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Bulliger Kraftprotz - Ford Mustang. Viele PS für wenige Dollars

Ford Mustang: Lass die wilden Pferde los

Von wize.life-Nutzer - Montag, 01.06.2015 - 11:34 Uhr

Amerikanische Sportwagen sind so ganz anders als die deutschen. Sie kommen martialisch daher, geizen nicht mit Hubraum, sind oftmals brachial und bollern ihre PS aus dem Auspuff nur so heraus. Wirklich (k)ein Vorbild? Wenn da nicht ein Neuer die Arena betreten würde.

Ulrich Kempski, Reporterlegende der Süddeutschen Zeitung, war selbst im tiefsten Winter gebräunt, trug Glatze, hatte immer eine schnarrend-heisere Stimme und fuhr einen Ford Mustang. Mustang Cabrio, meist offen. Ein Statement, denn der Ford Mustang war ein amerikanischer Sportwagen, der nur über Umwege und rührige Importeure in Deutschland zu kaufen war. Und da sie so selten im Straßenbild aufkreuzten, galten sie als Exoten. Aber sie hatten ihr Image bei der Überfahrt über den großen Teich gerettet. Wow, ein Mustang, Kraft satt, toller Sound, stämmige Karosserie. Ein Wilder halt.

Karl May und Cowboy-Romantik


Das Bild der freiheitsliebenden Mustangs aus den Karl-May-Romanen und Cowboy-Heftchen im Kopf, war das des ungezähmten Wildpferds in der unendlichen Prärie des Wilden Westens. Das Mustang-Image als Sportwagen klappte bei uns Jungs. Als Jeans weniger. Denn hier war Levis King. Wurden doch die eher schlecht sitzenden und für das Bad in der Badewanne ungeeigneten Mustang-Jeans doch sowie im baden-württembergischen Künzelsau gefertigt und nicht in Amerika.

Aber egal der Ford Mustang war der bullig-amerikanische Sportwagen, der Muscle Cars, in der Herde von Chevrolet Camaro oder Dodge Charger. (Die legendäre Corvette ist der amerikanische Sportwagen schlechthin und deutlich teurer.) Mittlerweile ist die Legende 51 Jahre alt. Es war der 17. April 1964, als zum ersten Mal auf der New Yorker Weltausstellung der Ford Mustang präsentiert wurde.

In Amerika ein gigantischer Verkaufserfolg schon am ersten Tag


Wie groß der Erfolg in Amerika war, lässt sich am ersten Verkaufstag ermessen: 22.000 Bestellungen gingen ein und innerhalb eines Jahres waren 418.812 Wagen verkauft. Ausgegangen waren die Marketingstrategen von hunderttausend und bis zum heutigen Tag sind weltweit 9.2 Millionen Mustangs verkauft worden. Weltweit, das bedeutet auch, dass Ford das berühmte „Pony Car“ in Deutschland nie offiziell angeboten hatte. Dabei lief ihm der Mythos „bekannt durch Film, Funk und Fernsehen“ voraus. In über 3.200 Film- und TV-Auftritten fuhr er durchs Bild, und Hollywoodstars wie Will Smith, Nicholas Cage oder Tom Cruise pilotierten ihn.

Steve McQueens Verfolgungsjagd im Mustang durch San Francisco


Legendär und unvergessen ist natürlich die wilde Verfolgungsjagd durch die Straßen von San Francisco in „Bullit“ mit Steve McQueen als Lieutenant Frank Bullitt hinterm Lenkrad. Für die Fans von Movie & Motor: Das Getriebe seines 1968er Fastback schaltet er insgesamt 16 Mal einen Gang höher, um dem Dodge Charger mit den Killern auf der Spur zu bleiben – allerdings kein einziges Mal wird ein Gang runtergeschaltet. Das ist großes Kino!

Nun rollt die sechste Generation mit zwei Motorisierungen und zwei Karosserievarianten in der europäischen Serienversion nach Deutschland. Das zweitürige Fastback-Coupé und die Cabrio-Variante mit halbautomatischem Stoffverdeck. Typisch Mustang auch die lange hochaufragende Motorhaube und die Haifischfront.

Turbo Sechszylinder und V8 Sauger


Gewählt werden kann zwischen dem 2,3 Liter Turbomotor mit 317 PS (233kW) oder dem Klassiker: 5-Liter-V8 mit 421 PS (310 kW) und dem satten Drehmoment von 530 Nm. Souveräne Durchzugskraft und Power ohne Ende scheint der Wagen zu haben. In 4,9 Sekunden beschleunigt er auf Tempo 100 und ist bei 250 km/h elektronisch abgeriegelt.

Die Fahrwerksmodifikationen haben den Wagen sicher gutgetan. Auf kurvigen Landstraßen liegt er gut in der Spur. Die Lenkung ist präzis und zielgenau, beim 5 Liter nochmals nachgetunt. Die Bremsen sprachen bei den Testfahrten über Autobahnen und enge Landstraßen sehr direkt an und waren standfest. Wenn auch das Fahrwerk des V8 deutlich straffer ist, die Handschaltung leichter (ein Doppelkupplungsgetriebe wird nicht angeboten, dafür eine Sechsgang-Wandler-Automatik) und das Handling direkter, wirkt der Motor mit seinen 421 PS eingeschnürt. Auch istrder typische Achtzylindersound aus den Auspuffrohren nicht zu vernehmen. Ein Soundgenerator spielt seine Melodie ins Fahrzeuginnere.

Durstiger V8 zu kleinem Preis


Nimmt man nun den Testverbrauch von knapp 20 Liter hinzu, stellt sich schon die Frage, ob der 2,3 Liter Motor mit deutlich geringerem Verbrauch von 12,2 l nicht die bessere Wahl ist – zumal im Cabrio. Das ficht die V8-Liebhaber nicht an. Denn auch der Preis ist der Hammer. 40.000 Euro wird für die Einstiegsvariante des V8 aufgerufen und damit ist er der preisgünstigste Achtzylinder Sportwagen in Europa. 5.000 Euro billiger und damit 35.000 Euro kostet der Sechszylinder mit Turboaufladung.

Auch das ist ein Hammer: Denn in den USA startet der Mustang mit 23.800 Dollar oder 21.800 Euro. Auch wenn Zoll, europäische Standards und Fahrwerksabstimmung aufgerechnet werden, bleibt eine beachtliche Differenz. Ford schätzt, dass anfangs die V8 ihre Liebhaber finden werden und dass sich dann das Verhältnis auf 40 : 60 einpendeln wird und die kleine Motorisierung vorn liegt.

Dass der Mustang noch mehr kann, beweist Shelby. Der Ford Mustang Shelby mit der aufgerichteten Cobra in Angriffsstellung leistet dann als aufgemotztes Pony Car mit dem 5,2 Liter V8 über 500 PS. Und bevor ich es vergesse, der 68er Mustang von Ulrich Kempski hat auch vom Run auf die Youngtimer profitiert. Alte Mustangs werden zwischen 9- und 190-tausend Euro angeboten.

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