In altem Blech zu neuer Coolness. Nirgendwann geht das besser als in der ber ...
In altem Blech zu neuer Coolness. Nirgendwann geht das besser als in der berühmten „Mitte des Lebens“.Foto-Quelle: ©jackfrog - stock.adobe.com

Easy Rider: Damit cruist du cool in deinen zweiten Frühling

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Durst auf Benzin? Hunger auf geschwungenes Blech? Keine Sorge, das ist keine Midlife-Crisis, das ist dein Herz, das dir sagt, dass das richtige Alter gekommen ist, um automobilen Spaß zu haben. Doch nicht mit irgendwelchen modernen Untersätzen.

„Get your motor runnin' / Head out on the highway / Lookin' for adventure / And whatever comes our way“ – Steppenwolf, Born To Be Wild.

Wenn die Kinder aus dem Haus sind, beginnt für so manche einer der schönsten Zeiten ihres Lebens: Man ist zwar gereift, hat viele Lebensstürme überstanden, aber die Alterszipperlein halten sich noch in Grenzen und vor allem stimmt, wo die Kids ihren Lebensunterhalt nun selbst bestreiten, auch der Kontostand wieder, um sich mal was zu gönnen.
Interessanterweise zeichnet sich das häufig durch einen plötzlichen Schub von Benzindurst aus, der sich zudem oft in Richtung der Fahrzeuge bewegt, die man sich in der Jugend- und Elternzeit nie leisten konnte – und sei es aus Vernunftgründen. Wer ebenfalls darunter leidet, sollte unseren folgenden Artikel gut durchlesen. Hier zeigen wir nicht nur, welche zwei- und vierrädrigen Vehikel diesen Durst besonders gut stillen, sondern auch, welcher Look dabei gut ankommt.

1. Easy Rider auf vier Rädern

Beginnen wollen wir dabei mit Autos. Und schon da gilt, was auch im gesamten Artikel gilt: Es muss nicht das Teuerste sein. Cooles Altblech gibt’s auch (teilweise) für unter 10.000 Euro. Nur Original mit Hüftschwung: American Muscle Cars Überblick: Für viele US-Automobilenthusiasten ist die Phase zwischen 1965 und 1973 die mit Abstand schönste. Denn da war die sogenannte Coke-Bottle-Shape das Autodesign-Pflichtprogramm. Wagen, deren Seitenlinie durch einen markanten Hüftschwung geprägt wurde, der an eine Coca-Cola-Flasche erinnerte. Selbst die spießigste Familienkutsche konnte noch damit aufwarten. Doch am prägnantesten waren Muscle Cars. Deren Formel war ganz einfach: Man zeichne ein Coke-Bottle-Coupe, gebe ihm eine einfache, günstige Ausstattung und packe den fettesten, leistungs- und hubraumstärksten V8-Motor hinein, den man auf Lager hat. Fertig ist der Muscle-Car, deren Karriere Anfang der 70er nur deshalb endete, weil die US-Versicherer Sturm gegen die bis zu 500PS stemmenden Hubraummonster liefen und außerdem die ersten Abgasnormen eingeführt wurden.

Der typische 60s-Hüftschwung gehört zum Attraktivsten, was Autodesigner je ersannen. Aber bei Muscle Cars hat das seinen Preis.
©rrudenkois - stock.adobe.comDer typische 60s-Hüftschwung gehört zum Attraktivsten, was Autodesigner je ersannen. Aber bei Muscle Cars hat das seinen Preis.

