Achtung Eichhörnchen - Wer jetzt falsch bremst riskiert Mitschuld
Achtung Eichhörnchen - Wer jetzt falsch bremst riskiert MitschuldFoto-Quelle: copyright: Paul Puschel

Auffahrunfall im Auto: Wer für kleine Tiere bremst, darf auch noch zahlen

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Das Eichhörnchen kam mit heiler Haut davon. Aber nur, weil eine tierliebende Autofahrerin auf die Bremse trat, um einen Zusammenstoß mit dem kleinen Nager zu verhindern. Doch blieb das Bremsmanöver nicht ohne Folgen: Ein nachfolgendes Fahrzeug fuhr auf den Pkw auf. Ein klassischer Auffahrunfall.

Vor dem Amtsgericht München stritten sich beide Parteien, wer den Unfall letztlich zu verantwortlich habe. Zu welchem Urteil das Gericht kam? Hier die Argumentation:

In der Regel gilt im Straßenverkehr der Rechtsgrundsatz, wer auf seinen Vordermann auffährt, hat Schuld – entweder weil er zu unaufmerksam war oder weil er zu wenig Sicherheitsabstand hatte. Eine Mithaftung ergibt sich nur, wenn der Auffahrende nachweist, dass der Vorausfahrende grundlos und überraschend gebremst hat.

Weil es jedoch in dem oben geschilderten Fall keine unbeteiligten Zeugen gab, konnte der Richter den Sachverhalt nicht zweifelsfrei klären. Die Unfallschilderungen beider Parteien waren plausibel: Der Vorausfahrende erklärte, das Eichhörnchen sei bereits über die Straße gelaufen, als er zweimal moderat hintereinander abgebremst habe. Der Nachfolgende schilderte dagegen, dass das Eichhörnchen am Fahrbahnrand gesessen und erst nach der Vollbremsung des Vordermanns die Fahrbahn überquert habe. So stand Aussage gegen Aussage.

25 Prozent Mitschuld


In seinem Urteil vertrat das Gericht die Auffassung, dem auffahrenden Fahrer komme der größte Teil der Schuld (75 Prozent) am Unfall zu. Trotzdem treffe auch den Vorausfahrenden eine Mitschuld (25 Prozent). Denn ohne dessen Bremsen zu Gunsten des Eichhörnchens hätte sich der Unfall nicht ereignet. Der Unfall wäre vermeidbar gewesen, auch wenn dies zulasten des Eichhörnchens gegangen wäre.

Besser also totfahren, als mitschuldig sein und zahlen müssen?