Der automobile Weg zum Wirtschaftswunder BRD
Der automobile Weg zum Wirtschaftswunder BRDFoto-Quelle: Fahrzeugbilder.de

Der automobile Weg zum Wirtschaftswunder BRD

Beitrag von wize.life-Nutzer

Die Dreiräder

Es ist wohl ein großer Unterschied wenn man heute durch Frankfurt am Main geht oder fährt im Vergleich zu meiner Zeit als ich im Vorschulalter dort unter der Woche bei meinen Großeltern wohnte , weil meine Eltern beide berufstätig waren .
Heute ist Frankfurt eine feine Stadt mit vielen Geschäften und eine Menge Lokale und Theater Kino und sonst noch vieles mehr .
Es gibt vernünftige Strassen und Parkhäuser und natürlich viele Parkanlagen . Außerdem stinkt es lange nicht mehr so nach Abgasen von den Autos und LKW’s wie damals .
Damals , der Krieg war eben mal 10 Jahre vorbei und man sah noch an einigen Ecken der Stadt Ruinen von Häusern . Kleine Tante Emma Läden waren die Regel , nicht die Supermärkte wie man sie heute kennt . Das Mehl und der Zucker konnten man in Papiertüten kaufen und Bonbons konnte man auch noch einzeln kaufen . An den Tankstellen bediente die wenigen privaten Autos , der Tankwart , Die meisten hatten Motorräder oder Motorroller , es war die Zeit wo man in einer Tankstelle noch Glühbirnen und Keilriemen und anderes Zubehör fürs Auto kaufen konnte , und nicht wie Heute als Supermarkt ausgelegt ist, und man Glück haben muß wenn man dort da eine Sicherung bekommen kann . Es war die Zeit als man , wenn man das Glück hatte ein Auto zu besitzen , schon als wohlhabend angesehen wurde . Die meisten fuhren mit der Straßenbahn , die am Wagenende noch eine offene Plattform hatten und ein Schaffner die Fahrkarten aus einem Bauchladen verkaufte und sobald alles eingestiegen war , an einer Schnur zog die eine Glöckchen irgendwo hatte , das dem Fahrer signalisierte das er abfahren konnte . Die setzte sich dann quietschend und ratternd in Bewegung . Auch in den Autobussen gab es noch Schaffner , die fuhren teilweise noch mit Anhänger , nicht wie heute als Gelenkbus . Die meisten hatten kleine Autos , wie Messerschmitt Kabinenroller , BMW Isetta ,Renault , Fiat 500,Citroen Ente oder andere Kleinwagen wie Lloyd . Auch einige Vorkriegsautos waren noch unterwegs , soweit sie den Krieg überlebt hatten , so wie ein Nachbar , der noch einen Adler hatte die vor dem Krieg in Frankfurt am Main gebaut wurden . Leider konnte die Firma nach dem Krieg keine Autos mehr bauen , soweit ich weis war nichts von den Produktionsanlagen übrig nach einem Bombenangriff . Wer ein wenig mehr Geld hatte fuhr damals dann schon eine VW Käfer oder einen DKW oder Borgward . Natürlich gab es auch welche die sich schon damals einen Mercedes leisten konnten. Neben den großen Lastkraftwagen wie z.B. Büssung ,Magierus , Mercedes und anderes gab es die kleinen Lieferwagen wie , Borgward Goliath Pionier , oder von der gleichen Firma den GD 750 , und den Tempo Hanseat . Es gab bestimmt noch mehr von den kleinen dreirädrigen Lieferwagen , aber ich weis nicht mehr deren Namen nicht mehr . Wenn am frühen Morgen die Kleinlaster zur Markthalle fuhren saß ich meist am Fenster und schaute auf die lärmende Strasse wie die vielen kleinen Lieferwagen in Richtung Innenstadt fuhren , knatternt und laut und für heutige Verhältnisse ungemein stinkend . Wenn die Wetterlage ungünstig war roch man die Abgase bis in den dritten Stock , wo wir wohnten , und wir das Fenster dann geschlossen haben mussten . An einer großen Kreuzung stand auf einen Podest immer ein Verkehrspolizist , den wir Kinder liebevoll Schutzmann nannten . Er versuchte in dem Wirrwar an Fahrzeugen etwas Ordnung hinein zu bringen damit nicht so viel Unfälle passierten an der Kreuzung . Aber trotzdem passierte ab und an doch etwas , denn viele Strassen waren noch mit Kopfsteinpflaster gepflastert und das war bei Regen ziemlich rutschig . Als wir , meine Großeltern und ich , in Richtung Innenstadt unterwegs waren , es hatte zuvor geregnet und die Strassen waren noch nass , nahm ein so dreirädriges Fahrzeug wohl die Kurve etwas zu schnell , er kam ins schleudern und kippte um . Das ganze Gemüse und Obst das er geladen hatte kullerte auf der Kreuzung herum und alles kam zum stehen . Alle Leute stiegen aus oder hielten an . Ein paar kräftige Männer packten den wagen und wuchteten ihn wieder auf die Räder . Er war nicht so stark beschädigt , und der Fahrer hatte wahrscheinlich auch fast nichts abbekommen . Alle halfen den Verunfallten Wagen wieder zu beladen , Fußgänger , Fahrradfahrer , Motorradfahrer und auch die Fahrer der anderen Autos . Selbst die Leute aus der Straßenbahn , die wegen dem Unfall so wie so nicht hätte fahren können , kamen heraus und halfen dem Unglücksraben . Ich glaub die ganze Geschichte dauerte nicht mehr als eine viertel Stunde da war der ganze Spuk vorbei und alles ging seinen Gang , wie jeden Tag , als wenn nie was gewesen wäre . Das nennt man Zusammenhalt den man sich in unseren Tagen kaum mehr vorstellen kann .
Ich habe oft am Fenster gesessen und habe auf die Mainzer Landstrasse hinab geschaut und die Autos bewundert die in endlosen Kolonnen am Morgen und am Abend sich durch die Stadt wälzte . Es war mein innigster Wunsch als Kind das mich einmal jemand mitnehmen würde in einem Auto . Dieser Wunsch sollte sich bald erfüllen , denn meine erste Ausfahrt mit einem Auto machte ich mit meinem Onkel .

60311 Frankfurt am Main auf der Karte anzeigen:
Hier klicken um Karte zu öffnen