„Rente ab 63“: Zahlreiche Beratungen
„Rente ab 63“: Zahlreiche BeratungenFoto-Quelle: © JiSign - www.Fotolia.com

„Rente ab 63“: Zahlreiche Beratungen

Sozialverband VdK Bayern e.V.

Die neuen Rentengesetze gehören in den VdK-Kreisgeschäftsstellen schon zum Tagesgeschäft


Großer Beratungs- und Informationsbedarf wegen der „Rente ab 63“. Seit Einführung der neuen Gesetzgebung vergeht in den 69 VdK-Kreisgeschäftsstellen in Bayern kaum ein Tag, an dem sich nicht ein oder mehrere VdK-Mitglieder diesbezüglich beraten lassen.

Die neue Gesetzgebung besagt: Wer 63 Jahre alt ist und 45 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, kann die „Altersrente für langjährig Versicherte“ bekommen. Dies gilt für Personen, die bis einschließlich 1952 geboren sind. Danach verschiebt sich das entsprechende Renteneintrittsalter – wie bei der „Rente mit 67“ – für jeden Jahrgang um zwei Monate nach hinten. Für die Geburtsjahrgänge 1953 bis 1963 wird es also schrittweise auf das 65. Lebensjahr angehoben. Jahrgänge ab 1964 können dann frühestens mit 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen.

50 Jahre gearbeitet

Josef Furtner aus Langenpreising ist eines von vielen VdK-Mitgliedern, die sich in den VdK-Kreisgeschäftsstellen beraten lassen. Seit seinem 14. Lebensjahr hat der heute 64-Jährige gearbeitet und kommt damit auf 50 Jahre Arbeitszeit. Für den gelernten Industriekaufmann füllte der VdK Erding die Formulare aus und schickte sie an die Rentenversicherung. VdK-Kreisgeschäftsführer Thomas Bajcar, der die Unterlagen geprüft hat, sieht keine Probleme, dass der Antrag durchgeht.

„Wir haben momentan sehr viele Anfragen wegen der ‚Rente ab 63’", erzählt Bajcar. Schließlich sei es lange her, dass so eine große Gesetzesänderung stattgefunden hat. Und es seien fast ausschließlich Männer, deren Erwerbsbiografien nicht durch Kindererziehungszeiten unterbrochen wurden, die sich einen Beratungstermin geben lassen. Viele davon seien Handwerker. Bajcar sieht seine Arbeit als Dienstleistung, die von den VdK-Mitgliedern sehr honoriert werde. „Die Leute zahlen gerne den monatlichen VdK-Beitrag, damit sie mit dem Papierkram nichts zu tun haben müssen.“

Hermann Wurm aus Egling wird im August 63 Jahre alt und hat über den VdK Landsberg am Lech seinen Rentenantrag einreichen lassen. Der gelernte Schreiner, der gesundheitliche Probleme hat, hofft auf eine baldige Nachricht der Rentenversicherung. Sein Sachbearbeiter beim VdK, Markus Sanktjohanser, ist zuversichtlich. „Wenn alles klappt, kann Herr Wurm im September in Rente gehen“, sagt er. Der Beratungsbedarf wegen der neuen Rentenregel sei sehr groß, erklärt der Sachbearbeiter des VdK Landsberg am Lech. „Einige informieren sich schon jetzt, obwohl sie erst in zwei Jahren 63 werden“, weiß er.

Die VdK-Mitglieder müssten den Versicherungsverlauf mitbringen. „Ansonsten fragen wir das bei der Rentenversicherung an und bringen alles auf den aktuellen Stand.“ Sanktjohanser findet es gut, wenn man im Vorfeld schon vieles abklärt. „Das ist viel besser, als kurz vor knapp zu kommen.“ „Die ‚Rente ab 63’ gehört bei uns schon zum Tagesgeschäft“, sagt Sachbearbeiterin Waltraud Balk vom VdK-Kreisverband Weiden. „Heute hatte ich schon zwei Beratungen, und es ist erst 10 Uhr.“

Gewisse Unsicherheit

Wolfgang Dietzel, VdK-Kreisgeschäftsführer in München, mit über 50.000 Mitgliedern der größte VdK-Kreisverband in Bayern, erklärt: „Das ist bei uns natürlich ein Thema und nimmt aktuell einen großen Teil unserer Arbeitszeit in Anspruch.“ Bei den Mitgliedern herrsche doch eine gewisse Unsicherheit, ob sie denn wirklich alle Voraussetzungen für die „Rente ab 63“ erfüllten. Außerdem gebe es Mitglieder, die bereits eine Altersteilzeit mit dem Arbeitgeber vereinbart hätten. Da würden sich dann wieder ganz neue Fragen stellen. Denn die neue Renten-Regelung könne mitunter sogar die Lebensplanung für einige Jahre verändern.

Die Betroffenen fragen in den Beratungen dann angesichts der neuen Perspektiven: „Was mache ich jetzt am besten?“ Der Leiter der Rechtsabteilung des VdK Bayern, Rainer Strauch, referiert zu diesem Thema bei Informationsveranstaltungen für die Vertrauensleute in den Betrieben, die auch vom VdK geschult werden. Ihnen erklärt Strauch die neue Rechtslage. Bei der Berechnung der 45 Versicherungsjahre zählen alle Zeiten, in denen der Betroffene (sozialversicherungspflichtig oder selbstständig) gearbeitet und Pflichtbeiträge an die Rentenkasse eingezahlt hat.

Auch Zeiten der Wehr- und Zivildienstpflicht werden angerechnet, nicht jedoch Zeiten des Schul- oder Hochschulbesuchs. Strauch weiter: „Arbeitslosengeld I wird berücksichtigt. In dieser Zeit hat die Arbeitsagentur Rentenbeiträge entrichtet. Dagegen bleiben Zeiten unberücksichtigt, in denen der Betroffene von Arbeitslosenhilfe beziehungsweise ab 2005 von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) lebte.“ (Petra J. Huschke)

Weitere Artikel aus der VdK-Zeitung lesen: VdK-Zeitung

Mehr zum Thema