Da freuen sich der Elektrofahrer: An viele Stromtankstellen ist das tanken u ...
Da freuen sich der Elektrofahrer: An viele Stromtankstellen ist das tanken und parken (noch) kostenlosFoto-Quelle: Volkswagen/seniorbook

Ist so Elektromobilität möglich? Der VW Golf GTE mit 50 Kilometer elektrischer Reichweite

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Das Beste zweier Antriebswelten, damit wird der Plugin-Hybrid umschrieben. Die Vorteile des batterie-elektrischen Fahrens über längere Strecken nutzen und gleichzeitig nicht auf einen Benzinmotor verzichten müssen – wird damit der gordische Knoten der stockenden Elektromobilität zerschlagen?

Es gehört nicht zu den markanten Eigenschaften des VW-Konzerns als Erster technologische Trends zu setzen oder neue Fahrzeuggattungen ins Leben zu rufen. Meist lautet das Motto aus Wolfsburg: „Erst mal abwarten und schauen wie sich der Markt entwickelt. Sollen doch die Anderen die Bresche schlagen sollen sie sich die Mühen machen, Umwälzungen im Markt durchzusetzen“. Beispiele dafür sind der Familien-Van, den erst Opel mit Porsches Hilfe als Zafira auf den Markt brachte, um dann später bei VW zusammen mit Ford als Sharan und Galaxy zu erscheinen. Auch der SUV-Touareg kam sehr spät, ebenso wie der kleinere Bruder Touran. Diese Modelle zeichnet aus, dass sie sich sofort an die Spitze der Zulassungen setzten.

Wurden die Trends verschlafen?’


Nicht anders ist es mit der Elektromobilität. Verschlafen zu spät, nicht wegweisend – lauteten die Kommentare. Sie sprachen Konzern die Zukunftsfähigkeit ab. Aber siehe da, so verschlafen sind die Ingenieure aus der Heide nun doch nicht. VW-Markenvorstand Hans-Jakob Neußer sagt ganz offen: „Natürlich beobachten wir das Marktgeschehen und sind auf Höhe der Zeit.“ Man schaue sich die Entwicklungen und Trends nicht nur ganz genau an, sondern experimentiere in der Konzernforschung mit Laborfahrzeugen. „Wichtig für uns ist, die neue Technik zu verstehen und zu beherrschen.“ Wann sie dann aber marktreif ist und zu akzeptierten Preisen in Kundenhand gehen kann, das hänge von vielen Faktoren ab.

Die Achillesferse der Fahrbatterie


So hat sich VW auch mit der Hybridisierung seiner Fahrzeuge viel Zeit gelassen. Die Knackpunkte der Elektromobilität sind bekannt: Die Batterie und die Ladeinfrastruktur. Bei der Batterie sind es der Preis, das Gewicht, die langen Ladezeiten sowie die geringe Kapazität, die den batterie-elektrischen Antrieb ins Hintertreffen geraten lassen. Die Ladeinfrastruktur sollte gewährleisten, dass auch jeder den „grünen“, sprich regenerativ erzeugten Strom, auch erhält. Denn nur so kann CO2-frei gefahren werden.

Wohin steuert die Elektromobilität?


Mittlerweile bietet die Elektromobilität einen bunten Strauß an Möglichkeiten. Neben dem reinen Batterieantrieb oder dem Fahren mit Wasserstoff, ist der Hybridantrieb als dritter Weg derzeit en vogue. Genauer, es ist ein Plugin-Hybrid, bei dem die Batterie an der Steckdose geladen wird. Sie bietet die Möglichkeit, auf Strecken von 30 bis zu 70 Kilometern, wie bei einigen Herstellern vorgesehen, rein elektrisch zu fahren. Abhängig ist dies von der Größe der verwendeten Lithium-Ionen-Batterie. Werden die Entfernungen größer, muss nicht unterwegs langwierig die Batterie wieder geladen werden, sondern der zweite Motor, das Benzinaggregat, springt an und sorgt dann für das Weiterkommen.

Notstromaggregat oder Antriebsmotor?


Plugin-Hybride wie etwa der Mitsubishi sind Fahrzeuge mit einem starken Benzinmotor und einer „schwachen“ Batterie. Daneben besitzen die Elektroautos mit einem sogenannten Range Extender, starke Batterien und können auf einen schwachen Benzinmotor zurückgreifen. Er wirkt wie ein Notstromaggregat. Der erzeugte Strom fließt an den Elektromotor und in die Batterie. Vorreiter für Elektrofahrzeuge mit Range Extender ist der Opel Ampera. Aber auch BMW bietet für den i3 und den i8 Range Extender an. Sie dienen als Versicherung, um nicht mit leerer Batterie liegenzubleiben.

