Rückspiegel auszuleuchten. Der Spurwarner schlägt Alarm, wenn die Fahrspur unbewusst verlassen wird. Der Abstand kann elektronisch geregelt werden, ebenso wie das Fahren in der Kolonne automatisiert ist. Hier ist der Trend klar: Das automatisierte Fahren macht sich startklar.

Noch aber sind die fahrdynamischen Assistenzsysteme nicht so verknüpft, dass gestartet werden könnte. Auch ist der rechtliche Rahmen noch nicht ausformuliert, aber die Ampel zeigt nach Rot nun schon Gelb. Diese Extras sind leider derzeit meist nur mit happigen Preisaufschlägen erhältlich. Aber sie fallen unter das Thema „seniorengerechte Fahrzeuge“.

Auch in den Fahrzeugen wird aufgemöbelt. Was einst mit dem Alters-Anzug, der den Entwicklern das Gefühl gab, mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit das Auto zu bedienen, begann, findet seine Fortsetzung bei Ein- und Ausstiegshilfen. Der drehbare Sitz, zusätzlichen Halteschlaufen, sind solche Hilfen. Abgedunkelte Scheiben weniger.

Ein wenig Luxus darf schon sein


Mag man auch über Rentner-Autos ulken, die Älteren wissen schon sehr genau, welche Fahrzeugen ihnen am besten passen mit denen sie dann auch ein selbstbestimmtes Senioren-Leben führen können. Dabei darf der Luxus auch nicht zu kurz kommen. Automatik, Klimaanlage, Voll-LED-Scheinwerfer, elektrische Fensterheber, Sitzheizung und –belüftung, 5 Türen, niedrige Ladekante, bequemer Einstieg, Fußgänger- wie Schildererkennung oder Heckkamera zählen ebenso dazu wie kompakte Ausmaße bei leichtem Parkieren. Auch das kann bereits vollautomatisch erledigt werden. Dazu ein sparsamer, direkteinspritzender Benzinmotor. Denn im Alter sind in der Regel die Wegstrecken nicht mehr so gewaltig, dass sich ein Diesel lohnte.

Werbung mit und für Senioren


All dies bietet der Kleinwagen Cross Polo. Vor kurzem noch undenkbar. Man sieht, heimlich, still und leise hat sich das seniorengerechte Auto in die Modellpaletten eingeschlichen – auch wenn es sich so nicht nennen darf. Dann dürfen ruhig im Cross Polo hippe Twens das Auto rasant durch den Großstadt-Dschungel pilotieren. Der Best-Ager trägt das wissende Lächeln im Gesicht, denn der Wagen ist eigentlich für ihn gemacht. Und was für die VW-Marketingstrategen heute noch undenkbar erscheint, hat BMW bereits vormacht: Ja, mit den autofahrenden Senioren kann man auch beste Werbung machen.