Geht doch: 3+1 Passagiere im kleinsten Viersitzer. so wird der iQ zum besser ...
Geht doch: 3+1 Passagiere im kleinsten Viersitzer. so wird der iQ zum besseren Smart - aber blieb ohne fortuneFoto-Quelle: Toyota/seniorbook

Toyota iQ: Der bessere Smart wurde jetzt eingestellt

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Still und heimlich ist er entschlafen. Toyota hat den kleinsten Viersitzer der Welt in diesem Sommer eingestellt. Der iQ hatte alles, was ein modernes City-Auto braucht. Nur keinen Erfolg. Nachruf auf den besseren Smart.


Als der iQ auf den Markt kam, war die anfängliche Begeisterung groß. Toyota hat es geschafft einen Kleinstwagen für vier Passagiere zu bauen, der als vollwertiges Auto gilt. Den Smart stellte er damit in den Schatten. Mit dem Toyota iQ war es den erfolgsverwöhnten Japanern gelungen, ein nur 2,98 Meter kurzes „Wägelchen“ auf die vier Räder zu stellen, dass allen Ansprüchen an ein modernes Automobil gerecht wird: Geringer Spritverbrauch, kleine Stellfläche, optimale Raumausnutzung, variables Sitzkonzept, ansprechendes Design und Platz für maximal 3 Erwachsene und ein Kind.

Ende 2008 startete die Produktion des iQ


Im Jahr 2003 bekam Hiroki Nakajima, mit 1,90 Meter „Toyotas größter Chefingenieur“, den Auftrag für den Bau des Kleinstwagens. Im April 2007 war das Design festgelegt und eingefroren. Im Innern wirkt der Wagen mit dem Minikofferraum, der auf 268 Liter erweiterbar ist, gut aufgeräumt. „Auch ich kann bequem sitzen und mein Beine ausstrecken“, sagte damals Hiroki Nakajima bei der europäischen Vorstellung des Wagens in Mailand im Frühjahr 2009, kurz nach Produktionsbeginn Ende 2008.

Neue Wege bei der Raumausnutzung


Um dieses Raumwunder zu verbringen, wurde das Package vollkommen neu ausgelegt. Vor allem waren es sechs größere konstruktive Eingriffe, die Platz schafften. So wurde unter der kurzen, aus Gründen des Fußgängerschutzes pummelig aufwölbenden Motorhaube, das Differenzial deutlich verkleinert und weiter nach vorn versetzt. Dieses Ausgleichgetriebe lenkt die Motorkraft vom Fünfgang-Schaltgetriebe an die vorderen Räder. Bei Kurvenfahrt, beziehungsweise Lenkeinschlag, werden so die unterschiedlichen Wege der Räder ausgeglichen und verhindert, dass die Reifen versetzen. Ferner wurde das Lenkgetriebe noch kompakter.

Variable Sitze hinten

Ungewohnt ist die Lage des Tanks. Er ist auf 12 Zentimeter „platt gedrückt“ und befindet sich unter den Vordersitzen. Das erlaubt eine variable Bestuhlung in der hinteren Reihe. Extra dünn, aber trotzdem ausreichend gepolstert, sind die Rückenlehnen der vorderen Sitze ausgefallen. Schrumpfen mussten in der Mittelkonsole Klimaanlage und Heizung, wie das Armaturenbrett asymmetrisch geformt ist, um mehr Platz für den Beifahrer zu haben, sollte er seinen Sitz wegen der hinteren Passagiere weit nach vorn rücken müssen.

Mit diesen sechs signifikanten Eingriffen in das Raumkonzept ist der Wagen mit einem Kurvenradius von 3,9 m (Smart 4,2m) sehr wendig geworden, und den Ingenieuren ist es zusätzlich gelungen, maximal vier Personen über kurze Strecken in dem Wagen zu befördern – wenn auch beengt.

Neun Airbags für die Sicherheit

Die Unfallsicherheit wird bei den Micros ganz groß geschrieben. Ohne Airbags kommt kein Automobil mehr aus. Im Toyota iQ sind es neun. Besonders wichtig der Sitzairbag für den Beifahrer, um ein Durchtauchen des Becken zu vermeiden und der Knieairbag für den Fahrer. Er schützt die Beine, um nicht gegen die Lenksäule zu schlagen oder auf die Pedale gepresst zu werden. Eine Weltneuheit sind die beiden Airbags hinter den Kopfstützen für die hinteren Passagiere. Bei höheren Geschwindigkeiten als üblich, genau ab 40 km/h, löst sie einer der beiden Sensoren aus. Entweder wenn von hinten einer auffährt oder wenn ein seitlicher Aufprall stattgefunden hat. Die prall gefüllten Kissen stützen dann die pendelnden Köpfe und fangen sie auf.

Nicht unbedingt billig war der Anschaffungspreis. Er begann bei 12.700 Euro in der mageren Grundausstattung des Dreizylinder-Benzinmotor mit 68 PS und endete bei 16.300 Euro für den 90-PS-Turbodiesel mit iQ+ Ausstattung.

Gründe für den Mißerfolg

Ein Erfolg wurde der iQ nicht. Sicherlich waren der hohe Preis und die schlechte Positionierung mitverantwortlich. Ein Run setzte auf den iQ nie ein. Dazu war er zu vernünftig – im Gegensatz zu der Aston-Martin-Variante Cygnet. Sie zeigte auch, dass der iQ besser auch im Luxussegment des Lexus aufgehoben gewesen wäre – bei hochwertiger Ausstattung und weiterer Motorisierung. Auch war es dem iQ nie vergönnt, als Hybrid- oder Elektroauto eingesetzt und damit zu einem Technologieträger für Toyota zu werden. Die Chancen dazu wurden ihm in die Wiege gelegt. Die Studie FT-EV wurde bereits im Januar 2009 auf der Detroit Motor Show gezeigt.

So ist das Aus für den iQ, der es zu seinen besten Zeiten im Jahr 2009 auf knapp 60.000 Exemplare geschafft hat, ein weiterer Beweis, wie schwer sich Microcars vermarkten lassen. Im letzten Jahr betrug der Absatz des iQ in Europa 6000 Fahrzeuge, während sein großer Rivale Smart 100 000 verkaufen konnte und jetzt in die zweite Generation startet.

Wäre sicherlich interessant zu lesen,ob der eine oder andere iQ in der Seniorbook-Community gefahren wird und dann von den Besitzern zu erfahren, was sie mit ihrem iQ erlebt haben.