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Nachfolgediskussion um Ferdinand Piech, links, und Martin Winterkorn
Nachfolgediskussion um Ferdinand Piech, links, und Martin WinterkornFoto-Quelle: ws/seniorbook

Das Karussell der Macht: Nachfolger für VW-Winterkorn, BMW-Reithofer

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Wie wird die Macht in Europas größtem Autokonzern, der sich anschickt die Nummer 1 der Welt zu werden, neu verteilt? Diese hochspannende Frage elektrisiert derzeit die Branche. Denn mit dem geschickt eingefädelten Wechsel des BMW-Managers Herbert Diess Jahres zum Vorstandschef der Marke Volkswagen im Oktober nächsten Jahres und dem Antritt von Ex-Daimler-Produktionschef Andreas Rentschler im kommenden März als Lastwagenvorstand, sind die Karten neu gemischt und alte Planspiele über den Haufen geworfen worden.

VW-Chefwechsel als Altersfrage


Hatte bisher eine Variante gelautet, dass der derzeitige Porsche Vorstandschef Matthias Müller als Chef von Volkswagen zurück zu VW wechselt, Wolfgang Dürheimer von Bentley und Bugatti kommend seinen Platz bei Porsche besetzt, so sind jetzt mit Andreas Rentschler und Herbert Diess überraschend vollkommen neue Namen ins Spiel gebracht worden.

Beiden Managern werden läuft ein exzellenter Ruf voraus. Sie verbindet, sich bei ihren früheren Arbeitgebern, Daimler und BMW, übergangen zu fühlen. Wird doch der Produktionsvorstand Harald Krüger bei BMW die Nachfolge des erfolgreichen Norbert Reithofer im Mai nächsten Jahres antreten. Es hat Tradition bei BMW, Produktionsexperten an die Spitze zu hieven.

Bei BMW handelt die Quandt-Familie


Nach dem Willen der Quandt-Familie, Mehrheitsanteiler bei BMW, wechselt Reithofer in den Aufsichtsrat. Damit löst er Joachim Milberg ab. Dieser Schritt erschien den Quandts sinnvoll, da BMW-Manager in der der Regel mit 60 Jahre ausscheiden und jüngeren Nachfolgern Platz machen. Bei einer möglichen Ausnahme und Verlängerung des sehr geschätzten Reithofers, der BMW zu neuen Absatzrekorden führt und die mutige, wie gleichermaßen kritisch beäugte, Elekrifizieung des Autokonzerns mit den Modellen i3 und i8 vorantreibt, wäre Milberg 74.

Blutauffrischung mit BMW-Expertise und Daimler-Know-how


Diess und Rentschler werden dem VW-Konzern, davon sind die Beobachter überzeugt, wertvolle BMW-Expertise und Daimler-Know-how von ihrem jeweils früheren Arbeitgeber mitbringen. Ob sie aber auch in die spezielle Struktur und Abläufe der Weltfirma aus Wolfsburg passen, bleibt die spannende Frage. Denn nach wie vor wird VW sehr zentralistisch von den beiden Granden Martin Winterkorn und Ferdinand Piech straff gelenkt. Bei BMW hingegen wird mehr Wert auf Konsens gelegt und die einzelnen Marken genießen höhere Freiheiten von der Zentrale. Bei Daimler herrscht Dieter Zetsche, der, anders als Winterkorn, seinen Vorsitz als Markenvorstand Mercedes, nicht aufgibt.

BMW-Pischetsrieder und Porsche-Wiedeking kurzerhand abserviert


Bernd Pischetsrieder hat es bitter erfahren müssen. Von der Eigentümerfamilie Ferdinand Piech und Wolfgang Porsche von BMW nach dem Rover-Desaster zu VW geholt, ist er an und in Wolfsburg gescheitert, ebenso wie der ehemalige Porschechef Wendelin Wiedeking kurzerhand geschasst wurde, weil er dem Eigner Piech zu mächtig und selbstbewusst wurde.

Auch ist der Einfluss der Gewerkschaft bei VW traditionsgemäß sehr stark. Ferner gilt es auf den Mehrheitseigentümer, das Land Niedersachsen, sowie dem hochpolitischen VW-Gesetz Rücksicht zu nehmen. Gleichzeitig wird von Diess erwartet, dass er nun endlich die Rendite der Marke Volkswagen deutlich steigert und aus dem 2-Prozent-Tal führt.

Machen die „Neuen“ das Rennen?


So ist im VW-Konzern das Rennen um die Nachfolge von Winterkorn neu entfacht. Eine angemessene Bewährungszeit vorausgesetzt, scheint der Stabwechsel geplant. Er ist für 2018 angekündigt, würde dann 2017 vollzogen, um Winterkorn nicht als „lame duck“ erscheinen zu lassen. Porschechef Müller, Jahrgang 53, scheint dann wohl aus dem Rennen, ebenso wie Audilenker Rupert Stadler. Er hat sich wohl zu früh um die Winterkornnachfolge ins Gespräch gebracht.

So dreht sich das Karussell der Macht bei Volkswagen immer schneller, je mehr Bewerber aufsteigen. Das ist ganz im Sinne des Patriarchen Ferdinand Piech, der schon immer Gefallen am Wett- und Konkurrenzkampf, am darwinistischen Prinzip gefunden hat. Ohne Blessuren oder bleibende Verletzungen enden solche Nachfolgeschlachten nicht. Für den VW-Markenchef Diese sicherlich auch keine leichte Aufgabe, ab Oktober eigene Akzente zu setzen, mit Martin Winterkorn im Rücken und als Chef über ihm. Da kann eine harmonische, einvernehmliche Lösung wie sie BMW gewählt hat, gefallen.


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