Auftakt mit Erbfällen: "ARD-Rechtsexperte" Dr. Frank Bräutigam
Auftakt mit Erbfällen: "ARD-Rechtsexperte" Dr. Frank BräutigamFoto-Quelle: © SWR/Sonja Bell/Montage Jutta Haderer

Neuer ARD-Ratgeber "Wer hat Recht?" - banal und unfreiwillig komisch

Bernd Berke
Beitrag von Bernd Berke

Schon gehört? Die ARD hat eine neue Sendung mit lustigen Parodien. Das könnte man jedenfalls glauben. Offiziell kommt „Wer hat Recht?“ allerdings als juristischer Ratgeber daher.

Die erste Ausgabe, der hoffentlich nur wenige folgen werden, trug den reißerischen Titel „Kampf ums Erbe“. Der ARD-„Rechtsexperte“, der uns unverdrossen durch die Sendung begleitet, heißt Dr. Frank Bräutigam. Was ihn für den nichtssagenden Experten-Titel qualifiziert, erfahren wir natürlich nicht. Seine Hauptaufgabe ist es denn auch, ebenso smart wie seriös zu wirken. Der Mann kann ja so bedeutsam in die Ferne blicken...

Ein Testament machen und nicht verstecken

Welch ein Brimborium um ein paar ziemlich banale Ratschläge, für die 10 Minuten Sendezeit gereicht hätten! Wir erfahren beispielsweise , dass man beizeiten ein Testament machen solle, und zwar handschriftlich; dass man den letzten Willen am besten nicht unauffindbar versteckt, sondern beim Amtsgericht hinterlegt; dass man im Streitfall auch schon mal auf Vermittler (Mediatoren) zurückgreifen kann. Auch lernen wir, dass es häufig Familienkrach um Hinterlassenschaften und manchmal üble Erbschleicher gibt. Ach was!

Jetzt mal ehrlich. Das alles waren beileibe keine Neuigkeiten. Aber man tat, als hätte man soeben das Rad erfunden. Doch mit künstlich herbeigeredeter „Spannung“, läppisch-geschmacklosen Comic-Einspielern und dilettantisch nachgestellten Szenen wirkte das Ganze über weite Strecken unfreiwillig komisch.

Optisch wie ein Werbespot aufbereitet

Optisch wurde die Sendung aufbereitet wie ein Werbespot für eine Rundum-sorglos-Versicherung. Dazu gab’s im Hintergrund Musikgeplätscher mit pseudodramatischen Gipfeln. Nach Art gewisser Privatsender wurde auch auf gezielt die Tränendrüse gedrückt. Und gleich zu Beginn wurde das Sterberisiko drastisch beschworen – mit Tourenwagenfahrern auf dem Nürburgring. Dazu die atemlose Drohung: „Todesgefahr jederzeit“. Na klar, die Raser sollten ihr Testament machen. Und wir alle ebenfalls.

Mag sein, dass manche Notare und Mediatoren heute ein paar Anfragen mehr erhalten als sonst. Aber das war’s dann auch schon an womöglich segensreicher Wirkung.

Übrigens: Die nächste Ausgabe von „Wer hat Recht?“ (6. Oktober) wird von Nachbarschaftsstreits handeln. Fast jede Wette, dass dann das Wort „Maschendrahtzaun“ vorkommt.