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Polizist erzählt die ungeschminkte Wahrheit über  den Einsatz im Hambacher F ...

Polizist erzählt die ungeschminkte Wahrheit über den Einsatz im Hambacher Forst

News Team
27.09.2018, 15:35 Uhr
Beitrag von News Team

Im Hambacher Forst spielt sich seit Wochen vor den Augen der Öffentlichkeit eine schwere Auseinandersetzung ab. Umweltschützer, friedlich gesinnte und radikale, stellen sich den von RWE beauftragten Motorsägen entgegen. Die Polizei ist mit vielen Kräften im Einsatz - immer wieder kommt es zu Zusammenstößen.

Jetzt hat ein Polizist auf der Facebook-Seite Polizist=Mensch berichtet, wie er den Einsatz im Forst wahrnimmt.
Man mag über die Abholzung denken was man möchte, ob es nun Recht oder Unrecht ist. Für mich zumindest muss ich ganz ehrlich sagen, gibt es weitaus größere Probleme, denen wir uns mit voller Inbrunst widmen sollten.

Natürlich ist unsere Umwelt wichtig, dies möchte ich auch nicht bestreiten. Aber mal ehrlich, 100 Hektar Wald, um die es jetzt noch geht, werden unser Klima nicht beeinflussen. Ich möchte auch nicht für einen Konzern sprechen, aber was hier im Gegenzug geschaffen wurde, darf man nicht vergessen.

Nun ja, nun aber zum eigentlichen Thema...

Seit einigen Tagen bin ich nun im Hambi eingesetzt und ich muss sagen, dass man hier eigentlich alles erlebt... Von Verständnis für uns, aber eben auch tiefste Ablehnung und Hass. Es gibt hier die, die protestieren und friedlich dabei sind. Die hören, wenn wir Ansagen machen und diesen auch Folge leisten.

Doch dann gibt es auch diejenigen, die mit Fäkalien auf uns werfen, die uns Mord an dem Verunfallten jungen Mann vorwerfen, die uns beschimpfen, beleidigen. Steine und Flaschen fliegen. Stahlkugeln werden mit Zwillen auf uns geschossen. Wir kennen dies ja schon, naja bis auf die Fäkalien, und können damit umgehen.

Kot und Urin werden in Eimern gesammelt und auf uns gekippt. Dies ist schon seit Tagen immer wieder so. Mal mehr, mal weniger. Man muss auch dazu sagen, dass diese sogenannten Aktivisten genau wissen was sie zu sich nehmen müssen, dass der Kot eher flüssig ist und ehrlich gesagt auch erbärmlich stinkt. Pfefferminzöl und Desinfektionsmittel sind derzeit meine ständigen Begleiter. Vielleicht sind dies gerade Informationen die ihr nicht lesen wollt, aber ihr solltet es wissen.

Des Weiteren habe ich gesehen wie der Wald teilweise zugemüllt wurde.. Sorry, aber auf der einen Seite sich für die Umwelt einsetzen wollen und dann den Müll liegen lassen, passt nicht zusammen.

An dem Tag, als der junge Mann abgestürzt ist, war ich zwar nicht in der Nähe, aber auch nicht so weit entfernt um die Parolen, die gerufen wurden, zu überhören. Es war blanker Hass der gegenüber uns aus dem Gerufenen heraus zu hören war. Es war ein bedauerlicher und sehr tragischer Unfall, der auch uns zutiefst geschockt hat. Auch an uns geht dies nicht spurlos vorbei.

Des Weiteren werden wir kritisiert, dass wir Spaziergänger nicht in den Wald lassen. Man muss dabei aber sehen, dass der Hambacher Forst als gefährlicher Ort eingestuft wurde, wegen oben genannter Angriffe. Kollegen wurden hier verletzt, Angriffe auf RWE Mitarbeiter gestartet.



Polizeigewalt wird gerufen, wenn wir unmittelbaren Zwang anwenden müssen, weil Personen sich unseren Anweisungen widersetzen. Die Besetzung ist illegal und das ist Fakt. Gerichte haben für die Räumung entschieden und es ist Aufgabe von uns, der Exekutive, dies auch um- und durchzusetzen. Es wurden immer wieder Ansagen gemacht, dass, wenn unseren Anweisungen nicht Folge geleistet wird, Aktionen von uns gestartet werden. Wer sich dann sperrt, meint eine Polizeikette durchbrechen zu müssen oder uns angreift, muss mit den Folgen leben.

Ich denke, Kollegen die hier länger eingesetzt sind können noch weitaus mehr erzählen als ich. Vielleicht gehen sie ja auch diesen Weg und erzählen ihre ekligen oder auch schönen Geschichten aus dem Hambi.

Dieser Einsatz wird uns noch Wochen beschäftigen, sei es hier vor Ort oder wenn wir wieder zuhause sind. Neue Kollegen werden nachrücken für die, die nach Hause zu ihren Familien dürfen.

