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Tolle Fotos – und dann?

Tolle Fotos – und dann?

Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
26.03.2014, 13:19 Uhr

Viele von uns haben eine fast unüberblickbare Anzahl von „jpgs“ oder „raws“ auf diversen Chips, Sticks, Speicherplatten oder in Clouds gespeichert. Dank der enormen Fortschritte in der digitalen Fotografie können wir mittlerweile bei jeder Gelegenheit viele und aufsehen- erregende Fotos „schießen“ – sollte eine Serie wirklich einmal daneben gehen, werden die Dateien einfach gelöscht. Niemand muss wie noch vor wenigen Jahren teure Papierabzüge wegwerfen.
Doch wie so oft ist auch hier der Fortschritt Fluch und Segen zugleich: Denn – was passiert eigentlich mit unseren Bildern nach dem Fotografieren?

„Geotag“ ist bereits in einigen Kameras integriert und könnte bald wie das EXIF-Datum zu einem zentralen Universalmittel in der Fotoverwaltung werden (für nähere Informationen zu Geotag: siehe Link am Ende dieses Beitrags). Es könnte zu einer großen Erleichterung für viele Fotografierenden werden, und ist gleichzeitig auch ein Zeichen der Verzweiflung. Denn es ist schwierig geworden, den wachsenden digitalen Fotobergen Herr zu werden.

Auch wenn neue und immer raffiniertere Programme die Fotoverwaltung erleichtern, bleibt ein grundsätzlicher Fragenkomplex zu klären: Wofür die Fotos? Weshalb fotografieren wir? Und wer sieht sich unsere Bilder tatsächlich an?
Fotos speichern
Wahrscheinlich möchte niemand seine Fotos allein für diverse Speichermedien produzieren, zumal hier Vorsicht empfohlen wird: Festplatten oder Speicherchips können physikalisch einfach kaputt gehen; wer dann nicht bereit ist, viel Geld für eine Reparatur auszugeben, verliert unter Umständen ganze Generationen von Bildern. Auf CDs oder DVDs gebrannte Fotos haben eine Haltbarkeit von etwa zehn Jahren, ist diese Frist verstrichen, empfiehlt sich ein Umspeichern, am besten immer auf das neueste verfügbare Medium. Clouds scheinen eine gute Alternative zu herkömmlichen Speichermedien zu sein, es muss sich aber in der Zukunft noch zeigen, wie sicher – vor allem vor dem Zugriff Dritter – sie tatsächlich sind.
Fotos verwalten
Was wieder zur Frage führt: Wer sieht sich unsere Fotos tatsächlich an? Kurz nach der Familienfeier oder dem Urlaub werfen wir natürlich alle einen interessierten Blick darauf, aber wann haben wir die Urlaubsfotos von vor fünf Jahre das letzte Mal angesehen? Es kommen so schnell so viele neue Ereignisse mit den dazugehörigen Fotos dazu, dass wir letztendlich immer Gefahr laufen, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.

Da hilft nur eins – Handarbeit! Jenseits aller Möglichkeiten des Speicherns und Verwaltens gehört das regelmäßige Sichten, Bewerten und – auch wenn’s schwerfällt: das Aussortieren und Wegwerfen (also Löschen) – zum Fotografieren genauso dazu, wie das Einstellen der Bildschärfe. Einige wenige ausgewählte und aussagekräftige Bilder bringen auf die lange Sicht mehr als Tausende, oft sehr ähnlicher Fotografien auf irgendeinem Speichermedium. Das Verwalten und Sichten von Fotos ist mittlerweile zeitaufwändiger geworden als das Fotografieren selbst. Aber neben schönen Erinnerungen, die beim Sortieren älteren Bildmaterials gerne zurückkommen, kann bei der Gelegenheit ein kritischer Blick auf unsere Bilder auch helfen, die eigene Technik, die Aussagekraft und die Stimmung unserer Fotos zu verfeinern.

Denn das ist die Aufgabe: Suche aus sehr vielen Bildern die heraus, die exemplarisch für alle anderen stehen. Welche Aussage, welche Stimmung sollen sie dem Betrachter vermitteln? Welches Ereignis habe ich festgehalten und warum? Was möchte ich mit meinen Fotos zum Ausdruck bringen?
Das klingt kompliziert und ist es anfangs auch; aber mit der Zeit entwickelt sich ein Blick für die Bilder, die es wert sind. Wer unsicher ist, kann alle Fotos, die es nicht geschafft haben, vorsichtshalber aufbewahren; Fortgeschrittene löschen. Dabei mag das eine oder andere Foto verloren gehen, das es beim zweiten Betrachten vielleicht in die Gruppe der Auserwählten geschafft hätte; die Frage ist nur, wie realistisch eine zweite Screening-Runde ist.
Fotos zeigen
Und die Auserwählten? Die „Übriggebliebenen“? Diese Bilder sind besonders – sonst wären sie nicht ausgewählt worden –, und verdienen es in jedem Fall, gezeigt zu werden. Zwar ist es nett, in geselliger Runde Fotos eben mal schnell per Smartphone oder Tablet zu zeigen, die Erfahrung lehrt allerdings, dass Menschen in dieser Hinsicht sehr konservativ sind und lieber blättern: Das klassische Fotoalbum aus Papier schlägt nach wie vor sämtliche digitale Vorführmedien um Längen und hat den Vorteil, dass es so schnell nicht verloren oder kaputt gehen kann. In der Regel werden Alben heute nicht mehr mühsam mit Schere und Fotoecken bestückt, sondern meistens am Computer als Fotobuch gestaltet, das anschließend in beliebiger Stückzahl und zum Teil sehr hochwertig gedruckt werden kann.

Wem Fotobücher für seine Auserwählten zu einseitig sind, hat viele weitere Möglichkeiten zur analogen Präsentation seiner digitalen Bilder: Neben Fotoleinwänden oder -Postern gibt es Tassen, T-Shirts, Puzzle, Memo-Spiele, Kissen und vieles mehr, um persönliche Fotoarbeiten zu zeigen, wobei immer auch auf die Qualität der angebotenen Druckmöglichkeit geachtet werden sollte.
Egal, wie und wofür man sich entscheidet, wichtig ist, Fotografie nicht als „Geknipse“ abzuwerten, sondern sie als besonderen Ausdruck mit persönlicher Note zu verstehen. Und sich – rechtzeitig – die Frage zu stellen, ob man tolle Fotos wirklich nur für Geotag, Fotoverwaltung und diverse Speichermedien macht, oder ob man mit ihnen „leben“ möchte….

Weiterführende Artikel:
- „Geotag“

-Weiterführender Artikel zu Fotobearbeitung und Fotos mit „Stich“

-Was man mit auserwählten Lieblingsbildern machen kann

Copyright: Agentur für Bildbiographien, 2014

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