Geschenkt ist geschenkt? Die Hintertürchen bei der Vermögensübertragung
Geschenkt ist geschenkt? Die Hintertürchen bei der VermögensübertragungFoto-Quelle: © PhotographyByMK - www.Fotolia.com

Geschenkt ist geschenkt? Die Hintertürchen bei der Vermögensübertragung

Dr. Kittl & Partner
Beitrag von Dr. Kittl & Partner

Eine Schenkung ist in der Regel ein endgültiger Schritt. Wer eine solche vorzeitige Vermögensübertragung vornimmt, sollte deshalb die wichtigsten Sonderregelungen kennen.

Vielen Erblassern, die Ihr Vermögen ganz oder teilweise vorzeitig durch eine oder mehrere Schenkungen steuerschonend übertragen möchten, ist nicht klar, dass eine Schenkung - egal ob einer großen Geldsumme, eines Häuschens oder einer Eigentumswohnung - ein endgültiger Schritt ist. „Hier gilt eindeutig: Geschenkt ist geschenkt", warnt Steuerberater Christian Pongratz von der Kanzlei Dr. Kittl & Partner. Allerdings gibt es Möglichkeiten, durch juristisch so genannte „Rückfallklauseln“ zu verfügen, dass die Schenkung etwa im Fall des Vorversterbens oder der Insolvenz des Kindes rückgängig gemacht wird. Eine vergleichbare Klausel macht auch für den möglichen Scheidungsfall Sinn, wenn man sein Vermögen an den Ehepartner überträgt.

Sonderfall Kettenschenkung

Bei der Schenkung sind aber auch weitere Sonderfälle zu beachten, etwa die „Kettenschenkung“. Dahinter steht die Überlegung, auch familienfernere Personen wie die Schwiegertochter mit einem höheren als dem gesetzlich festgelegten Freibetrag in Höhe von 20.000 Euro zu bedenken. Zum Beispiel, indem der Vater den Sohn in Höhe des Freibetrags von 400.000 Euro beschenkt und dieser dann seine Ehefrau – denn dann gilt sogar ein Freibetrag von 500.000 Euro. Allerdings darf die Schenkung nicht mit der Verpflichtung des Weiterschenkens verbunden sein, da das Finanzamt sonst auf die 20.000 Euro-Regelung zurückgreift. „Die Schenkung an die Ehefrau muss aus freien Stücken erfolgen“, so Steuerberater Pongratz.

Sonderfall Erwachsenen-Adoption

Möchte man einen entfernten Verwandten wie etwa einen Neffen oder auch einen Freund, zu dem eine starke Bindung besteht, beschenken, ist - aus steuerlicher Sicht - eine Adoption auch als Erwachsener eine Alternative. Denn dann gilt wiederum der Freibetrag in Höhe von 400.000 Euro statt nur von 20.000 Euro. „Die familiäre Bindung muss aber bei der Adoption im Vordergrund stehen“, rät Steuerberater Pongratz.

Sonderfall Güterstandsschaukel

Einen steuerfreien Zugewinnausgleich ermöglicht die so genannte „Güterstandsschaukel“. Hintergrund: Zwischen Ehegatten gibt es unterschiedliche Güterstände wie die Zugewinngemeinschaft, die Gütertrennung und die Gütergemeinschaft. Wird zu Beginn der Ehe nichts anderes vereinbart, gilt die Zugewinngemeinschaft, die aber keine Gütergemeinschaft ist. Und so funktioniert die Güterstandsschaukel: Hat beispielsweise der Ehemann durch seinen Beruf nach 25 Jahren zwei Millionen Euro Zugewinn (Differenz zwischen Endvermögen zum Stichtag und Anfangsvermögen bei Eheschließung), die Ehefrau aufgrund der Kindererziehung null Zugewinn, hätte die Ehefrau im Scheidungsfall Anspruch auf die Hälfte des Zugewinns des Gatten, also eine Million. Durch einen vertraglichen Wechsel des Güterstandes von Zugewinn auf Gütertrennung entsteht bei der Ehefrau ein Zugewinnausgleichsanspruch und dieser Anspruch muss dann auch durch „Zahlung“ ausgeglichen werden. Der Betrag, im Beispiel eine Million Euro, muss an die Ehefrau abgeführt werden, gilt aber wie ein Schenkung und bleibt komplett steuerfrei, ohne dass der persönliche Freibetrag von 500.000 € berührt wird und so für weitere Schenkungen zur Verfügung steht. Das Vermögen kann dann genutzt werden, um die Kinder zu beschenken, da auch bei einer Schenkung durch die Ehefrau ein steuerlicher Freibetrag in Höhe von 400.000 € je Kind gilt.

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