(Kauf-)Tipps: Eins bereits vorweg: Muscle Cars sind arg teuer geworden. Selbst in schlechtem Zustand kann man locker 20.000 Euro einplanen – erst recht hier in Deutschland, wo der Markt viel kleiner ist. Das hat aber wenigstens einen Vorteil, denn gerade, weil Muscle Cars so begehrt sind, gibt es in ihrem Heimatland viele schlecht restaurierte Blender. Was hier zumindest schon mal einen TÜV gesehen hat, ist ungleich besser. Eine kleine Auswahl:

  • 1967 Pontiac GTO
  • 1970 Oldsmobile 442
  • 1970 Plymouth Barracuda
  • 1969 Mercury Cougar
  • 1969 Plymouth Road Runner
  • 1968 Chevy Nova
  • 1969 AMC Javelin
  • 1967 Chevy Camaro
  • 1970 Ford Torino
  • 1969 Dodge Charger

Dabei muss aber unterstrichen werden, dass gerade Dodge Charger und die beiden Plymouths enorm teuer sind. Für einen vollrestaurierten 1970er Hemi-Barracuda bekommt man eine brandneue S Klasse. Wer Günstig-Muscles will, sollte daher auf kleiner motorisierte Varianten schauen und ggf. durch einen zugekauften Motor aufrüsten.

Nüchtern und effizient: Deutscher Luxus der 80er

Überblick: Es gibt Autos, da hat man automatisch einen Sound im Hinterkopf. Bei der Elite des deutschen Mobilbaus der 1980er dürften das technisch-elektronische Klänge im Stil von Kraftwerk oder FYH8DsU2WCk[/youtube]]New Orders legendärem Hit „Blue Monday“ sein. Denn genau das waren diese Fahrzeuge: Nüchtern wie ein elektronisches Schaltkreis-Board, aber genau dadurch auch auf seltsame Weise hochemotional.

In den 80ern wurden im deutschen Automobilbau viele Schritte getan, von denen wir heute noch zehren. Die ersten Airbags, geregelte Kats, elektronische Einspritzanlagen. Und das alles in einem unaufgeregten, enorm zeitlosen Design (welches nur Banausen langweilig nennen würden), das auch im heutigen Verkehr kaum heraussticht und sich problemlos im Alltag bewegen lässt.
(Kauf-)Tipps: Schon die dargelegten Argumente können so manchen Benzindurstigen erfreuen. Aber es kommt noch etwas hinzu: Das, was damals als automobile Oberklasse hohe fünf- bis sechsstellige D-Mark-Summen kostete, ist heute für kleines Geld im teilweise sogar vierstelligen Bereich zu haben – und zwar TÜV-tauglich. Doch wonach sollte man sich umsehen?

  • • Mercedes W126 S-Klasse
  • • BMW E23 7er
  • • BMW E32 7er
  • • Audi V8
  • • Opel Senator A1/A2/Monza (Coupé)
  • • Ford Scorpio ´86

Einen Wermutstropfen gibt es aber bei all diesen Luxus-Schätzchen: Sie gehören zur ersten Elektronik-Auto-Generation. Das kann Fehlersuchen ziemlich aufwendig und teuer machen.

Heißblütige Exoten mit Turbinensound: Wankelmotor-Fahrzeuge

Überblick: Alle Autos seit der wegweisenden Fahrt einer Bertha Benz 1888 werden vom gleichen Verbrennungsmotorprinzip angetrieben, dem des Hubkolbenmotors. Wirklich alle? Nein, ein kleines Häuflein Ingenieure wollte das nie akzeptieren und setzte immer wieder auf ein vollkommen anderes Prinzip, den Rotationskolbenmotor, besser bekannt unter dem Namen seines Erfinders Felix Wankel. Ein extrem drehfreudiges, unglaublich laufruhiges Triebwerk, welches seit den 50ern Enthusiasten erfreut.
(Kauf-)Tipps: Die Liste an Serienfahrzeugen mit Wankelmotor ist jedoch kurz, beschränkt sich hauptsächlich auf den NSU Ro 80 sowie einige Mazda-Modelle. Das liegt daran, dass der Motor einige inhärente Schwächen hat und sehr gut gepflegt werden muss. Wer einen möchte, sollte zuvor erst mal prüfen, ob es in seiner Nähe Werkstätten gibt, die dieses delikate Triebwerk warten und reparieren können.

