In der Spur zum autonomen Fahren: Die neue Mercedes E-Klasse
In der Spur zum autonomen Fahren: Die neue Mercedes E-KlasseFoto-Quelle: press photo, do not use for advertising purposes

In der Spur zum autonomen Fahren: Die neue Mercedes E-Klasse

Wolfgang Stegers
Beitrag von Wolfgang Stegers

Wenn heute neue Automodelle vorgestellt werden, dann sind es oft weniger die berauschenden Formen und die neuen Designlinien, die die Nachfolger auszeichnen. Denn jede Automobilfirma pflegt ihr „Markengesicht“ und die unterschiedlichen Modelle ordnen sich ihm unter. Das geht dann so weit, dass sie nur noch von Spezialisten unterscheidbar werden.

Aber auch Unterscheidung des neuen zum Vorgängermodell wird immer schwieriger. Denn beim Wandel der Formen wird meist auf Evolution anstelle von Revolution gesetzt. Der Gedanke, des „never change a winning team“ mag dahinter stecken. Eigentlich erstaunlich in unserer schnelllebigen Zeit.

Der rasante Wandel der Fahrzeug-Elektronik


Die wahren Revolutionen finden unterm Blech statt. Dabei sind es weniger radikale Kehrtwendungen vom Benziner zum Plugin-Hybrid, die hier einen Umbruch dokumentieren. Dazu sind die Stückzahlen zu gering, die Preise zu hoch und die Skepsis der Käufer zu groß.

Es ist die Elektronik und ihr rasanter Wandel, die Ingenieure wie Fahrer gewaltig aufmischen. Da kann man nun sagen, „all das brauche ich nicht“ oder „früher war es auch nicht notwendig“, aber diese Verweigerungshaltung erinnert mich an die Zeit, als die ersten Farbfernseher auf den Markt kamen. Selbst die Kunstgattung des Schwarz-Weiß-Films musste den Farbverächtern als Argument herhalten. Aber kaum hatten die Protestler eine Farbglotze daheim, wollten sie nimmer schwarz-weiß sehen.

Kaum anders ist auch mit den Assistenzsystemen. Auf ABS, ESP, Airbag mag heute keiner mehr verzichten und manche Helfer „gehören“ einfach zum Auto dazu. Dieses Netz an elektronischen Systemen wird immer dichter und immer mehr Funktionen lassen sich ableiten, weil eine Fülle an Daten aufgenommen werden können, wahrgenommen von Sensoren während der Fahrt vom Fahrzeug und seiner Umgebung. Sie werden bewertet und so verknüpft, dass sie dem Fahrer helfen können, seinen Wagen sicher zu bewegen. Immer stärker sind diese elektronischen Beobachtungen aber von solch einer Güte, dass sie das Können des Fahrers überschreiten. Dadurch werden Unfälle vermieden.

Vom unfallfreien Lenken zum autonomen Fahren


Zu Ende gedacht, ist damit der unfallfreie Verkehr erreicht. Es ist der Schritt von passiver zu aktiver Sicherheit. Aber wenn die Maschinen-Intelligenz im Fahrzeug dieses sicherer lenken kann als der Fahrer, warum soll er dann noch das Auto steuern? Die können doch autonom fahren. Denn ein unfallfrei sich bewegendes Fahrzeug muss die Situationen die Gefahren erkennen und bannen. Ein autonom fahrendes Auto muss unfallfrei sich bewegen. Ohne menschliche Eingriffe.

Diesem Zustand nähern wir uns immer stärker an. Wenn bei einem Mosaik viele einzelne Steinchen das Bild ergeben, so ist es jetzt beim Auto mit den vielen verknüpften Assistenzsystemen auch. Ist es nicht wunderbar, aus dem Fahrzeug bequem auszusteigen und dann mittels Smartphone-Bedienung automatisch einparken zu lassen? Egal ob in der eigenen Garage oder im innerstädtischen Straßenverkehr. Die im nächsten Jahre auf den Markt kommende Mercedes E-Klasse wird mit etlichen solch vollkommen neuer Systeme aufwarten.

Autobahn oder Stadtverkehr: Die Systeme behalten den Überblick


„Unser Fahrassistenz-Paket der vierten Generation ist jetzt in der Lage, den Fahrer bei Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h im fließenden Verkehr, in der Kolonne und im Stau größtmöglich zu unterstützen“, sagt Michael Hafner. Er verantwortet beim Mercedes die Fahrassistenzsysteme und die aktive Sicherheit. Das bedeutet, auf Autobahnen, Landstraßen und selbst in der Stadt, greift die Bremse aktiv ein, um einen Unfall zu vermeiden. Sollte das aber nicht mehr gelingen, so wird auf jeden Fall die Schwere gemildert, da der Fahrer diese Situation nicht erkannt und auch nicht reagiert hat.

Einfaches Beispiel dafür ist ein Stauende. Wird es kritisch, Warnung an den Fahrer. Gleichzeitig bereitet das System eine Notbremsung vor. Reagiert der Fahrer nicht, die Notbremsung startet.

Mit der Car-to-X-Kommunikation werden noch unsichtbare Hindernisse und Gefahren ins Fahrzeug gemeldet – etwa ein Unfall oder Glatteis. Diese Warnungen werden von anderen Fahrzeugen, die diese Stellen passiert haben, über das Handynetz an einen zentralen Rechner gemeldet. Aus der „Cloud“ werden sie an die Fahrzeuge auf dieser Route weitergeleitet. Dazu ist nicht erforderlich, spezielle Nachrichten von Beteiligten oder Unfallzeugen zu senden. Das System generiert sie automatisch.

Das Smartphone wird zum aktiven Fahrzeugschlüssel und Verwalter


Das Smartphone wird immer mehr ins Auto eingebunden. Nicht nur das automatische Einparken lässt sich mit ihm steuern, es dient auch als Fahrzeugschlüssel.

Noch ist das Mosaik der aktiven und intelligenten Assistenzsysteme nicht so vollständig, dass vollkommen automatisiert gefahren werden könnte. Aber es könne schon beachtliche Wegstrecken sicher und unfallfrei zurückgelegt werden. Immer mehr Aufgaben werden so an das autonome Fahren übergeben. Welche es sind, darüber bestimmt der Fahrer. Und er wird auch immer selbstbestimmt in den Regelkreis eingreifen und die Automatik übersteuern können. Etwa dann, wenn er sich entscheidet, vor dem Stauende nicht zu bremsen, sondern auf den Standstreifen auszuweichen, um einen längeren Anhalteweg zu gewinnen.