"Tippen tötet" Auf die Gefahren des Handy am Steuer hinweisen
"Tippen tötet" Auf die Gefahren des Handy am Steuer hinweisenFoto-Quelle: Landesverkehrswacht/seniorbook

„Tippen tötet“ – Handy am Steuer ist häufigste Todesursache bei Autounfällen

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Mit einer Anti-SMS-Kampagne will die Verkehrswacht Niedersachsen wachrütteln. In Honkong hat ein Werbespot gegen SMS für großes Aufsehen gesorgt. In Amerika heißt es „Texting and Driving – It can wait“


Drastischer kann die Botschaft am Messeschnellweg in Hannover kaum sein. „Tippen tötet“ steht auf den grellgelben Plakaten, die an den Autobahnen und Schnellstraßen aufgestellt werden. Die Gefahren beim Benutzen des mobilen Telefons und Smartphones sind immer noch viel zu wenig im Bewusstsein der Autofahrer verankert. Mailen und Simsen soll das Unfallrisiko um das 23-fache erhöhen. Zwar sind die Daten selbst den Kfz-Versicherungen nicht bekannt, so gehen Behörden und auch die Versicherer davon aus, dass jeder fünfte Unfall darauf zurückzuführen ist. Vor allem das Selfie-Schießen und den Facebook-Status sind die neuen Gefahren, neben dem altbekannten SMS-Schreiben, e-mails-Lesen oder Telefonnummern tippen.

SMS-Experiment im Hongkonger Kino


Dass SMS-Schreiben am Steuer, Telefonieren mit dem Handy oder Filmen mit dem Smartphone höchst riskant ist, wissen nicht nur die Unfallforscher. Die Ablenkung ist viel größer als man wahrhaben will. Vor allem junge Autofahrer scheinen sich der Gefahr nicht bewusst zu sein. Ein Experiment in einem Hongkonger Kino zeigt wie sehr sich Menschen vom eigenen Handy ablenken lassen. Vor dem Hauptprogramm wird Werbung gezeigt. In einem schaut die Kamera aus der Perspektive des Fahrers durch die Windschutzscheibe auf eine einsame Straße. Alles frei und sicher. Keine besonderen Vorkommnisse.

Viraler Hit im Internet


Plötzlich erhalten alle Besucher, die ihr Handy eingeschaltet hatten (die Daten hatte der Telefonanbieter zur Verfügung gestellt), eine SMS. Alle zücken ihr Smartphone und blicken auf die Botschaft – unbeachtet läuft der Werbefilm weiter. Plötzlich zersplittert die Windschutzscheibe. Es kracht. Unfall. Die Zuschauer sind geschockt. Sekunden später erst kommt die Auflösung. “Handy-Nutzung ist inzwischen die häufigste Todesursache hinter dem Steuer. Dies ist eine Erinnerung, die Augen auf der Fahrbahn zu lassen”, blendet sich die Botschaft ein. Mit „Eyes on the road“ hat die Werbeagentur Oliv einen viralen Hit gelandet und sich für die "Cannes-Rolle", der Auszeichnung für die besten Werbeclips, beworben.

Karaoke hinter dem Steuer


Davon wissen auch zwei Mädchen aus dem Iran ein Lied zu singen. Ihre Karaoke-Darbietung mit allem Schmus und Getue hinter dem Steuer des fahrenden Wagens endete abrupt. Der Spaß dauert nur 15 Sekunden. Dann ist plötzlich Schluss mit lustig. Der Wagen ist auf ein Hindernis geprallt. Die schöne Fahrerin war zu sehr mit sich selbst und ihrem Video beschäftigt. Kaum im Krankenhaus gelandet, werden die nächsten Bilder geschossen, die die beiden leicht verletzt in ihren Betten zeigten.

Werner Herzogs Film „Von einer Sekunde auf die andere“


Auch in den USA ist das Tippen längst ein Thema. Hier lautet die Kampagne an den amerikanischen Schulen „Texting and Driving – It can wait“. In dem Dokumentarfilm „Von einer Sekunde auf die andere“ zeichnet der deutsche Filmemacher Werner Herzog in einem Halbstundenfilm das Leben und Leiden von Unfallopfern nach, die durch SMS-Ablenkung des Autofahrers verunglückten.