Am 26. August kam es zu Ausschreitungen in Chemnitz
Am 26. August kam es zu Ausschreitungen in ChemnitzFoto-Quelle: Bit Project News

Hetzjagden in Chemnitz: Verfassungsschutz-Chef Maaßen zweifelt an der Echtheit der Videobilder

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Beitrag von News Team

Hans Georg-Maßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz zweifelt an den Vorkommnissen in Chemnitz.

Die Skepsis gegenüber den Medienberichten zu rechtsextremistischen Hetzjagden in Chemnitz werden von mir geteilt. Es liegen dem Verfassungsschutz keine belastbaren Informationen darüber vor, dass solche Hetzjagden stattgefunden haben

, sagte er der "Bild".

Ein im Internet geteiltes Video, das zeigt, wie ausländisch aussehende Menschen durch die Straßen gejagt werden, sieht er kritisch. Es gebe keine Belege, die die Authentizität des Videos untermauern würden.

Nach meiner vorsichtigen Bewertung sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken.

"Kein Mob, keine Hetzjagd, kein Pogrom"


Maaßen schließt sich damit dem sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer an. Der hatte vor zwei Tagen mit einer öffentlichen Regierungserklärung für Furore gesorgt, als er mitteilte, dass es in Chemnitz keinen Mob, keine Hetzjagd und kein Pogrom gegeben habe.

Nach dem gewaltsamen Tod eines 35-jährigen am Rande des Chemnitzer Stadtfestes vor knapp zwei Wochen, war es in der Innenstadt zu teils gewalttätigen Ausschreitungen gekommen.

Journalisten vor Ort empört über Verharmlosung


Gegen Maaßens und Kretschmers Standpunkt spricht die Twitter-Berichterstattung eines freien Zeit-Journalisten vor Ort. Johannes Grunert bestätigte gegenüber der "Bild", die Szenen auf dem Johannisplatz, wie sie auf dem Video zu sehen sind, selbst beobachtet zu haben.

Er postete auf Twitter einen Clip einer Frau namens Rola – einer Mitarbeiterin von "Jugend ohne Grenzen" - die sich am 26. August den Nazis in den Weg gestellt und sie beschimpft hatte. Das Video zeigt, wie Rola selbst angegriffen und schließlich von der Polizei weggeschickt worden war.


Der T-Online-Journalist Lars Wienand verurteilte die verharmlosende Aussage des Verfassungsschutz-Chefs.

Es gibt keine definierten Kriterien, wann eine Hetzjagd vorliegt. Was für die einen eine ist, ist für die anderen noch keine. Beide können recht haben. Aber wer die Schwelle hoch legt und Wahrheitsanspruch erhebt, steht für eine Verrohung unserer Welt.

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VIDEO! Ausschreitungen in Chemnitz nach tödlichem Messerangriff