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DAX-Tafel an der Börse Frankfurt: Am 5. Juni 2014 übersprang der Index erstm ...
DAX-Tafel an der Börse Frankfurt: Am 5. Juni 2014 übersprang der Index erstmals die Marke von 10.000 Punkten

boersengefluester.de: DAX – Was Privatanleger jetzt wissen sollten

Gereon Kruse
Beitrag von Gereon Kruse

Pünktlich mit dem Überschreiten der 10.000-Punkte-Schwelle im DAX ist eine neue Diskussion in Gang gekommen: Lohnen sich Aktienkäufe jetzt noch – oder wird es nicht vielmehr bald Zeit für den Ausstieg? Klar, die berühmte Kugel zur Kursvorhersage hat auch boersengfluester.de nicht zur Hand. Und meistens kommt es sowieso alles anders – gerade auf dem Aktienparkett. Dennoch ist es lohnenswert, sich mit den wichtigsten Argumenten auseinanderzusetzen. Boersengefluester.de hat dazu etliche Berechnungen mit Hilfe der von uns selbst gepflegten Datenbank DataSelect durchgeführt.

Wie teuer ist der DAX eigentlich?

Die 30 DAX-Unternehmen haben derzeit einen Börsenwert von zusammengefasst 1.072,76 Mrd. Euro – eine kaum greifbare Größenordnung. Also heißt es Kleinholz machen: Setzt man etwa den addierten Nettogewinn der DAX-Konzerne für 2013 in Höhe von 64,307 Mrd. Euro in Relation zur Kapitalisierung des Blue-Chip-Index ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,68. Das ist momentan mal Fakt und wirkt im langfristigen Vergleich eher ambitioniert. Schließlich ist das historische KGV für den DAX wohl eher im Bereich um gut 13 bis 14 anzusiedeln. Demnach bekommt der DAX schon mal erste Abzüge in der B-Note. Allerdings blicken Börsianer stets in die Zukunft – um mindestens zwölf Monate. Dafür nehmen die Investoren sogar die Unsicherheiten einer Prognose in Kauf. Auf Basis der Schätzungen von boersengefluester.de verringert sich das DAX-KGV für 2015 auf 12,88. Bezogen auf unsere Prognosen für das Jahr 2016 ergibt sich sogar ein sehr moderat anmutender Wert von 11,82.

Einzelwerte im DAX vielfach deutlich teurer

Ernüchterung kehrt allerdings beim Blick auf die Bewertung vieler Einzelaktien ein. Auf 2015er-Basis kommen immerhin zwölf Titel auf ein KGV von mehr 15. Beiersdorf und Henkel spielen sogar in der „Ü20-Liga“. Wirklich einladende KGVs im einstelligen Bereich oder knapp über zehn haben lediglich die schwergewichtigen Titel aus der Finanzbranche wie Allianz, Deutsche Bank und Münchener Rück sowie die Vertreter aus dem Automobilsektor. Über ihre Bank-Töchter sind BMW, Daimler und Volkswagen jedoch auch beinahe halbe Finanzdienstleister.

Blick auf die Dividendenrendite

Die Hauptversammlungssaison ist gelaufen für den DAX. Kurzfristig sind von dieser Seite also keine Impulse zu erwarten. Boersengefluester.de hat daher bereits die erwarteten Dividendenrenditen für 2014 – ausgezahlt wird im kommenden Jahr – berechnet. Demnach kommen immerhin 13 DAX-Aktien nur noch auf eine Rendite zwischen 1,0 und 2,0 Prozent. Bei vier Unternehmen liegt die Verzinsung zwischen 2,0 und 3,0 Prozent. Und jetzt wird es interessant: Sieben Gesellschaften dürften auf Basis der Schätzungen von boersengefluester.de eine Bruttoverzinsung in einer Range von 3,0 bis 4,0 Prozent abwerfen. Bei Allianz, Münchener Rück und (mit einem Fragezeichen) auch E.ON können Privatanleger sogar auf eine vier vor dem Komma hoffen. Das Thema Dividende wird langfristig also ein Treiber bleiben.

Und das Kurs-Buchwert-Verhältnis?

Komplett im neutralen Bereich bewegt sich der DAX momentan unter KBV-Gesichtspunkten. Nach Berechnungen von boersengefluester.de türmte sich das Eigenkapital in den Bilanzen der DAX-Konzerne zum Ende des ersten Quartals auf rund 624 Mrd. Euro. Bereinigt um die fälligen Dividendenzahlungen ergibt sich ein Buchwert von 597,28 Mrd. Euro. In Relation zum gesamten Börsenwert von 1.072,76 Mrd. Euro läuft das auf ein Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 1,80 hinaus. Kein Schnäppchen, aber auch kein Grund zur Panik.

