Ab Herbst 2015 werden die Porsche Motoren im 911 nur noch Turbos sein
Ab Herbst 2015 werden die Porsche Motoren im 911 nur noch Turbos seinFoto-Quelle: Porsche/seniorbook

EU6 und CO2-Ausstoß: Geht es den Sportwagen wie Porsche jetzt an den Kragen?

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, lautete eine der Weisheiten bei Motorenbauern. Aber diesen scheinbar unverbrüchlichen Lehrsatz haben die Turbolader wie nichts weg gepustet. Auch wenn Turbos als schlimme Säufer galten, sind sie mittlerweile „trocken“. Mehr noch, sie avancieren zum Retter leistungsstarker Sportwagen.

Gerade für Sportwagenmotoren sind die strengen Verbrauchsvorschriften für EU 6 nur durch radikales Downsizing der Motoren zu erreichen. Das bedeutet weniger Hubraum (oft auch mit der Verringerung der Zylinderzahl verbunden) und damit auch weniger Leistung. Dem vorgeschriebenen Verbrauchszyklus ist genüge getan.

Turbolader als Nothelfer – stark und trotzdem sparsam


Leistungsstarke Motoren blieben jetzt auf der Stecke, wenn nicht Aufladesysteme wie Turbolader den kleinen Motörchen bei Bedarf zusätzlich Kraft einbliesen. Das geschieht durch die Abgasturbine. Sie verdichtet die angesaugte Luft und presst sie in Brennraum. So ist mehr Sauerstoff vorhanden, es kann mehr Benzin eingespritzt werden und die Leistung erhöht sich schlagartig. Und der Verbrauch auch. Aber nur auf diese Weise lassen sich kleine Motoren bauen, die, werde sie nicht gefordert, sehr genügsam sind und gleichzeitig aber auch brachiale Kräfte mobilisieren können.

Vierzylinder Turbos in der Formel 1 mit über 1000 PS


Als die Formel 1 während der 80er-Jahre ihre Turbozeit hatte, erreichten die BMW-Vierzylinder-Aggregate Leistungsspitzen von über 1000 PS. Diese speziellen Spitzentriebwerke konnten aber nur für wenige Trainingsrunden genutzt werden, um in der Startaufstellung für das Rennen ganz vorn zu sein. Später wurden, um die Kostenspirale in der Formel 1 einzubremsen, solche Quali-Triebwerke verboten, wie die Motoren auch für mehrere Rennen benutzt werden mussten.

Ähnliches gilt heute die Sportwagenmotoren. Viel Leistung ja, aber bitte auch standfest – sprich hohe Kilometerleistung. Hier einen Kompromiss zu finden, ist gar nicht so einfach. Denn die „normalen“ Motoren produzieren schon ordentlich Leistung, gelten als sportlich und mancher verbläst einen Sportwagen.

Ein Bündel an Maßnahmen: Kompressor und Twincharger


Was tun? Entwickler specken Gewicht ab, reduzieren die Abmessungen, verfeinern die Aerodynamik und modifizieren die Fahrwerksabstimmung. Vor allem aber schärfen sie den Turbolader. Sie erhöhen den Druck, pressen noch mehr Frischgas in die Brennräume und erhöhen die Drehzahl. Was möglich war und ist zeigte der Mitsubishi Evo VII im Jahr 2001 mit 280 PS aus zwei Litern Hubraum und aktuell der Mercedes A-Klasse AMG mit 360 PS aus zwei Litern. Und auch der Opel Adam S kommt auf über 150 PS pro Liter Hubraum. Wenn ein Turbolader nicht ausreicht, werden zwei genommen. Oder aber ein Turbolader wird mit einem Kompressor kombiniert.

Einen solchen Twinchacharger hatten Nissan und Volkswagen bis vor einiger Zeit im Programm, aber ihn dann wegen zu hoher Herstellungskosten eingestellt. Dabei teilen sich der Kompressor und der Abgasturbolader ihre Aufgaben. Im unteren Drehzahlbereich, wenn die Turbine noch nicht genügend Abgas erhält um das Turbinenrad auf über 100 000 Umdrehungen rotieren zu lassen, verdichtet der Kompressor die Frischluft und überbrückt das „Turboloch“. Er schaltet sich dann ab etwa 3500 zu, während der Kompressor ruht. Volvo hat diese Idee jetzt wieder aufgegriffen und erreicht mit seinem T6 Motor Literleistungen von 150 PS pro Liter Hubraum oder 308 PS aus dem Zweiliter-Triebwerk mit vier Zylindern.

Am Ende unterscheidet sich der Sportwagen deutlich von der Limousine – nicht nur beim Preis. Gleichzeitig hat er es aber geschafft, beim Normverbrauch die Vorgaben zu erfüllen.

Der Porsche Elfer ab 2015 nur noch als Turbo


Mit diesem Rezept wird Porsche im nächsten Jahr seinen Elfer erneuern. Alle erhalten Turbomotoren mit unterschiedlichen Leistungen bei geringerem Hubraum. Auch ist die Zahl er sechs Zylinder kein Dogma mehr. Zwar behält der Elfer sie, aber für Boxster und Cayman sind aufgeladene Vierzylindermotoren fest eingeplant. Nur der Porsche GT3 RS, der sportlichste aller Elfer, der mit über einem Jahr Verspätung in kommenden Frühjahr vom Band rollt und auf dem Genfer Automobilsalon im März 2015 Weltpremiere feiert, wird noch ein Sauger bleiben. Mit rund 510 PS schafft er das gerade noch. Ein Turbo schüttelt sie ganz locker aus dem Lader.

So wird wohl der 991 GT3 RS der letzte Sauger im Elfer sein und gleichzeitig auch als einziger Sauger über die seitlichen Frischlufteinlässe verfügen, wie sie nur den Turbos der Elferbaureihe vorbehalten sind. Sammler sind schon jetzt alarmiert.