Beim Wankel gibt’s kein Kolben-Up-and-Down, da dreht sich alles im Kreis. Das Ergebnis: Die laufruhigsten Verbrennungsmotoren von allen.
©Mediagram - stock.adobe.comBeim Wankel gibt’s kein Kolben-Up-and-Down, da dreht sich alles im Kreis. Das Ergebnis: Die laufruhigsten Verbrennungsmotoren von allen.

So Retro wie möglich: Familienautos der 70er

Überblick: Wer diesen Artikel liest, wird wahrscheinlich seine Kindheits-Ausfahrten auf der Rückbank von VW K70, Opel Ascona, Ford Taunus absolviert haben. Ganz abgesehen von diesem emotionalen Argument können all die großen und kleinen Brot-und-Butter-Autos der 70er heute damit überzeugen, dass sie extrem einfache Technik mit Großserienherstellung und einem einzigartigen Design verbinden. Das macht die Ersatzteillage auch heute noch recht gut, zumal es nirgendwo einfacher ist, auch als Laie selbst zu schrauben – und haben wir schon die meist geringen Anschaffungspreise erwähnt?
(Kauf-)Tipps: Alle Familienautos der 70er aufzulisten, würde diesen Artikel sprengen. Wir empfehlen daher, einfach mal in seinen Kindheitserinnerungen oder Fotoalben zu stöbern, um ein passendes Modell zu finden. Allerdings muss man eines beachten: Gerade in den 70ern waren sowohl Karosseriebleche wie Rostvorsorge oft unheimlich schlecht. Schweißgerät und -fähigkeiten sind für Besitzer praktisch Pflicht.

Tuning wie zu Rock ´n´ Roll-Zeiten: Hotrods

Überblick: In den 1950ern begannen Jugendliche erstmals, Autos aufzumotzen – ein zuvor unbekanntes Phänomen. Damals wie heute nach dem gleichen Prinzip: Altes Auto, erleichtertes Gewicht, frisierter Motor. Und weil das in jenen Jahren vor allem Vorkriegsfahrzeuge à la Ford-Model-A waren, bildete sich ein eigener Look heraus, der Hotrod. Ein typischer Oldtimer, oft mit gechopptem (= tiefergelegtem) Dach, abmontierten Kotflügeln und ohne Motorhaube. Vor allem in Amerika wird diese Kultur bis heute, etwa auf der Monterey Car Week, zelebriert.

Da bekommen TÜV-Prüfer Schweißausbrüche. Leider macht das Hotrods aber auch zu buchstäblich heißen Eisen im deutschen Straßen-Gesetzesdschungel.
©harlequin9 - stock.adobe.comDa bekommen TÜV-Prüfer Schweißausbrüche. Leider macht das Hotrods aber auch zu buchstäblich heißen Eisen im deutschen Straßen-Gesetzesdschungel.

(Kauf-)Tipps: Dass man in Deutschland viel weniger Hotrods sieht, liegt an den Gesetzen. Denn sehr vieles, was einen echten Hotrod ausmacht, ist hierzulande illegal – etwa die freistehenden Räder, der offene Motor. Das macht gewisse Umgehungen für den „German-Rod“ nötig, was viele Puristen abschreckt, aber durchaus gehandelt werden kann, wenn man von Anfang an einen begleitenden TÜV-Prüfer dabeihat. Und alltagstauglich sind die Fahrzeuge ebenfalls nicht. Zudem: Das Grundmaterial, also ein Vorkriegs-Oldtimer, ist in der Anschaffung schon ziemlich teuer. Viele schrecken davor zurück, dort den Winkelschleifer anzusetzen.