Wir hoffen hier alle, dass die Lage nicht weiter eskaliert. Es ist genug passiert...

Ich weiß, ich werde für meinen Text nicht nur positive Kommentare ernten, aber es ist wie im Dienst. Ich kann sehr gut damit leben.

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7 Kommentare

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Protest muss manchmal laut sein , ok das mit der Sch... war übertrieben.
Aber was wäre gewesen, wenn man den Aktivisten gesagt hätte sie sollen gehen, diese dann wirklich gegangen wären???
Nicht mit einem Satz wäre etwas in den Medien aufgetaucht, und RWE und deren Politikmarionetten hätten gewonnen.
So mögen sie auch gewinnen, wenn man die sinnlose Abholzung als Gewinn betrachtet, aber wenigstens weiß die Welt was für Charaktere diese Politiker und Manager sind.
  • 04.10.2018, 17:47 Uhr
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Kommentar Teil 2

Mehr Facebook © 2018
Polizist=Mensch
28.09.2018


... weiter geht's mit dem Text:

Natürlich, ich darf nicht streiken. Ich kann nicht willkürlich den Dienst verweigern. Ein Rechtsstaat funktioniert nur, weil es Menschen gibt, die ihren Dienst verrichten, auch wenn es mal ungemütlich wird. Und in diesem Job gehört es dazu, dass man mal gegen seine Überzeugungen arbeitet. Sei es bei Einsätzen im Streifendienst, sei es bei G20 oder beim Castor. Aber dieses Unternehmen lässt sich, meiner Meinung nach, mit keinem Sachverhalt vergleichen, sondern dient nur der Gewinnerhöhung eines Konzerns.

Ich wünsche allen Kollegen und Kolleginnen dass sie heile nach Hause kommen. Dass dieser Einsatz schnell vorbei geht. Und letztendlich hoffe ich auch irgendwie, dass diese Rodung doch noch ausfällt. Und dass in den Köpfen derer, die diese Welt lenken, endlich Vernunft einkehrt."

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Der Kollege ist uns namentlich bekannt, er möchte jedoch anonym bleiben. Diese Zeilen geben die persönliche Meinung des Autors wieder.
  • 28.09.2018, 22:25 Uhr
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Kommentar Teil 1

Mehr Facebook © 2018
Polizist=Mensch
28.09.2018

Gedanken eines Polizisten zum Einsatz im Hambacher Forst: Zwischen Gerichtsurteil und Lebensraum

"Nachdem der Konflikt um den Hambacher Forst seit Jahren unbemerkt verlief, zumindest überregional, prägt er seit vielen Tagen die täglichen Nachrichten. Während ich als Kollege diesen äußerst umstrittenen Einsatz ein paar hundert Kilometer entfernt in Nachrichten und sozialen Netzwerken verfolge, macht es mich jeden Tag wütender.

Es macht mich wütend, zu sehen, wie Kollegen und Kolleginnen dort im Wald vor einen Karren gespannt werden, den sie nicht ziehen sollten. Die Polizei sieht sich vielfach mit dem Vorwurf konfrontiert, zum Handlanger einer Firma zu werden. Klar, das nervt. Aber so sehr ich darüber nachdenke, ich komme unter dem Strich einfach nicht dagegen an. Auch wenn ich da die Politik eher in der Rolle des Handlangers sehe. Meine Kritik richtet sich in keinster Weise gegen die Kollegen und Kolleginnen, die dort eingesetzt sind.

Warum wäscht man hier die Wäsche eines milliardenschweren Konzerns, der für eine der dreckigsten Energien, gegen jegliche Vernunft und ohne Rücksicht einen riesigen Lebensraum abholzt? Ich sehe hier keinen Bürger in Not. Ich sehe keine Versammlung, die von unserer Verfassung abgedeckt ist und den entsprechenden Schutz erfordert. Ich sehe niemanden, der zum Schutz privater Rechte die Polizei hinzuzieht.

Ja na klar, es gab ein Gerichtsurteil. Wie war der schöne Spruch, den ich von einem meiner Ausbilder gelernt habe? Vor Gericht gibt es immer ein Urteil, aber selten Recht.

Nur mal nebenbei, und das ist hier meine ganz persönliche Sorge. Was ist, wenn wir in ein paar Jahren erfahren, dass irgendwo auf diesem Weg bis zur Rodung Geld den Besitzer gewechselt hat, das nicht hätte gezahlt werden dürfen? Wäre ja nicht das erste mal. Selbst wenn nicht, nur weil dem hier ein Gerichtsurteil zugrunde liegt, muss es noch lange nicht richtig sein.

Wie kommt so ein Urteil zustande? In Zeiten in denen ich mit meiner spießigen Familienkutsche gewisse Straßen meiden muss, da es das Klima belastet, wird plötzlich der Weg für unglaubliche Luftverschmutzung frei gemacht? Per Gericht und dann mit Hilfe der Polizei durchgesetzt?

