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Mutter sucht 41 Jahre lang nach der Leiche der Tochter (†3) (Symbolbild)
Mutter sucht 41 Jahre lang nach der Leiche der Tochter (†3) (Symbolbild)Foto-Quelle: Pixabay

Sassnitz: Mutter sucht 41 Jahre lang nach der Leiche der Tochter (†3)

News Team
Beitrag von News Team

Es ist eine Geschichte wie aus einem Thriller: An einem kalten Dezembertag im Jahr 1977 wird die 25-jährige Christa S. aus Sassnitz (Rügen, damals DDR-Gebiet) überraschend zu einem Termin in einer örtlichen Oberschule zitiert. Die dreijährige Tochter Juliane lässt sie für die Zeit in der Obhut der Großeltern. Als Christa an diesem Abend das Mädchen abholen will, erfährt sie, das Kind sei in der Badewanne ertrunken.

Christas Welt bricht zusammen. Es ist schwer zu glauben, dass ihre Tochter ausgerechnet an diesem Tag gestorben sein soll. Als die Mutter später die Stadt bittet, die Leiche der Tochter noch einmal sehen zu dürfen, wird ihr Antrag abgelehnt. Die Beisetzung findet in ungewöhnlicher Eile statt, lediglich ein Kleid des Mädchens wird von der Familie verlangt. Für Christa wirft das Vorgehen der Stadt Fragen auf - sie vermutet, die Tochter sei zwangsadoptiert worden.

Antrag auf Exhumierung mehrfach abgelehnt

In den Jahren, die folgen, kehrt Christa immer wieder an die Stelle zurück, wo ihre Tochter begraben sein soll. Dort fragt sie sich, ob Juliane tatsächlich unter der Erde liegt. Die Vermutung, dass die Tochter in einer fremden Familie aufwachse, lasse nicht nach, sagt sie in Gesprächen mit dem „Norddeutschen Rundfunk“ und mit dem „Hamburger Abendblatt“.

Jahre vergehen, bis Christa die Entscheidung trifft, noch einmal nach der Tochter zu suchen. Als sie mit der Recherche beginnt, stößt sie auf Ungereimtheiten: gefälschte Unterschriften, der Totenschein ist lange nicht aufzufinden - und als er dann doch auftaucht, enthält er ein falsches Geburtsdatum. Außerdem teilt die Staatsanwaltschaft mit, nirgendwo gebe es eine Ermittlungsakte zum Tod des Mädchens.

Auf Christas Bitten führt die Universität Greifswald eine Georadarmessung an der Stelle durch, wo das Mädchen begraben sein soll. Zwar gibt es dort Hinweise auf einen Sarg, ob sich darinnen eine Leiche befindet, ist nicht sicher. Christa stellt bei der Stadt einen Antrag auf Exhumierung, diese wird aber nicht zugelassen. Auch weitere Anträge werden abgelehnt.

Zwangsadoptionen waren in der DDR Praxis

Wenn das Mädchen an jenem Dezembertag tatsächlich gestorben ist, warum wird ihr nicht ermöglicht, sich Gewissheit über den Tod der Tochter zu verschaffen, fragt sich Christa. Zwangsadoptionen zählen zu den am wenigsten aufgearbeiteten Kapiteln der DDR-Geschichte, teilweise wurden Kinder von Familien, die nicht ins System passten, ihren Familien weggenommen, schreibt das „Hamburger Abendblatt“.

DNA-Abgleich bestätigt Vermutung

Um den Tod ihrer Tochter für ein und allemal aufzuklären, zieht Christa vor Gericht. Bei einem Vergleich mit der Stadt erzielt die Mutter, dass das Grab nun doch geöffnet werden darf. Ein Team vom Hamburger Institut für Rechtsmedizin soll sich um die Exhumierung kümmern und - falls im Sarg tatsächlich eine Kinderleiche liegt - Christas DNA mit den Überresten vergleichen.

Während der Exhumierung im vergangenen Herbst wird - trotz Christas Zweifel an den Tod der Tochter - doch eine Leiche im Sarg entdeckt. Ob es sich um Juliane handelt, ist nicht sicher: Ein DNA-Abgleich soll bestätigen, ob es das Mädchen ist, oder ob ein anderes Kind mit dem damals von Christa bereitgestellten Kleid begraben wurde. Für alle Beteiligten ist es ein besonders emotionaler Moment.

Traurige Gewissheit

Zu 99,999 Prozent steht es nun endlich fest: Bei der im Sarg gefundenen Leiche handelt es sich um Juliane. Das Mädchen starb an jenem Dezembertag im Jahr 1977, wurde also nicht in eine fremde Familie gegeben.

Für Christa ist es schwierig, mit diesem Ergebnis zurechtzukommen: „Ich hatte so sehr gehofft, dass Juliane noch lebt, dass ich sie irgendwann in die Arme würde schließen können“, sagt sie im Gespräch mit dem „Hamburger Abendblatt“.

Dass dies nie möglich sein wird, weiß sie jetzt. Was sie wohl nie wissen wird, ist, warum ihr damals ein letzter Augenblick mit ihrer verstorbenen Tochter verwehrt wurde.

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4 Kommentare

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Fragt Mal in Berlin die Exregierung der DDR warum das alles so lief. Vielleicht macht sich Frau Merkel dafür stark um auch diese Vergangenheit auf zuarbeiten.
Das glaube ich nicht.Egal ob Merkel oder wer anders.Vielleicht eher Stiftungen.Denn die Vergangenheit der DDR birgt noch viele Geheimnisse.
War auch reiner Sarkasmus von mir.
Uta Espenhain !- Ich kann mich deinen Zweifeln nur anschließen ! Es wird kein öffendliches politisches Interesse bestehen konkrete Sachfragen auch nur ansatzweise nach so vielen Jahren zu klären, bzw. Unrecht aufzudecken ! Dies liegt meines Erachtens auch darin begründet, dass zb. einige "Westdeutsche" Politiker noch leben sowie Spitzenpolitiker in "Ostdeutschland" wenig Interesse haben werden. Also verfahren wir so wie in den USA wo Akten erst nach 100 Jahren oder nie geöffnet werden dürfen oder ganz verschwinden. Bestes Beispiel ist hier der Vatikan wenn auch nicht in diesen Fällen beispielhaft, oder doch ? Wahrscheinlich werden von den Geheimnissen, auch wenn selbige schon jetzt bekannt sind nur ein geringer Prozentsatz publik, weil ich denke das der "STUB" bei Ihrer Aufarbeitung sehr,sehr enge Grenzen gesetzt werden. Ein Schelm wer böses dabei denkt ! Schönes Wochenende und bei den ganzen Lügen keine grauen Haare bekommen !
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