Auf dem Höhepunkt einsteigen?

Psychologie spielt eine ganz wichtige Rolle an der Börse. Und so wirkt ein DAX-Stand nahe 10.000 Punkten auf viele Anleger abschreckend. Wie wäre es daher mit einem DAX von 5122 Zählern? Kein Problem. Der in den Medien regelmäßig erwähnte DAX hat nämlich noch einen kleinen Bruder – und zwar in der Version eines Kursindex, während der bekannte DAX als Performance-Index konzipiert ist. Markantester Unterschied sind die Dividendenzahlungen, die beim Performance-DAX mit einfließen und beim Kurs-DAX – wie bei internationalen Börsenbarometern üblich – abgezogen werden. Die Unterschiede sind verblüffend: Während sich der Performance-DAX nahe des All-Time-Highs bewegt, notiert der Kurs-DAX um rund 18 Prozent niedriger als zu seinem Rekordhoch vom März 2000. Ein Spiegelbild liefern die Aktienkurse der DAX-Gesellschaften. Immerhin zehn Papiere kosten um mindestens 50 Prozent weniger als zum Rekordniveau. Bei sieben Titeln ist der Kursgipfel zwischen 20 und 50 Prozent entfernt. Ebenfalls interessant: Bei nur zwölf DAX-Werten datiert das All-Time-High von 2014. Für 16 DAX-Titel stammt die Bestmarke dagegen aus dem Jahr 2008 oder noch früher. Natürlich ist es ein Trugschluss, dass Aktienkurse irgendwann wieder zu früheren Rekordmarken aufschließen müssen. Anteilseigner der T-Aktie wissen ein Lied davon zu singen. Einen generellen Höhenkoller müssen Anleger bei einem DAX von 10.000 Punkten aber keinesfalls bekommen.

Welche DAX-Aktien laufen 2014 besonders gut?

Unterschiedlicher könnte die Performance kaum sein. Während sich Inhaber eines DAX-Zertifikats im laufenden Jahr über einen Wertzuwachs von momentan gut vier Prozent freuen können, liegen die Aktionäre von ThyssenKrupp, Infineon und HeidelbergCement zwischen 16 und 21 Prozent vorn. Aber es gibt auch jede Menge Verlierer. Vor allen Dingen die Papiere von SAP, Adidas und der Deutschen Bank zählten im ersten Halbjahr zu den Verlierern. Das Blatt kann sich schnell wenden. Die Lufthansa hielt sich 2014 auch lange im Führungskreis auf, ehe eine Gewinnwarnung für plötzlichen Anlegerfrust sorgte.

Was sonst tun mit dem Geld?

Das ist die Gretchenfrage. Anleihen von als sicher angesehenen Emittenten werfen nur noch Minizinsen ab. Und Bonds von riskanteren Adressen sind nicht jedermanns Geschmack. Auch der Blick auf die einschlägigen Anbieter von Tagesgeldkonten lässt Frust aufkommen – Lebensversicherungen und Bausparpläne eingeschlossen. Das macht Aktien zwar bestimmt nicht gleich zum Darling der Bundesbürger. Doch Dividendenwerte verfügen zumindest über die besten Argumente. Das stärkste ist vermutlich die Politik der Notenbanken. Die niedrigen Zinsen sorgen seit geraumer Zeit für eine Neubewertung der Assetklasse Aktien. Historische Bewertungsrelationen – etwa beim KGV (englisch Price-Earnings) – werden korrigiert. Im Börsensprech nennt sich das Phänomen übrigens "PE-Shift". Aber der Kapitalmarkt hat auch eine ganz hässliche Seite: Die Kurseinbrüche von 2000 bis 2003, von 2008 bis 2009 sowie der 2011er-Absturz sind eindrucksvolle Beispiele. Und auch heute kann es jederzeit passieren, dass der DAX zu einer kräftigen Korrektur ansetzt. Ein Verlust von 2000 DAX-Punkten klingt heftig – käme aber „nur“ einem Verlust von 20 Prozent gleich. Solche Rückschläge sind nie ganz auszuschließen. Und meistens treten sie dann auf, wenn die Masse der Anleger zu sorglos wird. Am besten: Jeder überprüft seinen Gemütszustand und die Erwartungshaltung an die Börse bei sich selbst.

Mit komplett auf Nutzwert ausgerichteten Übersichtstabellen und selbst entwickelten Analyse-Tools hilft Ihnen boersengefluester.de bei den Investmentenscheidungen.

Für den DAX empfehlen wir Ihnen:

Wichtige Kennzahlen für alle DAX-Aktien auf Zehn-Jahres-Sicht: HIER klicken.

Abstand zum All-Time-High und dem 52-Wochen-Hoch: HIER klicken.

Performance der DAX-Aktien zwischen den Hauptversammlungen: HIER klicken.