Ich kann nicht fassen, wie ignorant man hier seitens der Politik und der Wirtschaft vorgeht. Und da wo sich Menschen diesem Treiben entgegenstellen, mit Gewalt dieses Urteil durchsetzt. Ich rede jetzt nicht von Chaoten, die Gewalt gegen Polizisten ausüben, die vermutlich nicht mal RWE buchstabieren können und einfach nur aus Abenteuerlust dort sind. Über Euch Spacken wurde genug geschrieben, belassen wir es dabei.

Es gibt aber auch viel Protest, der sinnvoll ist, der gerechtfertigt ist und der, wenn man den Zustand unserer Erde ansieht, nötig ist. Es wäre äußerst leichtfertig, diese Leute als "linke Spinner" abzustempeln. Immerhin machen sich Menschen Gedanken und ich bin froh über jeden, der das tut.

Ja, es gibt ein Gerichtsurteil zur Rodung. Und ja, es mag sein, dass die Rodung des Hambacher Forsts nicht das Ereignis ist, welches unser Klima endgültig kippen lässt. Aber was ist, wenn zig andere Konzerne durch zig andere Gerichtsurteile ermächtigt werden, die nächsten zig Wälder zu roden? Ist es dann immer noch richtig, wenn diese Urteile bewirken, dass unser Klima vor die Hunde geht?

Mein Sohn ist gerade drei und er versteht langsam, dass Papa bei der Polizei ist und es macht ihn schon stolz, dass Papa Menschen hilft und Räuber fängt. Aber, wenn er irgendwann groß ist und aufgrund von hundert anderen durchgesetzten Rodungen mit einer Staubmaske herumrennen muss, sage ich ihm dann, dass ich "dabei" war? Dass Gehorsam und Wohlverhaltenspflicht leider wichtiger waren, als unsere oder seine Zukunft? Irgendwie nicht.

Ich habe mal gelernt, dass der Sinn einer Gewaltenteilung darin besteht, dass verschiedene Instanzen sich gegenseitig kontrollieren. Nicht, dass eine der Instanzen blind durchsetzt, was immer sich die Andere (warum auch immer) als richtig hinlegt. Und wenn etwas, wie die Rodung dieses Waldes, so dermaßen wider jegliche Vernunft ist, dann wäre es vielleicht mal Zeit für eine dieser Instanzen, "Nein" zu sagen.

Wir leben in schwierigen Zeiten. Nicht weit von hier werfen andere ausführende Organe Bomben auf Schulkinder. Es ist noch nicht lange her, da haben ausführende Organe Menschen in Güterzüge gesperrt, nur weil jemand gesagt hat, dass es richtig ist. Hat sich damals, und auch jetzt, dabei auch diese "Naja, ist ja nunmal unser Job"-Einstellung durchgesetzt? Genau so entstehen Diktaturen. Genau so kann eine Regierung gegen ihr Volk handeln.

Wir sprachen neulich auf der Arbeit über die Rodung. Keiner der Kollegen am Tisch fand es auch nur ansatzweise richtig, was dort geschieht. Meinem Dienstgruppenleiter habe ich gesagt, dass er von mir eine Krankmeldung bekommen hätte, wären wir an diesem Einsatz beteiligt.

... => sorry: Weiter geht's im Kommentar Teil 2
  • 28.09.2018, 22:23 Uhr
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Wir haben aktuell keine größeren Probleme! ... Bei dem Gerangel um Erhalt oder Vernichtung dieses kleinen Fleckchen Erdes - den Rest des 12000 Jahre alten Hambacher Waldes - geht es mittlerweile doch darum, ob die Politik mit seiner Staatsmacht der Wirtschaft folgt oder für seine Bürger da ist. ... Ich war letzten Sonntag dort... natürlich hatte ich Angst vor Bedrohung jeglicher Art... doch es waren ganz normale Menschen dort... Großeltern mit Ihren Enkelkindern, Familien, Freundesgruppen, Naturschützer ... bei einem Vortrag eines Naturwaldführes bei einem altem Baum am Waldrand hörten ca. 200 naturverbundene Menschen seinem Vortrag zu...wir waren umrundet von ca. 200 Polizisten ... so war es ... BITTE, bin doch nur eine ganz normale Bürgerin ... Als Roland Koch mit seinem "Rotstift" in Hessen viele Polizeistellen und gleichzeitig deren Lohn kürzen wollte stand ich vor dem Hessischen Ministerium mit ca. 20.000 Menschen, um dagegen zu demonstrieren... und heute .... ich fahre am 6. Oktober zum Hambacher Wald. Bitte schlag mich nicht, ich bin eine ganz normale Bürgerin.
  • 27.09.2018, 16:19 Uhr
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  • 27.09.2018, 16:04 Uhr
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  • 27.09.2018, 16:04 Uhr
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  • 27.09.2018, 16:03 Uhr
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