Kfz-Versicherer müssen auch bei Bagatellschäden Sachverständigenkosten ersetzen

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onlineurteile.de - Nach einem Verkehrsunfall mit seinem alten Wagen beauftragte Autobesitzer A ein Sachverständigenbüro mit einem Schadensgutachten. Resultat: Reparaturkosten: 402 Euro, Wiederbeschaffungswert des Wagens: 300 Euro, Restwert: 20 Euro. Das Gutachten kostete 324 Euro.

Anstandslos zahlte die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners, der den Zusammenstoß verschuldet hatte, die Reparaturkosten. Sie weigerte sich allerdings, die Kosten des Gutachtens in voller Höhe zu erstatten.
Bei so einer „alten Karre“ hätte kein vernünftig und wirtschaftlich denkender Mensch ein Gutachten erstellen lassen, warf das Unternehmen dem A vor. Er habe gegen seine Pflicht verstoßen, den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Mit dieser Argumentation war das Landgericht Darmstadt nicht einverstanden: Es ergriff Partei für den Unfallgeschädigten (6 S 34/13). Auch wenn es sich um einen Bagatellschaden an einem alten Fahrzeug mit hoher Laufleistung handle, habe der Geschädigte Anspruch auf Ersatz für die Kosten eines Schadensgutachtens.

Nach einem Unfall stehe der Autobesitzer vor der Entscheidung, einen Sachverständigen zu beauftragen oder nur den Kostenvoranschlag einer Werkstatt einzuholen. Zu diesem Zeitpunkt sei die Höhe des Schadens meistens noch nicht absehbar, für Laien jedenfalls nicht. Ob es ein Bagatellschaden sei oder mehr, stelle sich häufig erst bei der Untersuchung heraus.

Wer auf ein Gutachten verzichte, gehe außerdem das Risiko ein, dass der Unfallgegner bzw. dessen Haftpflichtversicherung einen Kostenvoranschlag als unzureichend einstufe. Dieses Risiko sei für den Unfallgeschädigten unzumutbar. Darüber hinaus hätten Besitzer älterer Autos auch ein Interesse daran, das Verhältnis zwischen Reparaturschaden und Totalschaden feststellen zu lassen. Das könne nur ein Kfz-Sachverständiger.

Urteil des Landgerichts Darmstadt
vom 05.07.2013 – 6 S 34/13
Artikelnummer: 53653

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