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Lücke in Krankenversicherung belastet viele Frauen

Lücke in Krankenversicherung belastet viele Frauen

Sozialverband VdK Bayern e.V.
14.04.2014, 15:01 Uhr

Wer in der zweiten Hälfte seines Berufslebens nicht zu 90 Prozent gesetzlich pflichtversichert war, zahlt als Rentner drauf


Frauen, deren Männer selbstständig oder verbeamtet waren, trifft es ohne Vorwarnung: Viele von ihnen werden als Rentnerinnen freiwillig krankenversichert, weil sie in der zweiten Phase ihres Arbeitslebens nicht ausreichend lange in der gesetzlichen Krankenversicherung waren. Mit bitteren Konsequenzen, denn von ihrer oftmals kleinen Rente bleibt dann kaum etwas übrig. Der Sozialverband VdK sieht wegen dieser Benachteiligung die Politik in der Pflicht, gegenzusteuern.

Eva Koslowski ist seit September vergangenen Jahres Rentnerin. Ein langes Arbeitsleben liegt hinter ihr. Der Lohn für ihre Lebensleistung: 343 Euro Rente. Davon gehen 222 Euro für die freiwillige Krankenversicherung ab. Eva Koslowski fehlen vier Jahre Pflichtversicherungszeit. Das kommt sie heute teuer zu stehen. Sie wurde mit dem Eintritt in die Rente völlig davon überrascht, dass sie kein Pflichtmitglied in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) werden kann.

Große Belastung für kleine Renten

„Über die Höhe meiner Rente beschwere ich mich nicht, da ich viele Jahre halbtags gearbeitet habe“, stellt die Bielefelderin klar. Doch sie empfinde es als große Ungerechtigkeit, dass sie einen so hohen Krankenkassenbeitrag entrichten muss. Und das, obwohl ihr Mann als Beamter nur zu 30 Prozent privat krankenversichert war. Diese Regelung in der Krankenversicherung bringt aus Sicht des Sozialverbands VdK gerade für Rentnerinnen mit geringen Einkünften eine enorme Belastung. Der Krankenkassenbeitrag könne schnell 60 Prozent der Rente und mehr betragen.

Das benachteilige sehr viele Frauen, die ihr Leben lang fleißig waren. So wie Eva Koslowski. Schon mit knapp 14 Jahren ging die Bielefelderin in die Lehre, wurde Friseurin. Sie heiratete, bekam zwei Kinder. „Es gab damals keine Betreuungsmöglichkeiten, also musste ich erst mal zu Hause bleiben“, so die heute 65- Jährige. Ihr Mann arbeitete im öffentlichen Dienst und wurde Anfang der 1970er-Jahre Beamter im mittleren Dienst. „Wir hatten damals als vierköpfige Familie 800 Mark zur Verfügung. Damit konnten wir keine großen Sprünge machen“, sagt Eva Koslowski. Sie hätten nichts übrig gehabt, um eine zusätzliche freiwillige Krankenversicherung abzuschließen.

Doch die 65-Jährige will sich damit nicht abfinden. Sie hat Politiker und den Petitionsausschuss des Landtags Nordrhein- Westfalen angeschrieben sowie einen Anwalt mit der Angelegenheit beauftragt. Inzwischen hat sie auch Kontakt zu anderen Frauen, die ein ähnliches Schicksal haben. Eine von ihnen ist Rosmarie Aichmair. Ihr fehlen ein Jahr, ein Monat und elf Tage zur Pflichtversicherung. Fast die Hälfte ihrer Altersrente von 658 Euro geht für die freiwillige Krankenversicherung drauf. Die Münchnerin wechselte einst in die Privatversicherung, weil ihr Mann in der Polizeiausbildung war. „Ich habe immer dazuverdient, auch als ich wegen meines Kindes aussetzen musste“, fügt die 71-Jährige an. Während dieser Zeit habe sie sogar freiwillig Rentenbeiträge eingezahlt. Sie habe nie damit gerechnet, dass ihr so etwas passiert, zumal sie vor Rentenbeginn mehr als zwölf Jahre durchgehend pflichtversichert war.

Nur fünf Monate Pflichtversicherung fehlten Anna-Elisabeth G. aus Münster unter dem Strich. Auch sie erfuhr davon erst, als sie ihren Rentenantrag bereits gestellt hatte. Ihre schmale Rente wird durch den Krankenkassenbeitrag ebenfalls mehr als halbiert. Von 604 Euro gehen 332 Euro Krankenkassenbeitrag ab. „Ich werde wohl dazuverdienen müssen, um mir noch etwas leisten zu können“, meint die 65-Jährige, die im vergangenen Jahr in Rente ging.

Viele Frauen wissen noch nichts davon

Alle drei betroffenen Rentnerinnen sind sich einig: „Durch diese Regelung werden viele Frauen benachteiligt.“ Sie glauben, dass viele heute noch gar nicht wissen, dass sie später in der Rente das Nachsehen haben werden. Alle drei haben keine Information vorab dazu bekommen, weder vom Rentenversicherungsträger noch von der Krankenkasse. Erst wenn man den Rentenantrag gestellt hat, kommt das böse Erwachen. „Ich hätte gern noch das eine Jahr gearbeitet, damit ich die Jahre für die Pflichtversicherung voll bekomme, wenn ich es vorher gewusst hätte“, sagt Rosmarie Aichmair. (Ines Klut)

Weitere Artikel aus der VdK-Zeitung: http://www.vdk.de/permalink/3199

3 Kommentare

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Es kann sich in diesen Fällen nicht um eine freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung handeln, sondern um eine Privatversicherung. In der GKV würde der Beitrag im Jahre 2014 15,5% von der Mindestbemessungsgrundlage 921,67 EUR betragen (= 149,92 EUR). Der Rentenversicherungsträger würde einen Zuschuss in Höhe von 7,3% von der Rente zahlen (= 44,09 EUR), so dass unter Berücksichtigung des Beitrages zur Pflegeversicherung (= 18,89 EUR) eine Gesamtbelastung von 124,72 EUR und nicht 332 EUR bestehen würde.
  • 02.05.2014, 16:57 Uhr
Sozialverband VdK Bayern e.V.
Der Ehegattenunterhalt wird in diesem Fall auch angerechnet, weil auch die Einkünfte des Ehegatten sowie alle weiteren Einnahmen, z.B. aus Vermietung und Verpachtung, mit herangezogen werden.
  • 06.05.2014, 09:15 Uhr
Dann war der Artikel irreführend. Der sachverhalt wurde so dargestellt, als handele es sich bei der Rente um das einzige Einkommen
  • 09.05.2014, 16:23 Uhr
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