Der Smart ist erwachsener geworden, hat aber seine Kürze behalten
Der Smart ist erwachsener geworden, hat aber seine Kürze behaltenFoto-Quelle: Smart/seniorbook

Der Smart (1) – ein „Oldtimer“ will es noch mal wissen

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Der neue Smart feiert seine Weltpremiere und mit ihm kommt auch der Smart Viersitzer wieder auf den Markt. Wie schon in den Jahrzehnten zuvor, polarisiert der Kleinstwagen – aber er ist im automobilen Leben nicht mehr wegzudenken und er hat mehr bewegt als manche ahnen. Eine Lebensgeschichte in zwei Folgen.

Es ist ein Auto aus dem letzten Jahrhundert. Wenn man so will aus dem letzten Jahrtausend. 1998 kam der erste Smart auf den Markt. Von Mercedes gebaut, als eigene Marke gedacht, mit viel Pomp inszeniert - der Smart-Turm in den Großstädten sollte weithin sichtbar auf die Revolution der neuen Mobilität hinweisen und blieb am Ende eine Ruine. Der Smart floppte anfangs. Die stolze Luxusmarke Mercedes erntete Hohn und Spott und musste viele zig-Millionen als Verlust abschreiben.

Wie der Smart zur Swatch kam


Dabei hatte schon der Vater und Erfinder des Smart, Nicolas Hayek mit dem Stadtfloh viel vor. Ähnlich wie der Erfinder und Unternehmer die Schweizer Uhrenindustrie mit seiner Swatch rettete, so wollte er auch den Kleinwagen Smart produzieren. Möglichst wenig Teile, nahezu vollautomatisiert gefertigt und vor allem: Er sollte ein Elektrowagen werden.

Anfangs traute sich der umtriebige Erfinder noch selbst zu, dieses Projekt zu stemmen, musste dann aber einsehen, dass es ohne einen großen Konzern nicht möglich war. Der damalige, leicht grün angehauchte Querdenker VW-Vorstand Daniel Goeudevert fand Gefallen an der Idee des Schweizers, ließ sie auf Realisierung prüfen und der Smart fiel durch den Rost der Ingenieure, Buchhalter und Kostenmanager in Wolfsburg. Mit Pauken und Trompeten – und Hayek wütete.

Am Ende zog sich Hayek zurück


Dann wollte es Mercedes wissen. Überzeugt davon, dass im Reich der großen Trucks und Luxuslimousinen auch Klein- und Kleinstwagen ihren Platz finden würden, weil der Verkehrsraum in den Städten immer geringer wurden und weil aus Kalifornien erste Rauchzeichen von Benzinverbrauch und Flottenkonsum herüberwehten, schien der automobile Stadtfloh zu passen. Allerdings nicht mehr mit Elektroantrieb, sondern ein ganz herkömmlicher Benziner (später auch Diesel) sollte es sein. Wieder wütete Hayek. Mercedes und er hatten sich überworfen. Erneut scheiterte der Visionär und die Schwaben versuchten eine realistische Basis für den Smart zu finden. Aber auch hier immer am Rande des finanziellen Abgrunds balancierend.

Der Crossblade und die "Rennsemmel" von Brabus


1998 kam dann der erste Smart auf den Markt und bis heute wurden 1,5 Millionen Fahrzeuge verkauft. Das City-Coupé blieb nicht lange allein. Mit dem Smartfour in Zusammenarbeit mit Mitsubishi und auf Basis des Colt wollte man einen Viersitzer anbieten und neue Käufergruppen finden. Absolut chic und trendy waren der Roadster und das Roadster Coupé. Auch das reine Schönwetter Auto, der Crossblade, ohne Frontscheibe und Türen erregte Aufsehen. Das auf 2000 Exemplare limitierte Sondermodell mit der Nummer 1 wurde Robbie Williams zu seiner 2002-Tournee geschenkt. Er ließ es später auf ebay zu Gunsten seiner Stiftung versteigern. Und natürlich nicht zu vergessen der Smart Brabus mit einer Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h und einer Beschleunigung von 0-100 km/h in unter zehn Sekunden.

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