Power ohne Ende: Klassische Sportler

Überblick: Wer heute in den besten Jahren ist, hat in seinen Kindheits- und Teenagerjahren eine Menge Kult-Sportfahrzeuge gesehen. Damals unerschwinglich. Doch heute? Natürlich ist ein 1975er 911er Turbo auch heute noch enorm teuer. Aber andere Sportler von damals sind heute weitaus günstiger, kosten höchstens den Gegenwert eines modernen Neuwagens. Dafür bekommt man reinrassige Sportlichkeit. Zwar nicht mit heutigen PS-Zahlen, dafür aber einer Ausstattung ohne (elektronischen) Schnickschnack und einem enorm puristischen Fahrgefühl.
(Kauf-)Tipps: Klar könnten wir jetzt einen Lamborghini Countach anführen. Aber es geht ja um Autos, die man sich leisten kann. Doch auch da gibt es große Namen:

  • • Ferrari Dino 208
  • • Porsche 944
  • • Porsche 924
  • • Fiat X1/9
  • • Chevy Corvette ab 1973
  • • Opel GT
  • • Ferrari Mondial 8

Übrigens: auch der legendäre 911er-Porsche ist nicht generell teuer. Die kleiner motorisierten Exemplare sind sogar ziemlich günstig. Generell sei aber bei diesen günstigen Sportlern vor „Bastelbuden“ gewarnt, an denen sich viele Vorbesitzer austobten.

2. Easy Rider auf zwei Rädern

Müssen es immer vier Räder sein? Wir sagen nein. Benzindurst kann auch auf zwei Reifen gestillt werden – teilweise sogar noch besser und fast immer günstiger. Subkultur in british Steel: Cafe Racer Überblick: Und da wollen wir mit der wohl einzigen Motorrad-Klasse anfangen, die ihre eigene Jugend-Subkultur vorweisen kann, Cafe Racer. Umgebaute Serienmotorräder der frühen 60er, mit denen sich Jugendliche vor dem legendären Londoner Ace Cafe trafen. Diese Bikes sind fast das zweirädrige Äquivalent zum Hotrod: Keine Verkleidungen, kurze Stummellenker, noch kürzerer Sozius. Sportliche Motorräder für Puristen – allerdings ohne jeglichen Komfort.

Kurzes Heck, puristische Ausstattung. Das macht Cafe Racer auch heute noch attraktiv. Zudem taugen sehr viele Bikes als Umbau-Ausgangsbasis.
©Kaponia Aliaksei - stock.adobe.comKurzes Heck, puristische Ausstattung. Das macht Cafe Racer auch heute noch attraktiv. Zudem taugen sehr viele Bikes als Umbau-Ausgangsbasis.

(Kauf-)Tipps: Das wohl wichtigste Merkmal des Cafe Racers ist seine Nacktheit. Kein überflüssiges Gramm zu viel und bloß nichts, was irgendwie den cleanen Look stört. Das kann in Deutschland zumindest an einem Punkt zum Problem werden, dem Kennzeichen. Denn die Mindestgröße von Kennzeichen ist in Deutschland genormt, und zwar auf eine feste Höhe von 20cm bei 18cm Mindestbreite. Zudem darf das „Kuchenblech“ höchstens 120cm über dem Boden (Kennzeichen-Oberkante) hängen, nicht mehr als 30 Grad geneigt sein und muss beleuchtet werden. Kritisch, wenn man das an eine BSA Rocket 3 oder ähnliche Cafe Racer mit ultrakurzem Heck montieren will. Daher raten wir auch hier, vor einem Umbau einen TÜV-Prüfer als Ansprechpartner mit ins Boot zu nehmen. Dann aber hat man die große Leichtigkeit des Seins. Denn zum Cafe Racer umbauen kann man praktisch jedes Motorrad der 60er bis 80er. Heute kommen dafür meistens Honda-CB-Modelle sowie die BMW-R-Baureihe zur Verwendung, weil die originalen Briten-Klassiker dafür zu rar sind.

