Mercedes S500 Plug-In Hybrid: An der elektrischen Zapfsäule geladen, sind 33 ...
Mercedes S500 Plug-In Hybrid: An der elektrischen Zapfsäule geladen, sind 33 Kilometer möglichFoto-Quelle: seniorbook/Mercedes

Autos und ihr Benzinverbrauch: alles rechtens oder Lug und Trug?

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Wie kann es sein, dass ein 440 PS-Wagen wie etwa der Mercedes S 500 Plug-In Hybrid, nur 2,8 Liter verbraucht? Auch ein Porsche 918, kann von sich mit Fug und Recht behaupten, trotz seiner enormen Leistung von drei Motoren mit über 800 PS nur 3 Liter zu verbrauchen. Und auch der Golf GTE begnügt sich mit 2 Litern. Ist das alles Lug und Trug, Augenauswischerei oder was steckt dahinter?

Hinter dem Benzinverbauch, wie er in den Prospekten und Anzeigen der Hersteer angegeben wird, verbirgt der Neue Europäische Fahrzyklus, NEFZ. Hier wird ein Verbrauch unter Laborbedingungen gemessen. In der realen Fahrpraxis ist er kaum zu erzielen. Denn die Automobilfirmen Strategien entwickelt, um bei der Fahrt auf dem Prüfstand möglichst gut abzuschneiden. Sprich, es wird auf Biegen und Brechen versucht, den Verbrauch unter den allseits bekannten Normbedingungen zu drücken.

Ein tiefer Griff in die Trickkiste


Da wird das Gewicht reduziert, sind besonders leichtläufige Reifen mit höherem Luftdruck montiert, werden Schlitze und Öffnungen verklebt, um den Luftwiderstand zu senken. Ja, die Trickserei geht so weit, wie das unabhängige Forschungsinstitut ICCT herausgefunden hat, dass eine im Fahrzeug eingebaute Software erkennt, ob der Wagen auf freier Strecke oder auf dem Prüfstand gefahren wird. Dann werden automatisch besonders spritsparende Programme und Gangwechsel vollzogen ohne dass es die Prüfer bemerkten. So erreicht der Verbrennungsmotor des Mercedes einen Normverbrauch von 6,4 Liter auf dem Prüfstand.

Auch die Politik mischt kräftig mit


Es kommt noch besser. Bei den hier aufgeführten Beispielen aber handelt es sich um so genannte Plug-In-Hybride. Neben dem herkömmlichen Verbrennungsmotor verfügen sie noch über einen elektrischen Antrieb. Er wird von einer Batterie gespeist. Vor jeder Fahrt auf dem Prüfstand ist sie voll aufgeladen. Sie ist so dimensioniert, dass sie den Wagen zwischen 15 und 75 Kilometer rein elektrisch ziehen kann – ohne dass ein einziger Tropfen Benzin verbraucht wird. Und das geht bis Tempo 120 – 130. Die Kapazität des Lithium-Ionen-Akkus im Mercedes Plug-In beträgt 8,7kWh und entspricht in etwa einem Liter Benzin.

Der Akku reicht für 33 Kilometer


Da die EU wünscht, dass die Elektromobilität vorangetrieben wird, gibt es Belohnungen und Bestrafungen. Belohnt wird der Elektroantrieb. Über den verfügt der S500 Plug-In ebenso wie die beiden anderen Fahrzeugen. Die rein elektrische Reichweite fließt nun die Berechnung des Fahrzyklus mir ein. Rein elektrisch kann der Mercedes 33 Kilometer weit fahren. Dafür gibt es einen Bonus von 56 Prozent auf den Normverbrauch. 56 Prozent von 6,4 Litern ergeben dann die sensationellen 2,8 Liter. Das ist der Wert, den der kombinierte Hybridantrieb für 100 Kilometer auf dem Papier benötigt.

Alles Zauberei? Nein, es ist so gewollt zur Durchsetzung der Elektromobilität. Die Ingenieure dimensionieren die Batterie entsprechend leistungsstark, um den gewünschten Normverbrauch zu erzielen. Selbst für einen Wagen mit über 800 PS ist dann der 3-Liter-Benzinverbrauch ingeniöse Spielerei.