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1961: Der Mut zum bös-schönen Blick: Die Volkswagen 2+2 Sitzer Typ 34 mit der modischem Corvair-Linie auf Basis des 412Foto-Quelle: Volkswagen/seniorbook

Was macht ein Auto schön und warum kann man so wunderbar davon schwärmen?

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Ich wehre mich gegen die Relativierung von Geschmack. Man/frau hat ihn. Oder nicht. Ihn nicht zu haben, ist der schlechte. Das gilt auch für Autos. Geschmack und Design stehen aber nicht für alle an erster Stelle. Auf Zuverlässigkeit, Verbrauch, Nutzen, Peis wird oftmals mehr Wert gelegt. Aber automobile Schönheiten, ob im eigenen Besitz oder nicht, berühren nahezu alle.

Warum schwärmt man eigentlich schwärmt man so gerne über schöne Auto von gestern? Waren sie alle so viel besser, reizvoller, aufregender und eleganter als heutige? Sicher gibt es viele Antworten. Aber eine ist sicherlich auch wahr: Sie waren seltener. Sie waren einmalig. So hat VW-Konzernchef Winterkorn im Frühjahr anlässlich des Genfer Automobilsalons zwei bemerkenswerte Anmerkungen gemacht. Erstens, so sagte er, müsse Volkswagen schneller auf den Markt reagieren und die Modellzyklen verkürzen. Und nicht jedes Modell müsse einen Nachfolger haben.

Die Schönheit des Einmaligen


Nicht jedes Modell einen Nachfolger! Da denkt man unwillkürlich an den Karman Ghia bei VW, der Ro 80 on NSU, der Citroen SM, der Austin Healey, Jaguar E-Type, BMW Z1, fallen einem ein. Der Porsche 928 ist ebenso dabei wie die Mercedes Pagode. Nicht zu vergessen der Ford Capri der Opel Calibra. Komisch, dies sind Autos, denen ein Facelift erspart blieb. Ihre ursprüngliche Form wurde nicht „verbessert“. Oder „verschlimmbessert“. Sie hatten ihre Zeit. Und dann war Schluss. Heute wie damals, zeitlos schön und rasend begehrt.


Heute der Audi TT, der Mercedes CLS, der Scirocco selbst der Beetle, Ford Mustang oder die GM-Corvette, sie alle haben ihre Nachfolger, bisweilen schon in der siebten Generation. Hingegen ist gewiss, dass der Alfa 4 C sicherlich ebenso keinen Nachfolger haben wird, wie der VW-Eos. Beim einen ist es nicht geplant weil zu teuer. Beim anderen mangels Erfolg.

Große Entwürfe der Designer Pfeiffer und Schreyer


Der CLS, als viertüriges Coupé mit der charakteristischen Silhouette eine gespannten Bogens, und TT, mit der rundum „eiigen“ Form des Roadsters, sind für mich Beispiele, wie eine sensationelle Formenprache im Laufe der Jahre „ausgewaschen“ wird. Die beiden ursprünglich revolutionären Entwürfe eines Peter Pfeiffer und Peter Schreyer haben ihre Wow-Effekt längt verloren, den sie damals ausgelöst hatten. Der CLS erhielt zur ersten Runderneuerung die bullig ausgestellten Kotflügel und die neue Breitschnauze anderer Mercedes-Modelle. Dann, mit der zweiten Überarbeitung und der aktuellen dritten Generation, lehnte sich Gordon Wagener als jetzt verantwortlicher Designchef an die alte Form an, auch wenn er die Kühlerfront wenig veränderte. Kaum anders ist es dem Audi TT ergangen. Hier aber ist der Prozess der Erneuerung nicht so sprunghaft.

Rare Autos als exaltierte Schönheiten


Wird dann von „schönen“ Autos geredet, tut man sich schwer, welche Variante oder Generation denn eigentlich gemeint ist. Die Autos prägen sich nicht so leicht in das Gedächtnis ein, wie etwa ein Karman Ghia. Da gibt es nur den einen. Sei es als Coupé oder Cabrio. Allenfalls wurden in all den Jahr die Motoren angepasst und vielleicht die Rückleuchten oder Stoßstangen überarbeitet. So entstehen nicht nur für Sammler und Liebhaber schöne, begehrenswerte Autos. Sie waren allzeit anders als die Masse ihrer Zeitgenossen. Denn Golf Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs, Sieben.. da muss ich schon eingefleischter Fan sein, um hier ein Freuden-Wow auszustoßen.