Blubbersound aus dem Drehzahlkeller: US-Chopper

Überblick: Muss man einen Chopper noch erklären? Großvolumiger V2-Motor, dicker Look, oft eine ziemlich lange Frontgabel und manchmal ein noch längerer Lenker (sogenannte Monkey Hanger). Doch auch wenn es diverse Japan-Chopper gibt, wirklich zum Easy Rider wird man nur, wenn auf dem Tank Harley Davidson steht. Aber: Dafür gibt es auch Bikes, die wie kaum ein zweites zum coolen Cruisen einladen.
(Kauf-)Tipps: Die Marken-Singularität macht es aber auch einfach: Praktisch jede Harley, die jemals gebaut wurde, ist bereits ein Chopper. Wer eine aus dem Easy-Rider-Kultfilm besitzen möchte, braucht sogenannte Hydra-Glide-Modelle aus den 50ern. Allerdings kann man auch zum nächsten Harley-Händler fahren. Insbesondere das Modell Forty-Eight bringt schon ab Werk alles mit, was früher teuer umgebaut werden musste.

Wie früher, nur ohne Geldprobleme: Mofas und Mopeds

Überblick: Zahlreiche Zweitaktmotoren knatterten einstmals über Deutschlands Straßen, weil so viele mit Mofas und Mopeds unterwegs waren. Nicht die schlechteste Idee, heute damit in den zweiten Frühling zu cruisen. Denn die Mini-Bikes sind spottbillig, unglaublich einfach zu reparieren und brauchen größtenteils bloß ein Versicherungskennzeichen zu ca. 25 Euro pro Jahr. Dafür gibt es das höchst kultige Gefühl, mit etwas unterwegs zu sein, mit dem man schon als Jugendlicher die Straßen unsicher machte. Doch Vorsicht: Was damals an Tuning illegal war, ist es heute auch noch. Und für die, die sich nicht mehr genau an den Unterschied erinnern:
• Mofas dürfen maximal 25km/h laufen, nur den Fahrer transportieren und benötigen nur eine Mofa-Prüfbescheinigung (gehört heute zum B-Klasse-Führerschein dazu)
• Mopeds dürfen je nach Baujahr bis zu 85km/h fahren, eine zweite Person mitführen und brauchen einen gesonderten Führerschein (dürfen aber mit Motorrad-Führerschein gefahren werden)

Sie sind keine Leistungsprotze und auch nichts für die Langstrecke. Alte Mofas und Mopeds haben ihre Stärken woanders – beim Charme.
©Timur Abasov - stock.adobe.comSie sind keine Leistungsprotze und auch nichts für die Langstrecke. Alte Mofas und Mopeds haben ihre Stärken woanders – beim Charme.

(Kauf-)Tipps: Natürlich bekommt man für die geringe Kaufsumme auch nur Mofa/Moped-Fahrleistungen, aber eben auch ein perfektes Alltagsvehikel für die Fahrt zum Supermarkt oder den flinken Ritt durch die Stadt. Damals wie heute sollte die Wahl auf die „großen Drei“ fallen:

  • • Kreidler Florett
  • • Hercules Prima 3/5
  • • Zündapp CS25
  • • Zündapp KS50

Sowie natürlich die Simson Schwalbe. Tipp: Mofas und Mopeds haben eine umfangreiche Club-Szene in Deutschland. Dort mitzumachen, ist fast Pflicht – schon deshalb, weil sich dort häufig die einzigen Ersatzteilquellen befinden.