11 Kommentare

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Hallo, Herr Kruse, der aktuelle Stand des DAX wird immer in Punkten ausgedrückt. Wie werden diese Punkte-Bewertungen errechnet?
Gereon Kruse
Hallo Herr Seybold, die genaue Berechnungsformel für den DAX ist aufgrund von Kappungsgrenzen, den sich ändernen Gewichtungen der Einzelaktien und Dividendenberücksichtigungen ziemlich kompliziert - lehnt sich aber grundsätzlich an die Formel von Laspeyres an. Wer BWL studiert hat, kennt den Namen vermutlich noch aus den Statistikvorlesungen. Wirklich alles Wissenswerte zu dem Thema Börsenindizes finden Sie in dem Indexleitfaden der Deutsche Börse AG. Dort steht auch die Berechnungslogik. "Selbst nachrechnen" kann man den DAX allerdings wohl trotzdem nicht. Die "dimensionslose" Angabe in Punkten hängt damit zusammen, dass sich Preis (Euro) und Menge (Anzahl der Aktien in Stück) in der Formel wegkürzen.

Hier der Link zu dem Leitfaden:

http://www.dax-indices.com/DE/MediaL...indizes.pdf

Hoffentlich konnte ich Ihnen damit behilflich sein. Viele Grüße, Gereon Kruse
Vielen Dank Herr Kruse, dieser Leitfaden ist ja hochinteressant. Allerdings werde ich noch viel Zeit brauchen, um alle diese Informationen zu 'studieren'.
Beste Grüße aus Mannheim!
Gereon Kruse
Keine Ursache Herr Seibold. Komplett "studieren" muss man den Leitfaden vermutlich gar nicht. Vieles behält man auch nicht. Aber dann ist es zumindest gut zu wissen, wo die Information steht – wenn man sie mal wieder abrufen will. Ich selber schaue regelmäßig in den Leitfaden. Und sei es nur um die Kriterien für eine Indexaufnahme oder - degradierung nochmals nachzulesen. Für mich ist der auf der Webseite der Deutschen Börse doch ziemlich versteckte Leitfaden jedenfalls eine kleine Schatzkiste.
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habe gerade mein million verbummelt.Sonst würde ich gern auf die Ratschläge zurückkommen
Gereon Kruse
Vielleicht findet sich das Geld ja noch auf.
Jau lach melde mich dann bei dir.Aber sag mal ehrlich glaubst du wirklich das es hier viele sind die sich für dein Thema interessieren?Ist schon sehr speziell.Bin nun wahrlich nicht der Blödmann der Nation aber auch ich tue mich damit sehr schwer
Gereon Kruse
Mag sein, dass das Thema etwas speziell ist. Aber im Fernsehen läuft ab und zu auch "Randgruppenunterhaltung". Das sind meist nicht die schlechtesten Sendungen. Ich mache auf jeden Fall mal weiter hier auf SB. Es gibt ja keinen Lesezwang. Und manch einen interessiert das Thema Börse vielleicht doch. Die rege Diskussion hier spricht ja sogar klar dafür.
Mich interessiert das Thema Börse, Geldanlage, etc. jedenfalls sehr. Ich bin kein Experte, aber hier kann man auf jeden Fall etwas dazulernen. Außerdem tragen die Beiträge von Herrn Kruse zur Hebung des Informationsniveaus von Seniorbook bei. Banale Beiträge in der Themenwelt und vor allem am Schwarzen Brett haben wir ja schon mehr als genug.
Wir haben heute eine nie für möglich gehaltene Inflationsrate von weniger als einem Prozent. Das bedeutet, dass der Euro des Sparers nach zehn Jahren immer noch über 90 Prozent wert ist und die eineinhalb bis zwei Prozent an derzeitigen Zinsen gibt es fast real noch dazu. Im Grunde sind das traumhafte Bedingungen für uns Bürger zur Altersvorsorge, zur Lebensversicherung, zum Langzeitsparen, weil es einen solchen Kapitalwert-Erhalt in der Geschichte noch nie gegeben hat. Die Auszahlungssumme am Ende der Laufzeit mag kleiner sein als erwartet, aber was nützt ein durch Zinsen aufgeblähter Betrag, wenn die Preise infolge von Inflation davongelaufen sind?

(Aus einem Leserbrief von Dr. Albert Eding, Gablingen in der SZ vom 12. Juni 2014)

Lieber Herr Kruse, zu diesem Thema würde mich Ihre Meinung interessieren.
Aber ist es nicht so bei einer Verzinsung von 0,5% und einer Inflationsrate von 1,5% das mir mein Kapital unter den Händen zerfliesst.Warum wohl strecken,bei Lebens oder Rentenversicherungen,die Versicherungen die Altersstruktur?
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