Die Kunst Strom- und Benzinverbrauch optimal zu steuern


Anders die Plugin-Fahrzeuge. Hier bleibt der vielbeschworene Fahrspaß erhalten. Ist die Antriebsbatterie leer, springt der Benzinmotor an. Er wirkt auf die Antriebsräder (was der Range Extender nicht tut) und gleichzeitig kann er auch die Batterie laden. Die Kunst der Ingenieure besteht darin, Das Wechselspiel von Laden und Entladen, Elektro- und Benzinmotor sowie der Rückgewinnung von Strom durch elektrisches Bremsen (Rekuperation) so zu steuern, dass der Benzinverbrauch minimal ist und der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt.

Fakten zum Golf GTE


Der neue Golf GTE ist der erste Plugin-Hybrid von Volkswagen und soll seinem Fahrer doppelten Fahrspaß bereiten. Er fährt 50 Kilometer rein elektrisch bis zu einem Tempo von 130 km/h. Er ist 204 PS stark und verbraucht 1,5 Liter Benzin und 11,4 kWh Strom auf 100 Kilometer.

Natürlich sind die Verbrauchszahlen nicht immer und bei jeder Fahrt zu erreichen. Aber dahinter steht ein genormter Fahrzyklus mit Bremsen, Beschleunigen, Schalten und so weiter, damit überhaupt unterschiedliche Automobile vergleichbar werden. Wenn nur mit dem 150 PS-starken Turbobenziner (110kW) gefahren wird, liegt der Verbrauch bei 4,5 Litern. Die 102 PS (75kW) des Elektromotors ergänzen sich zu 204 PS Systemleistung (150kW), die den Wagen in nur 7,6 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und ihn 222 km/h schnell macht.

Fünf Fahrprogramme wählbar


Der ganz ist ganz einfach mit dem automatisierten Doppelkupplungsgetriebe zu fahren. Man kann mit der gedrückten E-Taste ausschließlich rein elektrisch fahren, bis die Batterie leer ist – erst dann springt der Ottomotor automatisch an. Dann wirkt die Kupplung zwischen E- und Benzinmotor nahezu unmerklich. Erst der Blick auf den Drehzahlmesser überzeugt, dass der Kolbenmotor läuft.

Unter fünf Fahrprogrammen kann gewählt werden. Der angesprochene „E-Modus“ für rein elektrisches Fahren.
* Der „GTE-Modus“ für die sportliche Variante und um die Leistungsreserven aus dem Fahrzeug zu kitzeln.
* „Battery Hold“ meint den klassischen Hybridmodus mit Rekuperation für die Batterie.
* „Battery Charge“ hier wird die Batterie vom Benzinmotor geladen. Eigentlich die teuerste Art elektrisch zu fahren, es kann aber von Vorteil sein, wenn zukünftig bestimmte Bereiche von Innenstädten ausschließlich elektrisch befahren werden dürfen. Normalerweise wird die Batterie an der Steckdose voll geladen.
* „Hybrid-Auto“ ist so ausgelegt, dass der Benzinverbrauch für den Wagen möglichst gering ist und wann immer es geht mit Strom gefahren wird.

Elektrisch wird immer angefahren


Was kompliziert klingt, muss nicht eigens gelernt werden. Die Nutzung erschließt sich intuitiv. Grundsätzlich wird im E-Modus nach dem Start angefahren. Also total lautlos, total lautlos für Fahrer wie Nachbarshaft unhörbar. So kann man sich in der Gewissheit davon schleichen, mit einer maximalen Reichweite von 934 Kilometern nach langer Tour auch wieder elektrisch anzukommen.

Technologie stammt aus dem Porsche Panamera


Warum der Name Golf GTE? Nun, für VW ist es der Spagat zwischen den GT-Fahrzeugen wie GTI oder GTD und dem E-Golf. Mit dem GTE Plugin-Hybrid (der übrigens aus dem Porsche Panamera Plugin mit verbesserter Batterie stammt) soll das Beste zweier Antriebswelten harmonisch kombiniert werden – sportlich und leistungsstark fahren sowie sparsam und preiswert. Aufgerufen werden 36.900 Euro.

Wem das zu viel erscheint, der sollte warten können. Denn neben dem Golf GTE Plugin wird es auch in einer zweiten Stufe eine abgespeckte Plugin-Variante des Golfs geben zu deutlich geringerem Preis.