Für die weite Welt: Tourer

Überblick: Alle bisher genannten Motorräder, mit Ausnahme einiger Chopper-Varianten, haben eines gemeinsam: Sie befinden sich eher am „robusten Ende“, was die Langstreckentauglichkeit anbelangt. Gerade als Best-Ager möchte man sich aber oft nicht mehr über Lenker beugen oder durch schlecht gefederte Hinterradschwingen seine Bandscheiben malträtieren. Dann sollte man zu Tourern greifen. Merkmal: Aufrechte Sitzposition, hoher Fahrkomfort. Alles ist auf Reisetauglichkeit ausgerichtet – inklusive großflächiger Verkleidungen und Stauräume.
(Kauf-)Tipps: Gerade wer vielleicht seit der Bundeswehrzeit kein Motorrad mehr gesteuert hat, sollte Tourer ins Auge fassen, denn sie gehören zu den gutmütigsten Bikes überhaupt – und sind in den modernen Varianten auch ziemlich üppig ausgestattet. Vor allem Honda und BMW widmen sich seit langem dieser Klasse, etwa:

  • • Honda Goldwing
  • • Honda Pan European
  • • Yamaha TDM900
  • • BMW R 1150
  • • BMW R 1100

Wer gebraucht kauft, wird schnell feststellen, dass die Bikes fast alle recht hohe Laufleistungen haben. Das ist aber nicht schlimm, denn die Technik ist gezielt auf Langlebigkeit ausgelegt.

Eine Kunstform für sich: Streetfighter

Überblick: Es soll Leser geben, denen selbst der wildeste Chopper oder Cafe Racer noch zu brav ist. Leser, für die Tuning mehr ist, als bloß Verkleidungen abzuschrauben. Wer sich dazu zählt, sollte sich einen Motorrad-Begriff einprägen: Streetfighter oder kurz, Fighter. Das sind die Tuning-Könige schlechthin und die Bad Boys der Motorradszene. Als Basis dienen immer hochpotente Supersportler im Stil einer Kawasaki ZX12R. Die werden nicht nur ihrer Verkleidung beraubt, sondern meistens auch das Heck gekürzt und hochgezogen, es werden teils an Horrorgesichter erinnernde Frontmasken und lange Hinterradschwingen verbaut oder sogar Turbolader installiert. Das Ergebnis sind dramatisch individualisierte Bikes, die teilweise schon den Titel „Kunstwerk“ verdienen.
(Kauf-)Tipps: Allerdings sei gewarnt: Fighter können ob der Tuningteile zum Eurograb werden. Und man ist mit einem so auffälligen Bike bei jeder Polizeikontrolle mit dabei. Einmal mehr raten wir hier dringend dazu, sich vor dem Umbau eines Serien-Motorrades mit dem TÜV kurzzuschließen, denn der Ärger um Eintragungen ist bei Streetfightern besonders hoch.
Wie schon bei den allerersten Fighter-Piloten empfiehlt es sich, auf Basismaschinen mit kleinen Unfallschrammen in den Verkleidungen zu setzen – die wird ja eh ausgebaut. Und dann sollte man einfach mal in der Google-Bildersuche „Streetfighter Bike“ eingeben und sich inspirieren lassen.

Streetfighter sind die zweirädrigen Bad Boys. Extrem umgebaut, extrem leistungsstark, aber eben auch extrem cool.
©Björn Lieschke - stock.adobe.comStreetfighter sind die zweirädrigen Bad Boys. Extrem umgebaut, extrem leistungsstark, aber eben auch extrem cool.

Niemals oben ohne: Kleines Helm-Einmaleins

Der letzte Punkt unseres Motorrad-Kapitels widmet sich dem Schutz, auf den man schon der Gesetze wegen nicht verzichten sollte, dem Helm. Klar ist, dass der Markt eine ganze Menge offeriert. Das ist schon dem Zeitgeist geschuldet – ein moderner Integralhelm auf einem 60er-Jahre-Chopper sieht einfach nach nichts aus. Doch das Problem ist, dass die Gesetzeslage sehr schwammig ist. Die früher gültige Pflicht zur ECE-Kennzeichnung ist mittlerweile aufgehoben, auch andere Prüfzeichen sind nun legal. Zudem gelten abweichende Vorschriften in den einzelnen EU-Ländern. Doch bei allem Hang zum richtigen Look sollte man darauf achten, dass auch Ohren- und Nacken geschützt werden. Die besonders bei Choppern gerne verwendeten Brain-Caps schützen kaum bei Stürzen.

