Özdemir gesteht Fehler der Grünen in Flüchtlingspolitik ein
Özdemir gesteht Fehler der Grünen in Flüchtlingspolitik ein

Özdemir gesteht Fehler der Grünen in Flüchtlingspolitik ein

News Team
Beitrag von News Team

Der scheidende Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat seine Partei aufgefordert, sich verstärkt um neue Wählergruppen zu bemühen. "In der Mitte der Gesellschaft erwarten viele, von uns angesprochen zu werden", sagte Özdemir im WELT-Interview. "Das ist die Aufgabe des neuen Vorstandes, und dabei werde ich helfen." Wer die Bundestagswahlergebnisse analysiere, stelle fest, dass die Grünen gerade in den Bundesländern, in denen sie eine solche Politik der gesellschaftlichen Öffnung machten, dazugewonnen hätten, allen voran in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg." In Abgrenzung zur Definition der Grünen als Partei der linken Mitte, wie sie parteiintern verbreitet ist, sagte der Realo Özdemir: "Derjenige, für den die Verteilungsfrage im Mittelpunkt steht, wählt eher die Linkspartei oder die SPD."

"Belastende Dinge" durch Flüchtlinge


In der Flüchtlingspolitik gestand Özdemir Fehler ein: "Selbstkritisch würde ich schon hinzufügen, dass wir deutlicher hätten machen können, wie Zuwanderung gesteuert werden muss", so Özdemir. "Man muss eben auch aussprechen, dass Menschen, die als Flüchtlinge kommen, mitunter eben auch Dinge mitbringen, die für eine Gesellschaft belastend sein können. Von den eigenen Gewalterfahrungen, die man ja nicht an der Garderobe abgeben kann, über ein oft problematisches Frauenbild bis zu einem gelegentlich eingeimpften Antisemitismus", erklärte er. "Über all diese Dinge müssen wir mehr reden."

"Das ist ein radikaler Ansatz"


"Es ist nicht derjenige der humanste, der sich bemüht, möglichst viele Flüchtlinge aufzunehmen, sondern das vornehmste Ziel muss es doch sein, dafür zu sorgen, dass möglichst wenige Menschen gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen", sagte Özdemir. "Darum sollten die Grünen die Schrittmacher der Debatte sein, wie sich Fluchtursachen bekämpfen lassen. Das ist ein sehr radikaler Ansatz, der beispielsweise unsere Außenhandelsabkommen mit afrikanischen Staaten auf den Prüfstand stellt."