3. Easy Rider auch nach außen

Wir kommen zum finalen Kapitel. Denn zum Bike oder Auto sollte auch der Look seines Trägers stimmen. Daher gibt’s jetzt noch ein paar Modetipps für maximale Coolness.
Die Lederjacke ist Pflicht
Egal ob hinterm Steuer eines 126er S-Klasse-Coupes oder auf einer Harley, die Lederjacke ist ein Muss. Allerdings wirkt die klassische Schott Perfecto (mit dem diagonalen Reißverschluss) reichlich altbacken. Wer es nüchterner will, setzt auf Modelle im Schnitt der sogenannten A2-Fliegerjacke.

Für die Lederjacke im Perfecto-Stil muss man der richtige Typ sein. Die breite Masse ist mit einem A2-Schnitt besser beraten.
©YakobchukOlena - stock.adobe.comFür die Lederjacke im Perfecto-Stil muss man der richtige Typ sein. Die breite Masse ist mit einem A2-Schnitt besser beraten.

Jeans – aber nicht aus dem Kaufhaus
Wilde Waschungen? Unregelmäßige Farben? Das hat im oder auf dem kultigen Altblech nichts verloren. Wer Jeansträger ist, sollte auf ganz dunkle (sogenanntes Raw Denim) Hosen in geraden Schnitten setzen. Tipp für Biker: Einige Hersteller von Motorradkleidung bieten auch Kevlar-verstärkte Jeans an, die als Schutzkleidung voll tauglich sind, aber sich optisch nicht von Levis und Co. unterscheiden.
Workboots machen was mit
Auch wenn Sneaker heute generationenübergreifend „erlaubt“ sind, jenseits der 50 wirken sie doch immer ein bisschen nach „Zwangs-Jugendlichem“. Besser ist es, seine Füße in Workboots in hell- oder dunkelbraunem Leder zu kleiden. Mit Doc Martens, Red Wing, Wolverine oder Caterpillar macht man nichts verkehrt.
Von Sonnenbrillen und Sonnenbrillen
Sonnenbrillen gibt’s so viele wie es normale Brillengestelle gibt. Als cooler Cruiser sind jedoch nur wenige Modelle wirklich erlaubt:

  • • Ray Ban Wayfarer
  • • Klassische Pilotenbrillen
  • • Wraparound-Brillen (die typischen „Rocker-Sonnenbrillen“)

Bitte darauf achten, dass das Modell in jedem Fall nach UV-400 gekennzeichnet ist. Nur die schützt selbst bei grellem Licht vor allen UV-Strahlen-Varianten.

Achtung, Peinlichkeitspotenzial
Bei allem Hang zur Coolness sollte man jedoch Dinge vermeiden, die nur „pseudo-cool“ wirken. Da wären beispielsweise Baseball-Kappen mit dem Markenlogo des gefahrenen Autos. Auch vermeintlich andere Retro-Stücke wie Hawaiihemden, „Opa-Cordhosen“ oder diverse weitere Hüte sind ebenso uncool. Und so sehr es früher auch Trend war: Wackeldackel und gehäkelte Klorolle auf der Hutablage sind ebenfalls nicht kultig, sondern ob ihres Revivals Anfang der 00er ebenfalls ziemlich peinlich.

Fazit

Es ist absolut okay, sich in den besten Jahren Träume zu erfüllen, die vorher einfach nicht drin waren. Aber auch an Steuer oder Lenker seines Jugendtraumes gilt: Coolness kann man nicht kaufen, die kommt nur, wenn man auch eine coole Haltung an den Tag legt – passend für Menschen, die jugendliche Heißspornigkeit nun hinter sich gelassen haben.